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IBIZA Premium Ibiza – wie geht es dir morgen. Fragen an die Insel-Politiker

Cala Benirrás
Ibiza für Entdecker - PREMIUM

Die Waldgebiete bei der Cala Benirràs sind inzwischen geschützt, Grundstücksbesitzer dürfen nicht mehr bauen. Foto: Rüdiger Eichhorn

Unser letztes Interview mit den Bürgermeistern Ibiza sind wir im ruhigen Norden angekommen. Dort ist seit mehr als 20 Jahren ein Mann Chef im Rathaus: Anton Marí Marí, den alle nur Carraca nennen. Für ihn ist in Stein gemeißelt: An den schönen Stränden der Gemeinde wird es keine Beachclubs und keine laute Musik am Strand geben. „Wer das will, soll anderswo auf Ibiza seinen Urlaub verbringen!“

Bürgermeister Antoni Marí Marí aus Sant Joan. Foto: Dieter Abholte

“Beachclubs und laute Musik an den Stränden wird es bei uns nicht geben!”

Zur Person: Antoni Marí Marí (PP), Bürgermeister in Sant Joan de Labritja

Antoni Marí Marí (65) ist ein Bürgermeister-Urgestein. Seit 1999 hat er das Amt in der Gemeinde im Norden der Insel inne. Sechs Mal wurde er bereits wiedergewählt. Geboren in Sant Joan, wohnt er auch in der rund 6.800-Einwohner-Gemeinde mit ihren zwölf Stränden und Buchten.

Wie hat sich die Corona-Pandemie bis jetzt auf Ihre Gemeinde ausgewirkt?

Die Pandemie hat in den vergangenen zwei Jahren im Prinzip alle Bereiche negativ beeinflusst. Wir mussten viele Menschen, viele Familien, viele Selbstständige und kleine Unternehmer unterstützen, damit das Ganze für sie nicht in einer Katastrophe endet. Das hat unsere ganze Kraft gebündelt. Viele Vorhaben, die wir uns vorgenommen hatten, konnten daher nicht umgesetzt werden.

Wie viel Geld ist in die Unterstützung von Familien, Selbstständigen und kleinen Unternehmern geflossen?

Das kann ich in konkreten Zahlen nicht sagen. Was ich sagen kann: Unsere Ausgaben haben sich in dieser Hinsicht im Vergleich zu 2019 verdreifacht. Wir haben Mietzuschüsse gezahlt. Wir haben 2020 zum Beispiel von den Lizenznehmern an den Stränden für das Betreiben von Strandbars oder das Vermieten von Liegen und Sonnenschirmen nur einen Symbolbetrag gefordert. Und 2021 haben wir die Gebühren um 50 Prozent gesenkt. Für 2022 ist aber nichts dergleichen geplant. Um die Menschen in der Pandemie psychologisch zu unterstützen, hatten wir auch zusätzliches Personal eingestellt. Darunter sind eine Psychologin und eine Sozialarbeiterin.

Gibt es viele Unternehmen, die die Pandemie nicht überlebt haben?

Ich kenne kein Unternehmen in dieser Gemeinde, das Konkurs anmelden musste. Die Mehrheit der Selbstständigen und Unternehmen sind nur sehr schwer über die Runden gekommen und werden wohl Jahre benötigen, um sich davon zu erholen.

Was sind Ihre Erwartungen für 2022, was den Tourismus betrifft?

Alles deutete am Anfang in unserer Gemeinde darauf hin, dass es sich dieses Jahr gut entwickeln würde. Aber es gibt viele Einflussfaktoren. So ist Corona natürlich immer noch ein Thema. Und der Krieg in Europa und die Steigerung der Preise überall hat die Situation stark verändert. Das wird enorme Auswirkungen auf die europäische Wirtschaft haben, die wir noch gar nicht einschätzen können. Das ist eine große Unbekannte. Die Energiepreise in Spanien sind zum Beispiel extrem hoch. Das wirkt sich natürlich alles auf den Geldbeutel der Verbraucher aus und damit auch auf die Menschen, die Urlaub auf Ibiza machen möchten. Sie sparen beim Urlaub, beim Restaurantbesuch und in vielem mehr. Es wird einen starken Einfluss haben.

Trommler am Strand von Benirràs. Sie trommeln zum Sonnenuntergang. Tausende wollten dabei sein. Doch jetzt wird der Strand gesperrt, wenn zu viele Menschen kommen. Foto: IbizaHEUTE

Sind 2022 Restriktionen an den Stränden geplant, was die Zahl der Strandbesucher betrifft?

In diesem Jahr im Prinzip nicht. Doch wenn ein Strand völlig überfüllt ist, werden wir Maßnahmen ergreifen. Was aber bleibt, sind die Einschränkungen in Benirràs. Da gibt es keine andere Möglichkeit.

Besonders Sonntag?

An Sonntagen ab 15.30 Uhr haben sich so viele Menschen dort versammelt, um den Sonnenuntergang zu genießen: Das war einfach nicht mehr normal. Es gilt: Wenn der Strand voll ist, dürfen keinen weiteren Menschen mehr an die Playa.

Wie überwachen Sie das?

Mit der Lokalpolizei und zum Beispiel Kontrolleuren von Sicherheitsfirmen. So verhindern wir Massenansammlungen.

