Zehntausende Menschen haben gestern Abend auf Ibizas Nachbarinsel Mallorca gegen die Auswüchse des Massentourismus demonstriert.
Die Nationalpolizei spricht von mehr als 20.000 Teilnehmern im Zentrum von Palma, die Veranstalter schätzen 50.000 Demonstrierende. Darunter waren auch zahlreiche Kinder. Kundgebung und Protestzug durch die City verliefen friedlich, teilweise auch fröhlich. So marschierte eine Kapelle mit den traditionellen mallorquinischen Dudelsäcken vorweg und sorgte für musikalische Untermalung.
Rekord: 20 Millionen Touristen 2024 erwartet
In diesem Jahr werden auf den balearischen Inseln rund 20 Millionen Touristen erwartet – Rekord. Die Zahl übertrifft noch die massive Besucherzahl von 17,8 Millionen Urlaubern im Jahr 2023. Die Demonstrierenden forderten einen radikalen Richtungswechsel und Grenzen für den Tourismus („Canviem el rumb. Posem límits al turisme“).
Hintergrund: Wie auf Ibiza wird es auch auf Mallorca immer schwieriger, eine bezahlbare Wohnung zu finden. Angeprangert wurde auch die Umweltzerstörung, die riesige Zahl der Mietwagen, die die Straßen verstopfen, die hohe Zahl an Privatjets und Kreuzfahrtschiffen und das Zurückdrängen der eignen Kultur.
Schluss mit der Geldgier
Eine junge Frau hielt ein selbstgemaltes Plakat in die Höhe mit dem Schriftzug: „Santanyí: 3.823 Einwohner, 14 Immobilien-Shops, 0 Buchhandlungen“. Zwischendurch waren immer wieder auch Parolen zu hören wie: „Meine Herren Hoteleigentümer, langsam reicht es mit der Geldgier“.
Plattform „Canviem el rumb“ auch auf Ibiza
Zeitgleich war man auch auf Ibiza aktiv. Die Plattform „Canviem el rumb“ hatte ein erstes, öffentliches Treffen organisiert, um einen Plan gegen den Massentourismus zu entwickeln. Auch und gerade auf der kleinen Insel Ibizas sind die Probleme enorm. Rund 30 Personen nahmen gestern im Parque de la Paz in Eivissa an dem Gedankenaustausch teil.
Einen solchen Gedankenaustausch hat mittlerweile auch die konservative Ministerpräsidentin der Balearen, Marga Prohens, initiiert. Sie holt rund 140 Akteure an einen Tisch, um gemeinsam eine Lösung für die zahlreichen Probleme auf den Inseln zu finden. Ihr Motto lautet: „Den Erfolg managen“.