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Im Wasser und auf dem Markt – die Fische der Balearen sind was für’s Auge und den Gaumen. Aber einige der Flossenträger sind mit Vorsicht zu genießen. Sie haben zur Verteidigung in den Chemiebaukasten der Natur gegriffen. Und die Bekanntschaft mit ihnen kann schmerzhaft enden. Meeresbiologe Dr. Carsten H.G. Müller klärt auf.

Vorweg möchte ich erstmal eines sagen: Keine Panik! Zwar kommen die Fische, über die ich hier berichte, alle auch im sehr flachen Wasser vor – aber jeder einzelne von ihnen sucht sein Heil in der Flucht, wenn er die Chance dazu hat, bevor es zum Kontakt mit dem Menschen kommt. Allerdings können bestimmte Umstände doch zur direkten Konfrontation führen. Um das zu verhindern, geht es in den folgenden Zeilen.

Am häufigsten treten die so genannten Petermännchen (span.: arañas) in der Nähe von Menschen auf, nämlich im Sand des flachen Wassers ruhiger Buchten. Es sind bodenständige Raubfische, die mit insgesamt vier Arten im Mittelmeer verbreitet sind. Die Tiere verbringen die meiste Zeit des Tages bis zum Kopf eingegraben im Sand und lauern dort auf unvorsichtige Beute. Besonders bei ruhiger Wetterlage eben auch im Flachwasser (bis ca. 1 m Wassertiefe), wodurch Unfälle durch unabsichtliches Drauftreten oder aggressives  Revierverteidigungsverhalten des Fisches möglich sind. Normalerweise nehmen die Fische den herannahenden Fuß aber rechtzeitig wahr und machen sich aus dem Staub. An belebten Buchten, in denen sich viele Menschen im Wasser aufhalten, ist es sowieso mehr als unwahrscheinlich, dass Petermännchen in der Nähe sind. Wie gesagt, sie suchen ruhige Stellen und ziehen sich zurück oder kommen gar nicht erst, wenn diese Ruhe nicht gegeben ist.

Petermännchen gehören zu den Drachenfischen (lat.: Trachinidae) und der Name verheißt bereits nichts Gutes. Der langgestreckte Körper trägt zwei Rückenflossen, von denen die erste giftige pechschwarze bis gelbliche Stacheln trägt. Zusätzlich sind die Petermännchen links und rechts mit jeweils einem kräftigen Stachel auf den Kiemendeckeln ausgerüstet, der ebenfalls mit einer Giftdrüse in Verbindung steht.

Während das „Bunte Petermännchen“ (Trachinus draco) sowie das „Kleine Petermännchen” (Echiichthys vipera) bei Störungen relativ friedlich bleiben – normalerweise fliehen – ist nach meinen Beobachtungen das auch im Flachwasser vorkommende, bis zu 50 cm lange „Gefleckte Petermännchen” (Trachinus araneus, mit auffälliger schwarzer Fleckenleiste an den Flanken), eine recht aggressive Art. Bei Störungen – zum Beispiel verursacht durch dicht am Eingrabungsplatz vorbeilaufende Badende oder zudringliche Schnorchler – flieht es nur widerwillig und stellt zur Abschreckung die giftige Rückenflosse auf. Das sollte dann stets als Warnsignal verstanden werden, denn diese Spezies kann auch angreifen, wenn man sie weiter belästigt!

 

 

 Im Sand sind Petermännchen kaum zu sehen

 

 

Vermeiden Sie es bitte, bei ruhiger See, an Buchten mit wenig Badenden, mit hoher  Geschwindigkeit ins oder durchs Wasser zu rennen, da Sie dann Gefahr laufen, auf ein eingegrabenes Petermännchen zu treten, was nicht mehr rechtzeitig fliehen konnte. Informieren Sie gerade Ihre Kinder über das Aussehen und Verhalten der Drachenfische, bevor sie ihre ersten Schnorchelerfahrungen machen.

Einer weiteren Spezies, dem „Strahlen-Petermännchen“ (Trachinus radiatus) können wir eher auf Fischmärkten begegnen, wo es unter dem Namen „araña cap-negra“ als wertvoller Speisefisch verkauft wird. Da die Art vor den Balearen offensichtlich nur auf tieferen Sandböden vorkommt, geht sie den Fischern eher ins Netz als die anderen Arten. Auch hier gilt: Vorsicht! Petermännchen sind sehr zählebig und können auch nach längerer Liegezeit auf den Verkaufstischen durch plötzliche Bewegungen noch für unangenehme Überraschungen sorgen. Übrigens bleiben die Fische auch noch solange giftig, bis die Toxine beim Kochvorgang zerstört worden sind. Wenn Sie auf dem Fischmarkt Petermännchen kaufen, dann bitten Sie den Verkäufer zumindest darum, die giftige erste Rückenflosse abzutrennen, denn an diesem Körperteil verletzen sich die meisten.

Ein Stich ist sehr schmerzhaft, im Allgemeinen aber nicht lebensgefährlich. Trotzdem: Sollte es doch einmal zu einem Kontakt mit den Giftstacheln gekommen sein, so unterschätzen Sie bitte auf keinen Fall die Vergiftungssymptome! Die injizierten Proteine besitzen Komponenten, die gleichermaßen das zentrale Nervensystem, den Blutkreislauf sowie das Gewebe um die Einstichstelle schädigen. Beigemengtes Histamin, ein Schmerzhormon, führt sofort zu heftigen Schmerzreaktionen des Körpers, verbunden mit Schwindelgefühlen, Schüttelfrost und lang anhaltenden Schwellungen.