Was tun Sie gegen Vermieter von Liegen und Sonnenschirmen, die höhere Preise verlangen als von der Gemeinde festgelegt?

Wenn jemand höhere Preise für Liegen und Sonnenschirme am Strand verlangt, dann wird er bestraft. Und wenn jemand mehrfach gegen die Auflagen verstößt, verliert er die Konzession. Punkt.

Welche neuen Projekte planen Sie in Sachen Umweltschutz?

Wir haben schon eine Menge getan. So waren wir die erste Gemeinde auf Ibiza und auf den Balearen generell, die Pergolas mit Fotovoltaik ausgestattet hat – zum Laden für Elektroautos. Wir haben auch eine Solar-Pergola im Sportzentrum aufgebaut, um so bis zu 100 Kilowatt Strom zu gewinnen und den Rest ins Netz einzuspeisen. Unser Rathaus hat Solarpaneele auf dem Dach, im öffentlichen Schwimmbad wird das Wasser mit Holz erwärmt, das hier aus den Wäldern oder aus Rückschnitten stammt. Für private Bauherren gibt es Auflagen: Sie müssen ein Ajube bauen, also ein Wasserauffangbecken für Regenwasser, das dann zur Bewässerung genutzt wird. Zudem haben wir angefangen, alle Laternen in der Straßenbeleuchtung mit LED-Lampen auszustatten, um Energie zu sparen. An allen touristischen Knotenpunkten sind sie bereits ausgewechselt. Zuletzt haben wir das gerade an der Cala San Vicente getan. Und es geht weiter.

Sind neue Radwege geplant?

Ja, wir sind in Gesprächen in Bezug auf einen Radweg vom Dorfkern Sant Juan nach Sant Miguel und dann später weiter zum Puerto Sant Miguel. Bis zur Realisierung wird es allerdings mit Sicherheit noch einige Zeit dauern.

Wie steht es um die E-Mobilität in Ihrer Gemeinde?

Bis jetzt haben wir acht Ladesäulen für Elektro-Fahrzeuge. Wir sind auch gerade dabei, ein E-Fahrzeug für die Gemeindeverwaltung sowie einen Polizeiwagen mit Hybridantrieb zu kaufen.

Wie ist die Wasserversorgung geregelt?

Wir wollen mehr Wasser aus den Entsalzungsanlage für die touristischen Hotspots bekommen. Daran arbeiten wir gerade. Um die Brunnen zu schonen und damit die Grundwasser führenden Bodenschichten.

Das heißt in Prozenten?

Wir möchten 60 % entsalztes Wasser und 40 % Grundwasser durch die Trinkwasserleitungen fließen lassen.

Wie weit sind Sie mit der Instandsetzung der Trinkwasserleitungen?

Extrem gut! Wir liegen in unserer Gemeinde bereits jetzt weit über den vorgegebenen Normen von 2027. Das bedeutet: Die Leitungsverluste liegen unter 10 Prozent. Das bezieht sich auf das Netz auf Gemeindegebiet, nicht auf die Privatgrundstücke. Und wir machen weiter.

Wollen Sie auch Grauwasser zur Bewässerung einsetzen?

Wir möchten in Zukunft geklärtes Wasser aus der Kläranlage zur Bewässerung von Bäumen und Grünflächen verwenden.

Auch der schöne Strand von Port Sant Miquel gehört zur Gemeinde Sant Joan. Foto: IbizaHEUTE

Beachclubs sind und bleiben in Ihrer Gemeinde tabu?

Ja, sie sind und bleiben komplett verboten. Kleine Strandbuden, die Chiringuitos, und Restaurants sind natürlich erlaubt. Wir möchten Familien ein Angebot machen und all denjenigen, die es ruhig, authentischer und traditioneller lieben. Ich habe überhaupt nichts dagegen, wenn das Gastronomie-Angebot auf Ibiza vielseitig ist. Nur: In unserer Gemeinde wollen wir keine Beachclubs.

Sie tragen den Spitznamen “Carraca”. Woher kommt dieser Name?

Der Name kommt von den Bergen, die hinter meinem Haus sind. Das Grundstück ist schon lange in Familienbesitz. Irgendwann nannte man es dann Can Carraca. Und wer dort wohnte, hatte seinen Spitznamen weg. Schon mein Vater und mein Großvater trugen ihn. So ein Spitzname ist praktisch, um die Leute zu unterscheiden. Denn meinen Namen Antoni Marí Marí gibt’s hier wirklich oft.

Was mögen Sie am liebsten in Ihrer Gemeinde?

Für mich ist es der ideale Ort zum Leben und Genießen. Wegen der Ruhe, der Landschaft, der Natur, der Leute und ihren Charakter.

Wie ist denn der Charakter?

Die Menschen sind offen, freundlich, sie lieben den Kontakt zu anderen und schließen sich nicht zu Hause ein. Ich glaube, in unserer Gemeinde wurde der authentische ibizenkische Charakter bewahrt.

Welche Speise mögen Sie am liebsten?

Ich habe wahrscheinlich ein Katzen-Gen, die ja Fisch so lieben. Ich mag nämlich alle Arten von Fisch, egal ob gegrillt oder frittiert, von Boquerones bis Zackenbarsch … und natürlich dazu ein gutes Glas Wein von der Insel.