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Ibiza steckt voller Wunder. Eines davon ist „Time and Space – The Speed of Light“, ein gigantisches Kunstwerk, hoch über dem Meer. Dies ist die Geschichte von dreizehn türkischen Säulen aus Gold und Basalt, einem Weltraumtouristen mit Clownsnase und dem weltreisenden „Land Art“-Künstler Andrew Rogers, der auch auf Ibiza ein Werk für die Ewigkeit hinterließ. Unsere Redakteurin Carina Neumann sprach mit dem Australier über seine außergewöhnliche Arbeit. Fotos: Rüdiger Eichhorn, A. Rodgers

Die Sonne steht tief und taucht die kleine Felsenbucht Cala Llentia nahe der Cala Codolar in warmes Abendlicht. Auf der Plattform über dem Meer thronen dreizehn gewaltige Steinsäulen in einem imposanten Kreis. Ihre Schatten fallen auf den staubigen Boden. Die Spitze der größten Säule in der Mitte erstrahlt in funkelndem Gold. Ein Hippie-Pärchen kauert am Boden und baut andächtig Stein-Türmchen. Junge Touristen sitzen auf einem der Steinblöcke und strahlen in die Kamera. Ihre Freunde knipsen Erinnerungsfotos und versuchen, Steine auf die Spitze der Säulen zu werfen. Bleiben sie liegen, soll das Glück bringen.

Von Ufos und den „Türen ins Nichts“

Die Glückssteine sind nicht das einzig Magische, das den geheimnisvollen Säulen nachgesagt wird – im Volksmund spricht man vom „Stonehenge Ibizas“ oder der „Sonnenuhr“. So mancher Esoteriker schwört gar darauf, dass es sich bei der Formation insgeheim um eine Landeplattform für Ufos handelt. Weitere Mythen kreisen um die beiden „Türen ins Nichts“ – zwei edel anmutende, massive Holztüren, wenige Meter vom Steinkreis entfernt. Sie führen, wie der Name sagt, ins „Nichts“– und bilden in einem bestimmten Winkel eine Art optischen Rahmen um die mystische Felsen-Insel Es Vedrà.

Der runde, gepflasterte Mosaik-Platz zwischen den beiden Türen lässt Spielraum für Fantasie. Manche sehen in ihm eine Art übersinnliche Zwischenwelt, in der die Türen die Grenzen der objektiven Welt und dem Reich der Spiritualität markieren. Man sieht: Wer an Wunder und Magie glauben möchte, kann hier sicherlich welche erleben.

Eine Clownsnase flog ins All

Die Theorie, die rein thematisch am nächsten an der Realität ist, ist aber tatsächlich die der Ufo-Landeplattform. Denn die sagenumwobenen Skulpturen befinden sich auf dem privaten Grundstück des „Cirque du Soleil“-Gründers Guy Laliberté. Dieser flog 2009 mit einer Clownsnase verkleidet als Weltraumtourist in Richtung Mond (beim Preis spricht man von 24 Millionen Euro) und ließ sich in Anlehnung an diese „lebensverändernde Reise“ die Skulptur „Time and Space – The Speed of Light“ vom australischen Künstler Andrew Rogers erbauen. Die Skulptur ist also keine Sonnenuhr, sondern stellt Planeten dar, die elliptisch um die Sonne kreisen. Die „Türen ins Nichts“ ließ Laliberté als optisches Kuriosum auf die Plattform bringen.

Als junger Mann kam Laliberté das erste Mal nach Ibiza. Heute steht er als Gründer des berühmten „Cirque du Soleil“ weit oben auf der Liste der wohlhabendsten Menschen weltweit. Wenn der Kanadier nicht gerade durch die Weltgeschichte tourt, sucht er gerne Ruhe in seinem weitläufigen Anwesen auf Ibiza. Auf seinem Grundstück, oberhalb der Cala Llentia, soll zukünftig ein öffentlicher Skulpturenpark entstehen. Die Anfänge sind mit den „Türen ins Nichts“ und „Time and Space“ bereits gemacht. Doch welche Bedeutung hat die Steinskulptur und wie gelangte sie auf die Steilklippe?

„Land Art“ auf Satellitenbildern

Die Suche nach Antworten führt zum Schöpfer von „Time and Space“, zum Australier Andrew Rogers. Es bedarf keiner langen Recherche, um zu wissen: Er ist ein angesagter und weltbekannter Künstler. Das Internet ist voll von Bildern, Artikeln und Videoreportagen über Andrew Rogers. Denn er schafft „Land Art“ auf dem gesamten Globus. Es sind überdimensional große Skulpturen aus Naturmaterialien, die selbst auf Satellitenaufnahmen sichtbar sind. Zur großen Freude von IbizaHEUTE ist Rogers sofort am Interview interessiert. Bei einem einstündigen Telefonat mit 8 Stunden Zeitverschiebung nach Melbourne, seiner Heimatstadt, erzählt der Künstler von seiner Arbeit.

