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Leuchttürme sind wichtig für die Schiffe, lebenswichtig! Denn die Lichtzeichen, die von den Türmen aufs Meer geschickt werden, warnen Steuerleute und Fischer vor Untiefen und den gefährlichen Steilküsten der Insel. Rote Warn-Sektoren signalisieren: Hier gibt es mitten im Meer kleine Felsen-Inseln, gibt es Untiefen. Die Leuchttürme auf Ibiza und Formentera wurden Mitte des 19. Jahrhunderts gebaut. Es war eine Pionierleistung. Der Bau des Leuchtfeuers „Punta Grossa“ war besonders schwierig – und dazu noch ziemlich sinnlos. Geschichts-Expertin Emily Kaufman berichtet. Fotos: Rüdiger Eichhorn und Matthias Kühn.

 

Leuchttürme – stille Wächter der Meere. Oft einsame Trutzburgen, die den Gewalten der Natur trotzen und sich standhaft gegen Wind und Wetter stemmen. Ihre funkelnden Lichtbahnen gleiten durch die dunkle Nacht, um Seeleuten den sicheren Weg entlang der felsigen und gefährlichen Küsten zu weisen.

Ibiza und Formentera bekamen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die ersten offiziellen Leuchtfeuer. Im Jahr 1847 beschloss die spanische Regierung, das Meer für die Schifffahrt sicherer zu machen. So wurde der Bau von sechs Leuchttürmen auf den Pityusen angeordnet – fünf auf Ibiza und einer auf Formentera.

Wir beginnen mit der kleinen Insel mit dem wohlklingenden Namen Tagomago, von der die Legende sagt, dass sie bereits zu Zeiten der Phönizier ein Lieblingsort der Meeresgötter gewesen sei. Als der Plan zum Bau der befeuerten Seezeichen 1847 entworfen wurde, verlangte man nach einem Leuchtturm, der die gesamte östliche Küste Ibizas beleuchtet. Die einheimischen Fischer und Seeleute waren sich sofort darin einig, dass ein solches Leuchtfeuer am besten auf der kleinen Insel Tagomago stehen sollte, die eine gute Meile vor der Küste von Sant Carles liegt. Auch der leitende Ingenieur des Projekts, Emili Pou, unterstützte diesen Vorschlag. Trotzdem wurde entschieden, den Leuchtturm stattdessen auf der Landzunge Punta Grossa zu errichten. Eine falsche Entscheidung, wie sich bald herausstellen sollte.
Trotzdem wurden die Anweisungen aus Madrid befolgt, und obwohl beinahe übermenschliche Schwierigkeiten zu überwinden waren, errichteten Arbeiter tatsächlich einen Leuchtturm auf Punta Grossa, der zerklüfteten Felsspitze nördlich der Bucht Cala Sant Vicent. Von den vielen Schwierigkeiten, ist als erstes die schiere Unzugänglichkeit des Geländes zu nennen. Die folgende Begebenheit legt ein Zeugnis dafür ab, wie schwierig die Umgebung von Punta Grossa war. 1862 sandte Ingenieur Emili Pou vor Beginn des Baus Mitarbeiter aus, die mittels einer topografischen Studie den besten Platz für die Fundamente des Leuchtturms bestimmen sollten. Als der Leiter der Gruppe die zweieinhalb Kilometer gefährliche Steilküste mit über 100 Meter tiefen Schluchten sah, befahl er seinen Leuten zu warten und machte sich mit einem einheimischen Führer alleine auf den Weg.

Nach vergeblichen Versuchen, die tiefen Felsschluchten zu überwinden, entschied er sich schließlich zur Rückkehr. Er erkannte, dass es einfacher sein würde, die Stelle vom Meer aus zu erreichen und das 127 Meter hohe Kliff hinaufzuklettern – was er dann pflichtbewusst auch tat. Dies zeigt, dass alleine schon das Erreichen der zukünftigen Baustelle einen monumentalen Aufwand erforderte.

