Demo gegen Massen-Tourismus auf Ibiza und Formentera

Unsere IbizaHEUTE-Reporterin Shari Blauth war dabei , fotografierte und sprach mit einigen der über 1000 Demonstranten.

Die Demonstration war sehr friedlich, aber in vielen Gesichtern sah man die Angst um die Zukunft, um die Inseln und um die Natur von Ibiza und Formentera.

Rund 1200 Menschen protestierten am gestrigen Freitagabend gegen die Folgen des Massentourismus auf Ibiza und Formentera. Aufgerufen zur Demo hatte die Gruppe „Canviem el Rumb“ – Wechseln wir den Kurs. Mit Bannern und Schildern zogen erst 500 Demonstranten durch die Straßen der Inselhauptstadt – und immer mehr Menschen schlossen sich dem Protestzug an. Am Schluss waren es geschätzte 1200. Die verschiedenen Redner betonten immer wieder: Es geht nicht um den Tourismus, den die Insel und auch die Menschen auf den Inseln brauchen. Denn er sichert mehr als die Hälfte der wirtschaftlichen Leistung. Es geht um die Auswirkungen des Massen-Tourismus, bei denen Millionen Urlauber die Natur und Umwelt von Ibiza und Formentera belasten. Und wo die illegale Vermietung an Touristen Wohnungen blockiert und die Mieten so hoch treiben, dass selbst zwei Gehälter nicht reichen würden, eine eigene Wohnung zu finanzieren.

Limits für die Zahl der Touristen mit all den negativen Folgen für Ibiza und Formentera – das war das Hauptanliegen der Demonstranten.

Der Kernsatz der Demonstranten lautete: „Wir sind auf der Straße, um laut und deutlich zu sagen, dass wir dem Tourismus Grenzen setzen müssen, dass wir ein menschenwürdiges Leben auf Ibiza und Formentera wollen und dass es dringend ist, den Kurs zu ändern.“ 

Gestern demonstrierten die Teilnehmer auch gegen den Kreuzfahrt-Tourismus, der mit Tausenden Passagieren die Insel überflutet. Heute, einen Tag später, liegen gleich drei dieser Riesenschiffe im Hafen – mit Kabinen für rund 8000 Passagiere. Foto: MBA

Die Forderungen der Demonstranten gegen den Massen-Tourismus:

  •  Begrenzung von Flugzeugen und damit weniger Touristen.
  • Verbot von Privat-Jets, die für wenige vermögende Passagiere die Umwelt belasten.
  • Endlich Schutz der wichtigen Seegraswiesen vor zu vielen vor allem zu großen Yachten.
  • Schluss mit den riesigen Kreuzfahrtschiffen, die bis zu 10.000 Touristen auf die Insel bringen und mit ihren Abgasen die Luft belasten.
  • Verstärkter Kampf gegen illegale Ferienvermietungen. Das Argument: Immobilienbesitzer vermieten im Sommer teuer an Touristen, lassen die Wohnungen sonst leer stehen. Das bedeutet: Tausende von Insulanern finden keine bezahlbaren Wohnungen.
  • Schluss mit der Wasserverschwendung und der weiteren Genehmigung von großen Pools für Hotels und Luxusvillen. Das Argument: „Während auf der Insel die Brunnen austrocknen, sind die Pools der Reichen gut gefügt. Während die Ernte vertrocknet, werden die tropischen Gärten der großen Villen und Hotels fleißig gegossen!“

Hier die Interviews mit vier Demonstranten:

Da ist Ines: Warum bist du heute hier?

Weil ich will, dass sich Ibiza verändert. Nicht so viele Touristen, nicht so viele Boote, die unsere Strände zerstören. Ich lebe seit 30 Jahren hier, und früher war das nicht so; jeden Tag wird es schlimmer.

Betrifft es dich persönlich?

Ja, die Mieten, die Miete betrifft mich. Ich lebe alleine und zahle 900 Euro Miete.

Wovon könnte die Insel ohne den Tourismus leben?

Wir können mit einem regulierten Tourismus gut leben. Ibiza hat immer vom Tourismus gelebt, aber von einem nachhaltigen, familienfreundlichen Tourismus, der im Einklang mit der Natur steht. Jetzt kommt der Tourismus nur noch für die Diskotheken. Und jetzt gibt es vier Besitzer der Insel, die profitieren, während wir anderen hier die Konsequenzen tragen müssen. 