 

Künstler Andrew Rogers im Januar 2014 hinter einem der Säulen-Sockel, beim Aufbau von „Time and Space“

Großprojekt „Rhythms of Life“

Seit 16 Jahren verwirklicht der Skulpturist das Projekt „Rythms of Life“. „Ziel des Projektes ist es, ein weltweites Netzwerk von Geoglyphen zu kreieren – also von Kunstwerken, die aus der Luft zu sehen sind“, erklärt Rogers. Bisher hat er 51 gigantische Skulpturen geschaffen – auf sieben Kontinenten, in 15 Ländern und gemeinsam mit über 7500 Menschen. „Das ist die bisher größte Land Art-Mission der Welt.“ Riesige Adler und Pferde, gewaltige Steintreppen und Säulen oder archaisch anmutende Symbole prägen die unterschiedlichsten Landschaften. Rogers realisierte seine Projekte unter anderem in Island, China, Indien, Israel, Afrika, den USA, der Antarktis und Südamerika. Die Kunstwerke werden auf Bergen und Wiesen, in Steppen oder auf Schneelandschaften geschaffen – unterschiedlicher könnten die Szenerien nicht sein. Rogers verbringt etwa 4 Monate im Jahr mit Reisen.

„Eine meiner Lieblingsbeschäftigungen ist es, mir bei Google Earth passende Orte für meine nächsten Werke anzusehen“, so der Skulpteur. Alles weitere passiert meist spontan vor Ort: „Gemeinsam mit den Einheimischen wähle ich die Motive aus. Obwohl sie sehr unterschiedlich sind, haben sie eines gemeinsam: Sie hängen mit der Geschichte und Kultur der einzelnen Orte zusammen und werden meist mit lokalen Naturmaterialien geschaffen.“ Tausende Bewohner der Orte helfen Rogers, Steine zu Mauern aufzutürmen oder Muster aus ihnen zu formen. Von antarktischen Eskimos über afrikanische Massai bis hin zu bolivischen Schäfern waren immer viele Helfer an „Rhythms of Life“ beteiligt.

Im türkischen Kappadokien, dem größten Skulpturenpark der Welt, und im australischen „Gibbs Park“ stehen Rogers Kunstwerke neben jenen von Land Art-Größen wie Richard Serra (bekannt für die „Metallmauer“) und Amish Kapoor (bekannt für das „Rote Megafon“). „Meistens werde ich eingeladen und meine Projekte werden finanziert“, erzählt der Künstler. „Meine nächsten Ziele sind Peru und die Türkei.“ Wenn er nicht gerade gigantische Skulpturen erbaut, stellt Rogers auf internationalen Ausstellungen wie der diesjährigen „Biennale di Venezia“ auch Skulpturen im Wohnzimmerformat aus. Er sagt über sich selbst: „Bereits als kleiner Junge wusste ich, dass ich einmal Künstler werde.“

„Time and Space“ auf Ibiza

Doch zurück nach Ibiza und zu „Time and Space“: Die Skulptur ist das jüngste „Land Art“-Projekt Rogers’. „Nummer 51“ wurde als Auftrag Lalibertés vom 17. bis 23. Januar 2014 erbaut. Das Konzept für das Kunstwerk entwickelten Rogers und Laliberté gemeinsam. Einerseits ist die Skulptur inspiriert durch Lalibertés Weltraumabenteuer. Andererseits war der Zirkus-Guru als wahrer Kunstliebhaber schon lange mit Rogers’ Arbeit vertraut und wollte ein ähnliches Werk wie „Time and Space“ in Kappadokien – eine vergleichbare Säulen-Skulptur, die jedoch größer ist und sich in ihrer Anordnung unterscheidet.

1, 1, 2, 3, 5, 8, 13, 21

Bei der Konstruktion wurde nichts dem Zufall überlassen. Alles wurde bis ins Detail durchgeplant. Man schafft ja nicht alle Tage riesige Stein-Säulen und Fels-Strukturen – insgesamt 420 Tonnen – 4400 Kilometer durch die Türkei und übers Mittelmeer – die Säulen stammen nämlich aus Kappadokien. Das Material spielt eine große Rolle: „Die Säulen bestehen aus vulkanischem Basalt-Gestein. Es ist ein wunderschönes, sehr ursprüngliches Material. Der Abbau aus den Felsen in der Türkei ist noch gut an den seitlichen Bohrlöchern an den Säulen erkennbar“, erklärt Rogers. „Genau an den Bohrloch-Reihen brachen sie ab.“ Die größte Säule – sie allein wiegt stolze 19,5 Tonnen –, die zentral die Sonne darstellt, ist an der Spitze von einer Schicht aus 23-karätigem Gold überzogen.