Ein Berg von Hindernissen

Als schließlich der Standort – dicht an der Kliffkante – für den Bau bestimmt war, wurde der öffentliche Bauauftrag per Ausschreibung an Miquel Juliàn vergeben. Die Arbeiten begannen im Juli 1864 – mit einer Zeitvorgabe von achtzehn Monaten. Die erste Schwierigkeit war schon, einen schmalen Pfad anzulegen, sodass Arbeiter und Materialien die Baustelle überhaupt erreichen konnten. Unglücklicherweise trat sogleich ein zweites Hindernis auf. Der Stein, der aus einem nahegelegenen Steinbruch nach Punta Grossa geliefert wurde, war von zu schlechter Qualität. So mussten Steine aus weiter entfernten Steinbrüchen geliefert werden. Im ländlichen Ibiza des 19. Jahrhunderts gab es jedoch kaum Straßen, und die wenigen Wege, die sich in Kurven durch das Gelände zogen, waren meist zerfurcht, geflutet oder einfach nicht passierbar. So mussten die neuen Steinladungen per Schiff zum Bauplatz gebracht und dann mit Flaschenzügen – und unter großem Gestöhne – die über 100 Meter hohe Steilküste hochgezogen werden. Womit wir schon beim nächsten Hindernis wären…

Arbeitskräfte waren rar. Während der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts – also genau zum Bau des Leuchtturms – verließen rund 7000 Inselbewohner wegen Armut die Insel. So blieben für den Bau nicht genug Arbeiter übrig. Neben dem gleichzeitigen Bau von sechs Leuchttürmen und dem Errichten des Deiches im Hafen von Ibiza-Stadt, kam 1860 auch noch der Ausbau der Hauptstraße nach Sant Antoni hinzu. Für diese unerwartet vielen Bauvorhaben mussten also Arbeitskräfte nach Ibiza geholt werden. Die meisten kamen aus Palma de Mallorca. Aber auch die blieben aus, als 1863 eine Cholera-Epidemie die Menschen heimsuchte. Tausende starben.
Doch trotz aller Schwierigkeiten ist, wie wir aus der Geschichte der Insel wissen, keine Hürde groß genug, um den eisernen ibizenkischen Willen aufzuhalten. Wenn ein Ziel festgelegt wurde, sollte es auch erreicht werden. Und so war es auch mit dem Leuchtturm Punta Grossa. Die vorgesehenen 18 Monate Bauzeit verlängerten sich zwar auf fast drei Jahre, aber am Ende stand schließlich ein zwölfeinhalb Meter hoher Turm – mit den dazugehörigen Wohnbereichen – auf der furchterregend steilen Klippe.

Obwohl der Turm am 27. März 1867 offiziell eingeweiht wurde, weisen Aufzeichnungen darauf hin, dass er erst im September 1870 in Betrieb genommen wurde, wo auch immer die Gründe lagen. Zehn Jahre später wurde angeordnet, eine vernünftige Zufahrtsstraße vom Leuchtturm zum nächsten Ort zu bauen – zur Cala Sant Vicent, zweieinhalb Kilometern entfernt. Die Besitzer der Steilküste, über die die Straße verlaufen sollte, wurden auf königlichen Erlass 1881 enteignet. Die Besitzer des unwirtlichen Geländes waren wahrscheinlich heilfroh über die zur damaligen Zeit großen Summe von 5395 Pesetas und 25 Centimos, die sie für das ansonsten wertlose Felsgebiet erhielten.

Und dann doch Tagomago

Nach all diesen Mühen scheint es mehr als nur ein bisschen ironisch, dass eines schönen Tages im Jahr 1902 ein Inspektor des spanischen Bauamtes auftauchte, um den Leuchtturm zu bewerten – und zu dem Urteil kam, dass dieser doch besser auf der Insel Tagomago stehen sollte – wie es die Fischer schon immer gesagt hatten.

