Liebe Leser,

ich schreibe Ihnen aus dem Schnee. Ich war über den Jahreswechsel in Hamburg und bleibe noch bis Mitte der kommenden Woche hier. Hamburg im Schnee – das kommt nicht oft vor, sieht hübsch aus, aber wird schnell nervig, weil der ohnehin schon chaotische Verkehr der fast 2-Millionen-Stadt dann zeitweise komplett zusammenbricht. Und es soll weiter schneien. Ich weiß von meinen Kollegen, dass auch auf Ibiza nicht das tollste Wetter ist, dass mal wieder Warnstufe GELB herrscht und reichlich Wasser vom Himmel kommt. Zurzeit ist es wohl auf Ibiza nicht viel anders als hier, nur dass es in Hamburg um die Null Grad ist, und das, was vom Himmel kommt, weiß ist.
Ich würde jetzt in meinem ersten Editorial zum neuen Jahre über Freude und Hoffnung schreiben. Nur, was wir gerade erleben, hat kaum Raum für Freude und Hoffnung. US-Präsident Donald Trump schickt seine Spezialeinheiten mit Raketen, Flugzeugen und Drohnen eben nach Caracas und entführt den – zugegeben verbrecherischen – Präsidenten Venezuelas, Maduro, in die USA. Natürlich kaum aus edlen Motiven, sondern um den mächtigen US-Ölkonzernen den Zugang zu den riesigen Ölfeldern Venezuelas zu schenken. Das wird Millionenspenden von den dankbaren Ölbossen für Trumps nächsten Wahlkampf bringen. Eine Hand wäscht die andere…
US-Präsident Trump schenkt der mächtigen Öl-Lobby Venezuela
Natürlich behauptet Trump, die Entführung Maduros solle den Drogenhandel aus Venezuela stoppen – und dafür sorgen, dass Millionen Menschen nicht mehr aus dem diktatorischen Land fliehen müssten. Das sagt ausgerechnet Donald Trump, der eigene Menschenfänger-Truppen aufgestellt hat, um Migranten zu jagen, festzunehmen und in Gefängnisse zu stecken. Und, die Frage drängt sich mir auf: Wie groß ist beim Überfall der USA auf Venezuela noch der Unterschied zu Wladimir Putin und seinem Überfall auf die Ukraine? Natürlich gab es wohl kaum zivile Opfer in Venezuela, anders als in der Ukraine, wo Putins Terror auch gegen Frauen und Kinder gerichtet ist und jeden Tag verzweifelte Menschen verletzt und tötet. Aber Putin startet seinen furchtbaren Krieg ebenfalls mit dem Argument, er wolle die Menschen in der Ukraine von seinem üblen Präsidenten und einem faschistischen Regime befreien. Daraus wurde ein schrecklicher Krieg mit Zehntausenden von Toten, der jeden Tag weiter tobt. Wie wird es in Venezuela weitergehen? Auch mit Krieg?
Und ich befürchte, dass Trump mit seinen Aktionen anderen Staaten für ihre Machtansprüche Tür und Tor öffnet. China will schon lange die Insel Taiwan schlucken, Nordkorea testet laufend Raketen mit nuklearen Sprengköpfen und hat eine hochgerüstete Armee. Da könnte man mal den verhassten Nachbarn Südkorea angreifen. Im Nahen Osten und in Afrika sieht es mit offenen oder verdeckten Gebietsansprüchen machthungriger Despoten kaum anders aus. Und Trump schielt nach eigenen Angaben schon nach Kuba. Da brennt dann endgültig die Schnur zum Pulverfass, das den Weltkrieg auslösen kann. Was für ein Wahnsinn!