Vom Hafen Marina Botafoch wurden die Säulen mit dreizehn Lastwagen quer über die Insel in die Cala Llentia gebracht. Vor Ort folgten etwa 50 freiwillige Helfer den Anweisungen Rogers’. Und auch die waren strengstens kalkuliert, denn die Säulen wurden nach der Fibonacci-Sequenz angeordnet: einer mathematischen Zahlenfolge und einer Art Wachstumsmuster in der Natur. Die Summe zweier aufeinanderfolgender Zahlen ergibt dabei immer die unmittelbar nachfolgende Zahl. Zum Beispiel: 1, 1, 2, 3, 5, 8, 13, 21.

Nach knapp einer Woche stand die gewaltige Skulptur. Jede der zwölf im Kreis stehenden Säulen stellt einen Planeten dar, der elliptisch um die mittige Säule – die Sonne – kreist. Die tatsächliche Anzahl der Planeten (acht) in unserem Sonnensystem spielt dabei keine Rolle. „Es geht nur um die Idee dahinter“, so Rogers. Außerhalb des Steinkreises, in Richtung Meer, sind noch zwei kleinere Steinfiguren. „Die Figur, die aussieht wie ein liegendes C, ist das physikalische Symbol für die Lichtgeschwindigkeit“, erklärt Rogers. Daher heißt die Skulptur auch “Time and Space – The Speed of Light”. Der nebenstehende Stein mit der Mulde, die aussieht wie ein kleiner Brunnen, stellt ein antikes zeremonielles Gefäß früherer Kulturen dar. „Hier kann man Gedanken und Wünsche hineinprojizieren“, so Rogers.

Große Kunst auf einer kleinen Insel

Wenn man all das über Andrew Rogers weiß, fragt man sich: Warum ist eigentlich so wenig bekannt über „Time and Space“ auf Ibiza? Auf einen „Original Rogers“ kann die Insel doch stolz sein! Doch der Name taucht in den wenigsten Reiseführern auf und kein einziger Wegweiser leitet einen durch die vielen namenlosen Schotterstraßen, die zur Skulptur führen. Grund dafür ist: „Time and Space“ befindet sich, wie bereits erwähnt, auf dem privaten Grund von Guy Laliberté. Daher wird der künstlerische Wert der Skulptur kaum publik gemacht.

Wir von IbizaHEUTE bemühen uns um ein Interview mit Laliberté, bisher jedoch ohne Erfolg. „Guy ist ein wunderbarer und großzügiger Mensch“, sagt Rogers über ihn. Wenn man bedenkt, dass er der Öffentlichkeit Zugang zu seinem Privatgrund und „Time and Space“ gewährt, glaubt man diese Worte gern. Und wenn zukünftig tatsächlich ein öffentlicher Skulpturenpark auf seinem Terrain entsteht, erst recht. Das Gute an so wenig Informationen ist: Vielleicht bleibt „Time and Space“ auch in naher Zukunft noch ein Geheimtipp.

Zurück zum Hippie-Pärchen, das andächtig Stein-Türmchen bei den Säulen aufschichtet oder den Touristen, die versuchen „ihren Glücksstein“ auf die Säulen zu werfen. Seit der Erbauung 2014 war Rogers nicht mehr auf Ibiza und bei seinem Kunstwerk. Als der Künstler von diesen Traditionen erfährt, lacht er im fernen Australien in den Hörer: „Es freut mich, dass ‚Time and Space‘ die Fantasie der Menschen inspiriert. Die müssen nur aufpassen, dass nicht mal ein Stein ins Auge geht.“ Ja, der Künstler hat zweifellos Humor.

Der Weg zum Steinkreis: „Time and Space“ befindet sich am Ende der Carrer Codola auf der Plattform der Cala Llentia, zwischen der Cala Codolar und der Cala Tarida, gut zu erreichen entweder von der Cala Tarida-Straße oder der Straße zur Cala Comte. Kleiner Tipp: Wenn Sie „Time and Space“ bei „Google Maps“ oder „Google Earth“ im Suchfeld eingeben, kommen Sie am leichtesten ans Ziel. Hinter der weißen Mauer, die sich bis zur Steilküste durchzieht, verbirgt sich die Villa des „Cirque du Soleil“-Gründers Guy Laliberté.

Mehr über den Künstler Andrew Rogers erfahren Sie im Internet auf www.andrewrogers.org. Die Videos und Bilder, die Sie dort finden, sind sehr beeindruckend – darunter auch die Abbildung des riesigen Massai-Schildes in der Steppe Ost-Afrikas!

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