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Ibiza International Film Festival

Arm, aber langsam erwachsen

Eigentlich spielte es weniger einer Rolle, wer am Ende die meisten „Falcons d’Or“ einheimste, entscheidend war die Tatsache, dass das Ibiza International Film Festival auch in diesem, seinem vierten Jahr über die Bühne gehen konnte. Wer die Geschichte und die Hintergründe des Festivals kennt, der weiß, dass das keine Selbstverständlichkeit war. Schon gar nicht in Zeiten, da öffentliche und private Geldgeber nur mehr mit der Lupe auszumachen sind. Vor dem Hintergrund dieses etwas widrigen Rahmens überraschte es umso mehr, dass größere Organisationsmängel, wie sie in der Vergangenheit an der Tagesordnung waren, in diesem Jahr lediglich kaum wahrnehmbare Randerscheinungen waren.

Dabei startete das Filmfest unter keinen günstigen Vorzeichen. Noch am Tag vor der Premiere bezeichnete Festivaldirektor Xavier Benlloch sein noch junges Projekt als „das ärmste Filmfest in Europa“. Damit spielte er natürlich nicht auf die Qualität der dargebotenen Streifen – allesamt Low-Budget-Produktionen – an. Eingefleischte Cineasten wurden auch dieses Jahr nicht enttäuscht, wenngleich weniger Filme gezeigt wurden als in den Jahren zuvor. Benlloch bezog sich vielmehr auf das extrem knappe Festivalbudget von 75.000 Euro. Immerhin schien seine harsche Kritik an die Adresse der balearischen Landesregierung ihre Wirkung nicht verfehlt zu haben. Das Tourismusministerium, das lange Zeit im Verdacht stand, ein konkurrierendes Filmfest in Palma mit Millionengeldern aus der Taufe zu heben, verdoppelte seinen Beitrag auf 60.000 Euro. Den Rest überwies nach Aussage von Benlloch der Inselrat von Ibiza.

Dessen Dezernentin für Tourismus, Pepa Marí, nahm sich der spanische Kultregisseur und Vorsitzende der Spanische Filmakademie, Álex de la Iglesia, bei der Gala zur Preisverleihung besonders zur Brust. „Inselrätin, behandeln Sie die Macher dieses Festivals gut!“, rief der Filmemacher der Politikerin entgegen. Der blieb nichts anderes übrig, als gute Mine zum bösen Spiel zu machen und die wenig versteckte Kritik aus berufenem Munde mit einem charmanten Lächeln zu begegnen. Ibiza biete den perfekten Rahmen für ein Filmfest dieser Art, bohrte der Regisseur weiter. „Ich hoffe, dass es sich zu einem würdigen Event mit entsprechend sehenswerten Filmen entwickeln wird.“

Allmählich scheint sich das Festival auch unter Ibizas Bewohnern zu etablieren. Verloren sich in den Vorjahren bestenfalls wenige Dutzend Cineasten im 432 Zuschauer fassenden Hauptsaal des Kongresszentrums, strömten in diesem Jahr auch viele Neugierige nach Santa Eulària. Bei den Aufführungen von Boogie Woogie und Eighteen years later waren die besten Plätze schnell belegt.

Ein Novum in der noch kurzen Geschichte des Ibiza International Film Festival war das Ausbleiben von kurzfristigen Programmänderungen. Kein Film wurde verschoben oder gar abgesagt. Vielleicht ein Grund, warum Direktor Benlloch am Galaabend bestens aufgelegt war. „Wir können mit dem Verlauf des Festivals zufrieden sein“, resümierte er nicht ohne Stolz.

Noch zufriedener war nur der junge italienische Filmemacher Edoardo Leo. Sein Erstlingswerk Eighteen years later wurde mit fünf Golden Falken ausgezeichnet, für die beste Regie, den besten Hauptdarsteller, die beste Hauptdarstellerin, das beste Drehbuch und letztlich als bester Film. Die verbleibenden drei „Falcon d’Or“ sprach die Jury dem Roadmovie Rebels without a clue zu: Zwei für die besten Nebendarsteller, einen für den besten Soundtrack. In der Kurzfilmkategorie Balearic Spirit setzte sich Dificultades von Laura Martín und Joan Cobos durch.

Der einzige Wermutstropfen für nichtspanische Festivalbesucher war das äußerst spärliche Erscheinen von bekannten Leinwandgesichtern. Von der reifen Filmdiva Jacqueline Bisset abgesehen, hätte dem jungen Festival, das sich bekanntermaßen dem Indie-Kino verschrieben sieht, ein Star im besten Alter gut getan. Im vergangenen Jahr füllte diese Rolle der Hollywood-Star Cuba Gooding Jr. aus. Auf der andern Seite konnten sich Kenner des spanischen Filmgeschäfts nicht beklagen. Neben Álex de la Iglesia ließ sich der Schauspieler Carlos Bardem, der der Jury angehörte, regelmäßig im Kongresszentrum sehen.

Verzichtbar und peinlich war allerdings der Auftritt von Spaniens alterndem Pinup-Girl Ana Obregón. Die erstklassige Klatschspaltenfüllerin und mittelmäßige Schauspielerin ließ nichts unversucht, bei der Preisverleihung alle Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.


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