Auch Ana (links) ist mit ihren Eltern dabei und sagt:

Wir sind hier, um gegen das gesamte wirtschaftliche und touristische Modell in Ibiza zu protestieren. Letztendlich ist es ein sehr raubbauendes Modell, das es den Menschen, die hier leben, unmöglich macht, ihr Leben zu führen. Es betrifft mich persönlich; ich lebe bei meinen Eltern, weil die Preise für Wohnungen hier wirklich übertrieben sind. 

Außerdem betrifft es mich als Bürgerin, weil der Schaden, der der Umwelt und dem Gebiet zugefügt wird, auch mich betrifft. 

Was ist das gravierendste Umweltproblem? 

Wahrscheinlich der Wassermangel. Wir leben, als hätten wir Wasser im Überfluss, dabei gibt es wirklich keins. In einigen Gebieten geht die Entwicklung immer mehr in Richtung Versteppung, während es gleichzeitig Leute gibt, die verschwenderisch mit Wasser umgehen. Außerdem gibt es den Druck auf die Umwelt, weil es viel menschlichen Einfluss auf eine sehr fragile Umwelt gibt; die Insel ist sehr zerbrechlich. 

Welche Maßnahmen würdest du den Behörden empfehlen, um den Tourismus zu kontrollieren? 

Es sollten Grenzen gesetzt werden. Grenzen für touristische Plaketten, bessere Kontrollen für illegale Ferienunterkünfte. Vielleicht auch Grenzen für die Flüge, die hierher kommen, und dass die privaten Jets aufhören. Außerdem Grenzen für die Mietpreise. 

 

Auch Andrea hält ihr Protestschild in den Nachthimmel und sagt:

Ich bin hier, weil ich diese Insel liebe. Ich lebe seit 25 Jahren hier. Ich möchte eine bessere Zukunft für unsere Kinder. Und weil mir nach 23 Jahren gesagt wurde, dass ich nicht mehr in meinem Haus wohnen kann und ich keinen anderen Platz finde. Entweder muss ich die Insel verlassen, was unmöglich ist, da ich einen 14-jährigen Sohn habe, der hier bei mir lebt, oder ich weiß nicht, wo ich wohnen soll. 

Was wird mit der Insel in der Zukunft passieren, wenn sich der Tourismus nicht ändert? 

Die gesamte Biodiversität der Insel, das Posidonia, wird durch den Massentourismus zerstört. Es ist beschämend, dass an einem Tag vier Kreuzfahrtschiffe auf die Insel kommen. Die Insel kann so viele Menschen nicht tragen. Warum? Weil wir nur Geld wollen und alles verkaufen, was der Tourismus bietet. Viele von uns, die hier leben, leben vom Tourismus. Es ist nicht so, dass wir keinen Tourismus wollen. Wir möchten einfach einen nachhaltigen Tourismus, wie ihn andere Inseln in Spanien haben. 

Wie kann die Insel ohne Tourismus überleben? 

Es gibt eine Bewegung von jungen Landwirten, die zurückkommen, um das Land zu bewirtschaften und von der Landwirtschaft zu leben. Es gibt viele Projekte für regenerative und nachhaltige Landwirtschaft. Diese Menschen, die wieder an das Land glauben, pflanzen und leben von der Landwirtschaft. Ich glaube, man kann auch wieder davon leben, so wie es die Großeltern der Ibizenker früher getan haben. 

Karin trägt ihr Transparent: JUSTICÍCIA CLIMÁTICA JA! (Klimagerechtigkeit) und sagt:

Ich bin hier, weil ich unbedingt demonstrieren muss, da es nicht so weiter gehen kann. Dieses Jahr ist das erste mal, das der Wasserwagen, der uns das Wasser bringt für die Zisterne, uns gesagt hat, dass wenn es so weiter geht kann er uns kein Wasser mehr bringen. Insgesamt natürlich viel zu viele Autos, man kommt nie irgendwo durch, alles ist zu voll und die Insel ist zu klein. Es muss ganz klar Begrenzungen geben, wie viele Urlauber auf die Insel kommen können und es muss durchgesetzt werden, dass nur die ofiziellen Hotels genutzt werden. Es muss einfach insgesamt reduziert werden. Wenn sich nichts ändert, muss der Müll wahrscheinlich ausgeflogen werden weil er hier einfach nicht mehr untergebracht bzw behandelt werden kann. Ich selbst fahre nur noch mit dem Bus, was auch eine gute Maßnahme ist – mehr öffentliche Verkehrsmittel nutzen. 

Unsere Reporterin Shari Blauth hörte viele solcher Kommentare. Sie drücken bei vielen Menschen die Angst aus, die Angst um ihre persönliche Zukunft und die Angst um die Inseln, die durch den Massen-Tourismus in Gefahr sind, ihre Einmaligkeit zu verlieren.

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