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Es gibt sie noch, die wirklichen Hippies auf Ibiza. Und in Zeiten, in denen die legendären Hippiemärkte der Insel zunehmend von Massenware überflutet werden, freut man sich, wenn man auf Leute trifft, die ihre eigenen Kreationen herstellen. Sie sind es, die das Flair eines Hippiemarktes am Leben erhalten. Daniela, Buzzi und ihre Kinder Luna und Gino gehören zu diesen Menschen. Aber wie stellt man sich das klassische Hippie-Leben vor? Mit Blumen im Haar in den Tag hinein leben? Die Realität sah schon immer anders aus , der Preis der Freiheit war oft hoch. Wiltrud Schwetje sprach mit einer außergewöhnlichen Familie, die das einfache Leben dem Luxus in der Schweiz vorzog.


Wenn es nach den Eltern gegangen wäre, hätte Buzzi, 73, die Leitung eines Sägewerks übernommen. Und Daniela, 53, wäre Pianistin geworden. Doch es kam anders, beide folgten dem Ruf der Freiheit, dem Ruf des Lebens auf Ibiza. 1982 packten die beiden Schweizer ihren zweijährigen Sohn Gino und den Schmuckkoffer in ihr Wohnmobil und fuhren von Zürich aus Richtung Ibiza. Das verträumte Sant Carles im Nordosten der Insel war ihre erste Station. Dort tauchten sie mit Haut und Haar ein in ihr neues Leben. Ein Leben voller Unabhängigkeit, jenseits gesellschaftlicher Normen – aber auch ohne regelmäßige finanzielle Einkünfte.

Um sich über Wasser zu halten, bastelte Daniela Muschelketten, nutzte Stoff- und Lederreste, um Taschen zusammenzuhäkeln, ihr Mann Buzzi fertigte Ledergürtel. Die Resultate ihres Schaffens verkauften sie auf den Hippiemärkten, allerdings nur mit mäßigem Erfolg. Die ständige Ebbe im Geldbeutel förderte den Einfallsreichtum, ließ neue Ideen sprießen. Im Winter 1984 eröffneten Daniela und Buzzi gemeinsam mit Manfred aus Düsseldorf, der heute in seinem kleinen Laden in Santa Agnès handgemachte Schuhe verkauft, im marokkanischen Fez ein Lederatelier. Ihre Kreationen exportierten sie direkt in die Schweiz.

 Ledermode – rockig, kreativ und ausgefallen. Besonders beliebt sind die vielen Accessoires

Als das Projekt nach zwei Jahren den Bach hinunter ging, folgte das nächste unternehmerische Abenteuer: In der Calle de la Virgen, im ehemaligen Fischer-Viertel Sa Penya, verkaufte das Paar in einem gemieteten Laden marokkanische Lederjacken. Auch kein Kassenschlager! „Schrecklich“, erinnert sich Daniela, „die Marokkaner lieferten nie, was wir bestellt hatten.“
Als Daniela 1986 erneut schwanger war, musste ein Nest her. Mit „den letzten Kröten“ erwarben sie eine Ruine in Buscastell, die sie in den folgenden Jahren in ein gemütliches Heim verwandelten. Im Schneckentempo, denn das Baumaterial konnte nur in kleinen Mengen herangeschafft werden, je nachdem, wie viel Geld in der Familienkasse übrig war. Um über die Runden zu kommen, nähte Daniela Kissen, Buzzi versuchte sich mit der Vermittlung von Immobilien. Im Sommer standen sie zusätzlich auf den Hippie-Märkten, und an langen Winterabenden suchte das Paar immer wieder nach einer zündenden Idee, die ihnen endlich den finanziellen Segen bescheren könnte.

Neue Schmuckkreationen wurden ausprobiert, und für die olympischen Spiele in Barcelona entwarfen sie ein spezielles Rucksackmodell. Doch nichts wollte wirklich klappen. Aber dann wendete sich das Blatt. Eine Freundin suchte eine Näherin für Lederbikinis, und Daniela übernahm den Job. „Ich hatte ja erst meine Zweifel, ob diese primitiven Dinger gut ankommen würden, es waren simple Waschlederdreiecke mit Fransen, die aussahen wie Lendenschurze“, amüsiert sich Daniela. Auch Buzzi war nicht begeistert darüber, dass sich seine Frau als Näherin verdingte, er war der Meinung, sie habe mehr drauf.

