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Wie ich es sehe: Editorial von Marcel Brunnthaler

Editorial

Mein Weihnachts„baum“ auf Ibiza. Natürlich darf die Krippe nicht fehlen! (Foto: Marcel Brunnthaler)

IbizaHEUTE-Chefredakteur Marcel Brunnthaler (Illustration: Thomas Ardelt, Artcommando)

Liebe Leserinnen und Leser,

heute erzähle ich Ihnen von meinem ersten Mal. Von meinem ersten Mal mit der Liebe meines Lebens. Und soviel vorweg: Ich habe gar nicht lange überlegt, es zu tun. Die Umstände haben mir die Entscheidung schließlich sogar einfach gemacht. Ich wollte es einfach ausprobieren, endlich den nächsten Schritt wagen, es einfach tun. Und ich habe es nicht bereut. Es war richtig schön. So ganz anders, und trotzdem . . . besinnlich. Ja: besinnlich. Ich rede natürlich von meinen ersten Weihnachten auf Ibiza.
Auch wenn ich bereits seit den 1990-er-Jahren beinahe jedes Jahr nach Ibiza komme und hier inzwischen einen großen Teil meines Lebens verbringe, so habe ich Weihnachten bisher immer zusammen mit meiner Familie, zusammen mit meinen Eltern in ihrem Haus in den österreichischen Bergen, gefeiert. Das war heuer erstmals nicht möglich. Corona, ja. Weiter möchte ich gar nicht auf die Gründe eingehen. Insofern kam mir die Idee, dieses Jahr über Weihnachten nach Ibiza zu fliegen. Fliegen – oder gar fliehen? Spielt das denn eine Rolle? Ibiza ist immer eine gute Idee, heißt es doch.
Silvester war ich schon häufig auf Ibiza. Aber Weihnachten? Ich wusste nicht wirklich, was mich erwartet. Doch jetzt weiß ich: Das Fest der Liebe ist auf Ibiza ganz anders – und trotzdem gleich. Anders schön. Und gleich schön.

Der Weihnachtsmarkt am Passeig de Vara de Rey in Eivissa (Foto: Marcel Brunnthaler)

Die Spanier lieben ja alles, was mit Weihnachten zu tun hat. Sie schmücken die Straßen und Häuser wahnsinnig bunt und wunderbar kitschig mit Lichterketten und allerlei Lampen und Lichtinstallationen. Auf Ibiza blinkt und leuchtet jede Hauptstraße von Sant Carles über Sant Miquel bis Sant Josep. Vor den Kirchen finden sich in knalligem Rot, Grün oder Blau strahlende Christbäume. Und jeder Ort hat seinen eigenen Weihnachtsmarkt. Besonders schön ist natürlich der Mercado de Navidad in Eivissa am Passeig de Vara de Rey, auf dem die Kinder noch bis 5. Januar ein Foto mit Papa Noel machen oder sich Weihnachtsgeschichten erzählen lassen können. Für Erwachsene gibt es in den Hütten neben Handwerk und jeder Menge Kitsch auch Produkte von der Insel zu kaufen. Nachdem in meiner Heimat Bayern alle Christkindlmärkte abgesagt wurden, habe ich den Weihnachtsmarkt ganz besonders genossen.

Traditionelles Weihnachtsdessert: Die Salsa de Nadal – auf Ibiza mit Hühnerbrühe! (Foto: Marcel Brunnthaler)


Und im Ca n’Alfredo habe ich meine erste Salsa de Nadal probiert. Das ist eine typisch ibizenke Weihnachtssuppe, die zwar mit Hühnerbrühe zubereitet wird, aber aufgrund von jeder Menge Mandeln, Honig und Zucker vielmehr eine Nachspeise ist. Eine Art flüssiges Nougat, das mit Biskuit gegessen wird. Apropos Ca n’Alfredo: Leider hat das Traditionsrestaurant von Joan Riera von 24.12. bis voraussichtlich 15.1 geschlossen. Sie bekommen die Salsa de Nadal aber in vielen anderen Traditionslokalen der Insel, zum Beispiel im Sa Palmera in Santa Agnes. Zwar steht es hier nicht auf der Karte, aber wenn Sie danach fragen (und natürlich nur, solange sie noch verfügbar ist), wird Ihnen die Salsa de Nadal warm oder kalt zubereitet. Ich empfehle ganz klar die warme Variante!

Am 5. Januar ziehen die Heiligen Reyes Magos in einer Prozession durch Eivissa (Foto: Rüdiger Eichhorn)


Eingeläutet wird Weihnachten in Spanien übrigens am 22. Dezember mit der Ziehung von „El Gordo“ (Der Dicke), der größten Lotterie der Welt, bei der 2,4 Milliarden Euro im Jackpot liegen. Ich habe mir für 20 Euro ein Zehntel Los gekauft – und nicht gewonnen . . .  Heiligabend, die Noche Buena, steht ganz ähnlich wie bei uns im Zeichen der Ruhe und Besinnung. Am Abend wird mit der Familie gegessen. Danach geht es für die meisten Familien in die Kirche zur „Misa del Gallo“, der Mitternachtsmesse. Oder wörtlich übersetzt: Messe des Hahns.
Eine schöne „deutsche“ Tradition auf Ibiza ist das Linsenessen am Nachmittag des 24. im Restaurant marc’s. Gastgeber Marc Lindemann lädt Freunde und Stammgäste zu Linsensuppe, Glühwein und Live-Musik ein. Ich habe mich hier mit Dieter Abholte und seiner Frau Christine und einigen Freunden und Bekannten getroffen. Auch Tommy Igiel, der Admin der deutschen Facebook-Gruppe Ibiza Residenten & Urlauber war da.
In Spanien dauert Weihnachten bis zum 6. Januar, wenn die Heiligen Drei Könige, die Reyes Magos, den Kindern die Geschenke bringen. Ja richtig: Die Kinder bekommen ihre Geschenke hier „erst“ in der Nacht vom 5. auf den 6. Januar. (Wobei es in vielen Familien inzwischen zusätzlich auch an Heiligabend Geschenke gibt.) Ich bin schon sehr gespannt auf die Prozession am 5. Januar, wenn die Reyes Magos mit dem Schiff im Hafen von Eivissa anlanden und dann durch die Straßen von Ibizas Hauptstadt ziehen. Ich hoffe, dass nicht Corona dem Ganzen (wie im Vorjahr) einen Strich durch die Rechnung macht. Wir werden sehen . . . Für mich geht es jetzt erstmal raus. Ich möchte heute an den Strand. Immerhin soll es mindestens 17 Grad und sonnig werden.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine besinnliche Weihnachtszeit aus Ibiza. Nächste Woche lesen Sie an dieser Stelle wieder „Wie ich es sehe“ von Dieter Abholte.
Herzliche Grüße,

Ihr Marcel Brunnthaler

Chefredakteur IbizaHEUTE