Es gibt nur wenige Therapiemaßnahmen, die unmittelbar nach dem Stichunfall ergriffen werden können. Dazu gehört zum einen das Entfernen von eventuell in der Wunde verbliebenen Stachelresten. Zusätzlich kann die „Heißwasser-Methode“ angewendet werden, indem der betroffene Körperteil in erträglich erhitztes Wasser (ca. 45° C) getaucht wird. Da die Toxine hitzeanfällig sind, werden sie mit Hilfe dieser Methode unwirksam, vorausgesetzt allerdings, sie wurden nicht zu tief in das Unterhautgewebe getrieben.

Ist das Wasser dagegen zu stark erhitzt, besteht auch Verbrühungsgefahr, daher ist dieses Vorgehen ziemlich umstritten, zumal am Strand selten Thermometer zur Hand sein dürften.

Meiner Ansicht nach sind Unfälle mit Petermännchen durchaus mit Bissen europäischer Giftschlangen zu vergleichen und aus diesem Grunde sollte auch stets ein Arzt konsultiert werden, der die Symptome medikamentös behandeln kann. Im Besonderen sollte dies gelten, wenn Kinder betroffen sind.

 

 

Der “Große Rote Drachenkopf” kann auch auf dem Fischmarkt noch gefährlich werden 

 

 

Eine weitere wichtige Gruppe der giftbewährten Fische stellen die Drachenköpfe (lat.: Scorpaenidae, span.: Escorpénidos) dar, die wir allerdings nur im Bereich von Felsgründen vorfinden. Den Namen erhielten die im Mittelmeer mit insgesamt neun Arten vertretenen Raubfische wegen ihres großen Kopfes und der bizarr ausgefransten Körperoberfläche. Im Gegensatz zu Petermännchen besitzen die für uns relevanten Drachenköpfe der Gattung Scorpaena nicht nur auf den Kiemendeckeln und in der Rückenflosse, sondern auch im Bereich der After- und Bauchflossen Hartstrahlen, die mit Giftdrüsen verbunden sind.

Die Beschaffenheit der Toxine ist denen der Drachenfische durchaus ähnlich, zum Glück werden sie aber als weniger gefährlich angesehen. Die meisten Opfer berichten von sehr starken Wundschmerzen, die nach ca. 4-6 Stunden allmählich abzuklingen beginnen.

Aber wo und wie kann es überhaupt zu Kontakten kommen? Zum einen sind auch hier wieder Fischmärkte Gefahrenquellen, wo unter anderem der bis 50 cm lange „Große Rote Drachenkopf“ (Scorpaena scrofa) als „espòrpora cap-roja“ verkauft wird. Zum anderen können es Schwimmer, Badende und Angler, die sich im Bereich von Hartböden aufhalten, mit dem „Kleinen Drachenkopf“ (Scorpaena notata) oder dem „Braunen Drachenkopf“ (Scorpaena porcus) zu tun bekommen. Dies wohl weniger am Tage, den die Tiere weitgehend inaktiv und unbemerkt unter Steinen verleben, als vielmehr nachts, wenn sie ihre Verstecke verlassen, um auf Felsen hockend auf vorbeischwimmende Beute zu lauern. Die Individuendichte kann dabei so hoch sein, dass fast jeder zweite Felsen von einem Drachenkopf besetzt ist. Leider fliehen die Tiere im Belästigungsfalle nicht sofort. Im Gegenteil, sie stellen lediglich ihre Rückenflosse auf und präsentieren sie dem Angreifer. Erst im letzten Moment suchen sie ihr Heil in der Flucht.

 

 

Die Drachenköpfe erkennt man am großen Kopf und der bizarr ausgefransten Körperoberfläche

 

 

Die im Mittelmeer mit sieben Arten präsenten Stech- und Adlerrochen sollen hier nur kurz erwähnt werden. Die Tiere verfügen über mindestens einen dolchartigen, mit Widerhaken besetzten Stachel, der im Bereich der Schwanzoberseite ansetzt. Er steht mit einer Giftdrüse in Verbindung, und kann im Verteidigungsfall wie ein Säbel geschwungen werden.

Schon die reine Wunde, die ein Rochenstachel verursacht, kann sehr gefährlich sein. Dazu kommt dann noch die eigentliche Vergiftung, die sich vollzieht, wenn beim Eintritt des Stachels die Gewebshülle des Stachels zerstört wird, so dass die Toxine in die Wunde eindringen können. An dieser Stelle sei Ihnen aber vorsorglich versichert, dass solcherart Unfälle auf Ibiza sehr unwahrscheinlich sind. Denn auf ihren Nahrungsstreifzügen suchen Stachelrochen zwar gelegentlich auch die flachen Sandgründe von Badebuchten auf, aber ich halte es für nahezu ausgeschlossen, dass Badegäste mit ihnen in Kontakt kommen. Sie sind nicht aggressiv, äußerst fluchtbereit und verlassen vom Menschen übermäßig frequentierte Bereiche im Allgemeinen recht schnell.

 

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