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Nach jahrelangem Rechtsstreit
Cretu-Villa abgerissen
Über kein Haus wurde in der Vergangenheit so viel geschrieben und berichtet: Die Villa des rumänischen Musikproduzenten Michael Cretu in Santa Agnès brachte es zu einer traurigen Berühmtheit. Alles drehte sich im Laufe der vergangenen 14 Jahre um die Frage: Legal oder illegal? Unzählige Anträge und Gutachten wurden gestellt, eine Flut von Gerichtsurteilen und Revisionen folgten. Umweltschützer, Richter, Staatsanwälte und Anwälte hatten viel zu tun.
Die Diskussionen über Abriss oder Amnestie, Recht oder Bestechung teilten das Volk. Immer wieder wurden die Insel und der Rest Europas mit den seltsamsten Informationen über das „Cretu-Schloss“ auf der Hügelspitze in Santa Agnès bombardiert. Was dafür sorgte, dass man manchmal das Gefühl hatte, einer Bauernkomödie beizuwohnen. Am 7. Mai wurde nun der vorletzte Akt eingeleitet: Die Firma Erri Berri aus Navarra begann mit dem Abriss des Anwesens. Innerhalb weniger Tage war das Anwesen dem Erdboden gleich gemacht worden. Auf den letzten Akt darf man gespannt sein. Denn Cretu fordert vom Rathaus Sant Antoni eine Entschädigungszahlung von 18 Millionen Euro…
Ein kurzer Rückblick: Schon 1996 wies die Umweltschutzorganisation GEN das Rathaus Sant Antoni darauf hin, dass auf der Hügelspitze in Santa Agnès aufgrund der Gesetzeslage nicht gebaut werden durfte, denn der Bauplatz befand sich in einem Naturgebiet der Klassifikation ANEI (Area Natural Especial Interés). Laut Naturschutzgesetz LEN (Ley de Espacios Naturales) gilt es damit eindeutig als unbebaubar.
Trotzdem erteilte der damalige Bürgermeister der Gemeinde Sant Antoni, Antonio Marí Tur, im April 1997 die Baulizenz für ein Haus mit über 700 Quadratmetern. Obwohl die GEN protestierte, wurden die Bauarbeiten zügig in Angriff genommen. Die Verantwortlichen im Rathaus Sant Antoni gaben insgesamt siebzehn Studien in Auftrag, alle befürworteten die Legalität der Baulizenz. Im Oktober 1999 machte die Organisation den ersten Schritt Richtung Gerichtsverfahren. Man beantragte eine offizielle Prüfung und die Annullierung der Baulizenz.
2001 war Cretus Traumhaus fertig gestellt. Laut Experten betrug die Wohnfläche aber statt der genehmigten 700 Quadratmeter 3100 Quadratmeter. Dennoch erhielt das Anwesen nach Bauende die Abnahmebestätigung des Rathauses. Dann der Schock für Cretu und die Verantwortlichen in Sant Antoni: Im Herbst 2001 erklärte ein Gericht in Palma die Baulizenz als illegal und forderte den Abriss der Villa. Cretu und das Rathaus Sant Antoni legten im November 2002 Einspruch beim Obersten Gerichtshof der Balearen ein. Vergeblich, das Urteil wurde bestätigt.
2003 wurde dann sogar ein Strafverfahren gegen die Lizenzgeber und den Bauherrn eingeleitet. Sowohl Cretu als auch Ex-Bürgermeister Marí Tur wurden wegen eines mutmaßlichen Umweltdelikts vor den Kadi zitiert. Das Verfahren wurde zuerst eingestellt, schließlich aber wieder aufgenommen – ist nach wie vor nicht vom Tisch.
Im Juni 2003 kündigte der neue PP-Bürgermeister in Sant Antoni, José Sala Torres, an, er wolle die Villa durch eine Gesetzesänderung nachträglich legalisieren. Ende des Jahres wurde im Parlament in Palma tatsächlich ein Begleitgesetz verabschiedet, das Häuser legalisierte, deren Charakteristika exakt der Cretu-Villa entsprachen. In der Folgezeit erhielt das Begleitgesetz deshalb den Beinamen „Amnestie Cretu“. Auch von einem „Attentat auf die Demokratie“ war die Rede. Aber alle juristischen und politischen Winkelzüge halfen nichts, das Abrissurteil wurde immer wieder bestätigt.
Im Februar 2007 forderte die zuständige Richterin Bürgermeister Sala schließlich auf, in der nächsten Plenarsitzung den Abriss anzuordnen und die finanziellen Mittel dafür bereit zu stellen. Ende 2008 beauftragte das Rathaus Sant Antoni schließlich die Firma Erri Berri aus Navarra mit dem Abriss. Und obwohl viele daran gezweifelt hatten, dass es wirklich soweit kommen würde – seit dem 7. Mai laufen die Abrissarbeiten. Die Firma geht davon aus, die Arbeiten in der ersten Juni-Hälfte beendet zu haben.
Bedenkt man, wie viele unzählige illegale Häuser auf der Insel in den vergangenen Jahrzehnten nachträglich legalisiert wurden, muss man zugeben, dass es den Musikproduzenten Cretu hart getroffen hat. Dennoch ist der Abriss – egal, ob nun wirklich sinnvoll oder nicht – eine Bestätigung dafür, dass demokratische Gesetze nicht einfach ausgehebelt werden können. Dies ist letztendlich der einzig positive Aspekt eines bitteren und langen Kampfes mit großen Opfern. Es wurden Millionen an Geldern verschwendet – und die Renaturalisierung wird lange dauern, wenn sie überhaupt möglich ist.

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