Die Familie heute, ein Unternehmen mit eigenem Modelabel und dem Blick auf Expansion

Und das dem so war, bewies Daniela in den nächsten Jahren. Sie nutzte die Gelegenheit zum Absprung, baute Kontakte zu Lederfirmen auf und begann damit, Tops, Jacken, Mäntel Kleider, Röcke, Taschen und andere Lederartikel zu entwerfen. Alles machte sie selbst, von A bis Z. Ihre Einzelstücke waren frech, draufgängerisch, wild und durchaus Rockertauglich. Vor allem auf dem Markt an der Platja d’en Bossa fanden ihre Kreationen Mitte der 1990er guten Absatz. Vom einfachen Waschleder stieg sie später auf feinste Materialien wie Babyziegenleder um. Und das Geschäft lief immer besser: Es kamen internationale Kundinnen, die bei ihr die verrücktesten Klamotten bestellten, ihr beim Entwurf vollkommen freie Hand ließen und – das war besonders erfreulich – bezahlten, ohne zu feilschen.

Mittlerweile kann Daniela für einen exklusiven Ledermantel bis zu 2000 Euro verlangen, auch die Lederbikinis, mit denen alles begann, hat sie noch im Angebot. Für diese heißen Strandfummel blättern die Kundinnen auf den Märkten im Las Dalias und in Es Canar gerne 90 Euro hin. Allerdings gibt Daniela zu, dass viele ihrer Kreationen nicht für jedermann taugen, man müsse schon die passende Figur und eine starke Persönlichkeit haben.
Den Spaß an ihrer Arbeit hat die aktive Schweizerin nach wie vor nicht verloren: „Es ist toll und wirklich befriedigend, wenn du etwas verkaufst, was du selbst kreiert hast“, schwärmt sie. Neben ihren extravaganten Einzelstücken fertigt Daniela auch Objekte für Kunden mit kleinem Budget, wie zum Beispiel geflochtene Lederketten mit Glasperlen. Die entstehen, wenn sie abends mit ihrem Mann gemütlich vor dem Fernseher hockt. Bei der schlechten Programmgestaltung brauche man ja eine Ablenkung, scherzt sie, und wenn dabei etwas Kreatives entsteht, um so besser.

Tochter Luna als Teenager und Jung-Model für Mamas Werke

Der Familienbetrieb „S’ Atalaya Ibiza“ läuft. Buzzi, mit dem Daniela durch dick und dünn gegangen ist, musste sich zwar vor zehn Jahren nach einem schweren Unfall zur Ruhe setzen, aber dafür packen jetzt Tochter Luna, 24, und Sohn Gino, 30, mit an. Luna hat der Mama schon als kleines Mädchen dabei geholfen, die Fäden einzuziehen, heute ist sie diejenige, die an der Expansion des Unternehmens werkelt. Sie hält den Kontakt mit Boutiquen in Palma, Amsterdam und Mailand. Und einen Teil des Winters verbringt sie in Barcelona, wo sie sich in einem kleinen Atelier um die kommerziellere Linie des Labels kümmert. Auch Luna entwirft, schneidet zu und näht. Ihr Stil sei romantischer und etwas braver, als der ihrer Mama, meint die hübsche Dunkelhaarige, die auch als Model unserer Bikini-Mode in der Juli-Ausgabe von IbizaHEUTE zu sehen war. Auch Daniela schmiedet Pläne, sie möchte sich am liebsten nur noch auf das Designen konzentrieren und in einem Atelier auf Ibiza einige Näherinnen beschäftigen. „Daniela war schon immer ein Arbeitstier“, bringt es Buzzi auf den Punkt. Dem ist nichts hinzuzufügen – außer vielleicht, dass man mit Kreativität, Einfallsreichtum und Durchhaltevermögen auch auf Ibiza durch die schwierigsten Zeiten kommt.

Modelle aus der aktuellen Kollektion, frech und sexy. Zu bekommen auf den Hippiemärkten im Las Dalias und Es Canar. Außerdem in Ibiza-Stadt exklusiv in den Boutiquen Noon und Michal Negrin

Modelle aus der aktuellen Kollektion, frech und sexy. Zu bekommen auf den Hippiemärkten im Las Dalias und Es Canar. Außerdem in Ibiza-Stadt exklusiv in den Boutiquen Noon und Michal Negrin

 

 

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