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Wenn Jahrhunderte alte Traditionen und Techniken von moderner Lebensart immer mehr verdrängt werden, dann beginnt die Sternstunde der Heimatkundemuseen. Die Kultur eines Volkes für die Nachwelt zu bewahren, hat einen großen ethnologischen Wert. Wir haben das Museum „Can Ros“ auf dem Kirchberg in Santa Eulària besucht – und entdeckten die Seele Ibizas – wenigstens ein Stück davon.

 

 

Can Ros sieht schon auf den ersten Blick aus wie ein Schatzkästchen: Die rustikalen Mauern des Bauernhauses leuchten strahlend weiß vor blauem Himmel, die Balkendecken des Vordachs sind aus phönizischem Wacholder und auf Hochglanz poliert. Direkt vor dem Eingang parkt ein gut gepflegter Pferdekarren von anno dazumal, und auch das rostige Fahrrad, das an der Wand lehnt, verströmt nostalgischen Charme. Herzlich willkommen im ethnografischen Museum in Santa Eulària!

Was wohl in den ehemaligen Bewohnern von „Can Ros“ vor sich ging, wenn sie früh morgens die schweren Holztüren ihres Hauses öffneten – ob sie wohl nur an ihr mühseliges Tagwerk dachten? Oder hielten sie auch einen Moment inne, um der Sonne entgegen zu blinzeln und die großartige Aussicht auf die Küste und das Meer zu genießen? Wer weiß schon, was Menschen vergangener Jahrhunderte empfanden, aber es scheint fast unmöglich, dass die Schönheit dieses Panoramas beim Blick vom Kirchberg in Santa Eulària sie nicht berührte. Vor allem, wenn man bedenkt, dass der Blick nur über einen kleinen malerischen Ort ohne große Bauten ging.

Kein Zweifel, „Can Ros“ liegt an einem privilegierten Plätzchen: an der Ostseite des Puig de Missa, nur einen Katzensprung von der Festungskirche entfernt. 1994 entschied sich die Inselregierung, das traditionelle Bauernhaus in ein Museum zu verwandeln. Bis dahin war „Can Ros“ über Generationen hinweg als Wohnhaus genutzt worden. Die ersten offiziellen Daten über das Gebäude tauchen vor 120 Jahren auf, aber es könnte auch weitaus älter sein.

Zu Lebzeiten seiner Bewohner wurde an der Architektur nichts verändert, auch bei der späteren Restaurierung erhielt man die Aufteilung der Räume und die Baustruktur. Seit etwa zehn Jahren ist das ethnografische Museum der Öffentlichkeit zugänglich. „Es war eine langwierige Arbeit. Das Mobiliar und andere Objekte wurden gekauft, anderes wurde dem Museum gestiftet oder als Leihgabe zur Verfügung gestellt“, erzählt Susana Cardona, die im Can Ros als Koordinatorin tätig ist.

 

Das Ergebnis ist gelungen und lädt zu einer authentischen Reise in die Vergangenheit ein. In einer urigen Steinhöhle befinden sich alle Gerätschaften für die Weinzubereitung. Ein anderer Raum beherbergt eine riesige Ölmühle, deren Reste in einer Ruine irgendwo auf der Insel entdeckt und originalgetreu restauriert wurden. In einem der ehemaligen Schlafzimmer werden dann Frauenträume wahr – was übrigens auch dafür sorgte, dass nach der Restaurierung besondere Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden mussten, zum Schutz vor Motten und Langfingern. In luftdichten und diebstahlsicheren Vitrinen sind dekorative, von Hand gewebte Stoffe und Festtagstrachten aus dem 18., 19. und 20. Jahrhundert verwahrt, sowie eine beeindruckende Sammlung der traditionellen Emprendada, des ibizenkischen Hochzeitsschmucks.
Darunter eine komplette Kollektion der traditionellen Goldringe, mit der sich die Frauen bei der Hochzeit oder anderen festlichen Gelegenheiten schmückten. Auch die prachtvollen Ketten und Ohrringe sind bemerkenswert. Klar ist, dass viele der außergewöhnlichen Preziosen von der alt eingesessenen Juwelier Familie Pomar hergestellt wurden. Ein Rätsel bleibt nicht Eingeweihten hingegen, wie man die 24 verschieden breiten Goldringe an nur zehn Fingern unterbringen konnte – und kann; denn bei Folkloretänzen legen auch moderne Inselfrauen den Schmuck heute noch an.

Vielleicht nicht ganz so kostbar, aber umso schöner ist der Silber- und Korallenschmuck, den Ibizas holde Weiblichkeit im 18. Jahrhundert trug, zur Gonella negra, dem ältesten Festtagskleid, das in dieser Ausstellung zu bewundern ist.

Segelte ein Paar in den Hafen der Ehe, war die Familie des Bräutigams für den Hochzeitsschmuck verantwortlich. Brauch war es, dass die Mutter einen Teil ihres Schmucks an den ältesten Sohn übergab, sozusagen als Willkommensgeschenk für die neue Schwiegertochter. Diese wiederum musste ihre Hochzeitstruhe mitbringen – natürlich gefüllt mit der nötigen Aussteuer.
In der Küche von Can Ros wird dann schnell klar, was die frisch Vermählte nach der Eheschließung erwartete: Ohne dieses bunte Sammelsurium aus antiquarischen Töpfen und einfachen Geräten wäre eine ibizenkische Hausfrau noch bis in die 1950er verloren gewesen. Auch die offene Feuerstelle mit ihrem breiten Rauchabzug und der Holzbackofen sind perfekt erhalten. Sogar die „Waschmaschine“ der Bäuerin „steht“ am richtigen Platz. Das runde Steingutbecken wurde aus gutem Grund in einer Ecke direkt neben dem Feuerplatz eingemauert, so ersparte man sich weite Wege mit heißem Wasser. Das war der einzige Komfort, auf den Frauen vergangener Epochen bei ihren Haushaltstätigkeiten zählen durften.

Bei einem Rundgang durch die Ausstellungsräume des ethnografischen Museums in Santa Eulària erfährt der Besucher nicht nur viel über die Kultur und die Lebensart der Insulaner, auch die Seele ihrer Ahnen ist nah. Wer tiefer eintauchen will in die uralten Techniken, der kann sich im Eingangsbereich Filme anschauen und so lernen, wie die Bauern Kalk oder Kohle herstellten, wie sie Schuhe und Körbe flochten und vieles mehr.

 

„Vor allem bei ausländischen Besuchern sind diese Vorführungen beliebt“, sagt Susana Cardona, die sich darüber wundert, dass es weniger die Einheimischen sind, die sich für das Erbe ihrer Vorfahren interessieren. Kein Einzelphänomen, mit dem sich auch Heimatkundler in anderen Ländern der Welt auseinander setzen müssen – denn die Kultur fremder Völker erscheint meist spannender als die eigene.

Auch im Winter lohnt der Besuch im Museum Can Ros. Denn seit vergangenem Sommer sind drei temporäre Ausstellungen in den Räumen des Bauernhauses zu bewundern. Sie informieren über die Entwicklung der Keramik-Kultur auf Ibiza, traditionelles wie modernes Imkertum und die ehemalige, charakteristische Tracht der Pityusen…

Mit der gelungenen Mischung altertümlicher Tonskulpturen und konventioneller pityusischer Kleidung, Tür an Tür mit modernem Handwerk, gelingt dem Museum ein gekonnter Spagat zwischen Antike und Moderne, zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Denn Geschichte lebt – und die von Ibiza birgt Unmengen Sehens- und Wissenswertes. Aber so viel sei gesagt: ein Besuch lohnt sich!

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