Deutschland verändert sich – leider nicht zum Guten
Gehen wir weg von der Weltpolitik nach Deutschland. Ich lebe viele Monate im Jahr auf Ibiza und erlebe Deutschland fast wie ein Besucher. Natürlich bin ich mit Deutschland sehr eng verbunden, habe hier meine Familie, meine Wohnung, meine Freunde. Und natürlich verfolge ich die Politik jeden Tag, schon berufswegen. Doch jedes Mal, wenn ich hier bin, wirkt für mich mein Heimatland ein Stück verändert – und das nicht im positiven Sinne. Ich erlebe Menschen, auch Freunde mit guten Jobs, in Angst vor der wirtschaftlichen Zukunft. Dazu der faule Kompromiss mit der Bundeswehr, die steigenden Krankenkassenbeiträge, Ärzte, die offen sagen, dass sie den falschen Beruf gewählt haben. Ich erlebe, wie tausende Polizisten, die Silvester gern mit ihren Familien gefeiert hätten, die Nacht im Einsatz waren und mit Raketen und Böllern angegriffen wurden …
Ich spüre die Hilflosigkeit, oft auch Wut gegenüber der Politik, die – so zumindest der Eindruck vieler Menschen, die ich kenne – sich der wichtigen Probleme nicht annimmt. Die Schulden macht, die unvorstellbar sind. Die in der Sozialpolitik Gesetze erlässt, die unverantwortlich und unfinanzierbar sind. Die einen Bundeskanzler erleben, der in seiner Neujahrsansprache mit leeren Worthülsen arbeitet, statt Klartext zu reden. Und ich erlebe immer mehr Menschen, die in der AfD den Weg aus dem Chaos sehen: „Wir wissen, dass man eine solche faschistische Partei eigentlich nicht wählen darf. Aber ich wähle sie, damit die anderen da oben endlich mal wach werden und einen Denkzettel bekommen…“ Hat so nicht auch der furchtbare Weg in die Diktatur Hitlers geführt?
Dagegen sind die Problem auf Ibiza und Formentera lösbar
Wenn ich die Probleme in Deutschland sehe und erlebe, kann ich nur dankbar sein, dass wir unser Ibiza oder Formentera haben. Dabei meine ich nicht nur das Wetter, die Sonne, den Strand und das Meer – ich meine auch die Probleme, die Ibiza und Formentera haben. All das, über das ich mich in meinen Editorials immer wieder aufrege und für das ich Lösungen fordere: Massentourismus, Wohnungsnot, kaum bezahlbare Mieten, Preise in Restaurants, Hotels und Beachclubs, die man nur noch als unverschämt bezeichnen kann.
Aber all das lässt sich recht einfach lösen. Beim Massentourismus beschränkt man die Massen mit weniger Unterkunftsmöglichkeiten, also keine neuen Hotels mehr, keine Ferienvermietung. Bei der Wohnungsnot und den teuren Mieten zeigt der Kampf gegen die illegale Vermietung schon erste Erfolge. Wenn ich da noch die Zahl der Kontrolleure vervielfache, ist das Problem auch schnell vom Tisch. Wohnungen, in die keine Touristen mehr legal oder illegal untergebracht werden, sind frei – und kommen auf den Wohnungsmarkt. Das sind tausend Wohnungen, und bei großem Angebot fallen die Mieten. Bei den unverschämten Preisen ist die Lösung noch einfacher mit der Entscheidung: Ich gehe da nicht hin! Denn es gibt genug Restaurants und Bars, wo die Preise noch fair sind. Mich zwingt niemand, in teure Läden zu gehen. Und wer hingeht und gesehen werden will, soll die hohen Preise zahlen. Er will es ja so.
Ich denke, die Probleme unserer Insel sind leichter in den Griff zu bekommen, die Probleme in Deutschland und der Welt eher nicht.
Ich wünsche Ihnen ein wirklich gutes 2026
Sie können bestimmt nachvollziehen, dass ich mich nach drei Wochen in Deutschland wieder auf mein Ibiza freue. Auf die Landschaft, auf Sonne, die ja bald wieder scheinen wird, auf die längeren Tage als in Deutschland – und vor allen natürlich auf meine Freunde und die so einmalig netten und toleranten Menschen auf der Insel. Ich denke, viele von ihnen genießen und lieben diese Einmaligkeit der Inseln, so wie ich. Und ich bin auch 2026 dankbar, in diesem Paradies – auch, wenn es Fehler hat – leben zu dürfen.
Ich wünsche Ihnen ein gutes 2026 mit Gesundheit, Glück, Frieden und Erfolg – und dass Sie auch im neuen Jahr Ibiza und Formentera mit aller Schönheit und Einzigartigkeit erleben können. Ganz gleich, ob Sie hier leben oder als Gast auf den Inseln sind.
Herzlichst, Ihr Dieter Abholte