Das unschlagbare Argument für einen Wechsel von Punta Grossa nach Tagomago lag in der viel besseren Ausgangslage der Insel für die Sichtbarkeit des Lichts. Diese reichte von Tagomago aus nicht nur viel weiter hinaus auf See (damals 33 Meilen), der Blickwinkel war auch viel größer. Von der Insel wurde ein Bereich von 266 Grad beleuchtet, im Gegensatz zu einer Reichweite von nur 223 Grad des Leuchtturms Punta Grossa. Dessen Licht ließ einfach zu viel Meer im gefährlichen Dunkeln.

Das spanische Bauamt setzte daher also gleich nach der Prüfung 1902 den Wechsel von Punta Grossa nach Tagomago in Gang. Aber wie nicht anders zu erwarten, wurde es ein langer Weg durch die Bürokratie. 1906 schien erst einmal alles reibungslos zu laufen: Der Entwurf für den Turm war genehmigt, ebenso die Pläne für eine neue Zufahrtsstraße und einen Anlegesteg. Der Bau wurde schnell an den billigsten Anbieter vergeben, mit einer Zeitvorgabe von zwei Jahren. Nur eines hatte man vergessen, nämlich, dass sich Tagomago in Privatbesitz befand, weswegen eine Enteignung angeordnet werden musste. Die Verhandlungen darüber führten zu endlosen Konflikten und Prozessen und verzögerten den Baubeginn erheblich. Schließlich wurde das Land jedoch unter königlichem Erlass, der die spanische Königin zur alleinigen Anspruchsberechtigen erklärte, für den angebotenen Preis übertragen, und der Bau konnte im Mai 1910 endlich beginnen.

Der Leuchtturm wurde 1913 im Juni fertiggestellt und ging offiziell im Dezember 1914 in Betrieb. Das Leuchtfeuer von Punta Grossa blieb noch über ein Jahr nach der Inbetriebnahme des Turms auf Tagomago aktiv, wurde dann aber am 31. August 1916 endgültig abgeschaltet, sodass es sein Licht gerade einmal 36 Jahre über die raue nördliche Küste hatte schweifen lassen. Die Behörden demontierten die Lichter des Turms und wollten das Land und die Zufahrtstraße versteigern, zu einem Anfangspreis von 1000 Peseten. Aber, wie nicht anders zu erwarten, erschien kein einziger Bieter bei der Auktion. Erst 1970 kaufte der Madrider José Correa Pérez-Cortés den Grund für 211 000 Peseten, vielleicht mit der Absicht, das einsamste Haus der Insel zu erbauen.

Leuchtturmwächter gekidnappt

Zum Schluss wollen wir noch eine abenteuerliche Geschichte erzählen, die sich so tatsächlich während des Spanischen Bürgerkrieges (1936 – 1939) zugetragen hat, als Ibiza von den nationalistischen Truppen Francos beherrscht und die Republikaner als politische Kriminelle gejagt wurden. Um der Verfolgung zu entgehen, gab es nur zwei Möglichkeiten, entweder sich zu verstecken oder zu fliehen. Beides war schwierig, aber eine Flucht von der Insel, die unter schwerer militärischer Beobachtung stand, war so gut wie unmöglich. Ein verzweifelter Republikaner kam auf die Idee, über Tagomago zu fliehen. Wie er auf die Insel gelangte, ist nicht bekannt, aber als er dort ankam, war er offenbar bewaffnet und halb wahnsinnig. Unter Androhung von Waffengewalt zwang er die beiden Leuchtturmwärter der Insel, ihn in ihrem Dienstboot nach Algerien zu bringen. Da ihnen keine andere Wahl blieb, taten sie dies und kehrten dann so schnell wie möglich nach Ibiza zurück – mit Sicherheit in großer Sorge darüber, wer in ihrer Abwesenheit das Leuchtfeuer betreut hatte. Aber bei der Landung erlebten die beiden ein böses Erwachen, denn sie wurden sofort verhaftet und des Verrats angeklagt. Zu ihrem großen Glück setzte sich ihr Vorgesetzter, der Baumeister der Insel, bei dem Prozess dermaßen für sie ein, dass die Wärter freigesprochen wurden. Ein Licht stärker noch als das des Leuchtturms Tagomago muss an dem Tag auf die beiden herunter geschienen haben, sonst wären sie erschossen worden.

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