Editorial von Dieter Abholte: Wie ich es sehe …

Unser Chefredakteur schreibt über das Unwetter, gestrandete Yachten und die fragwürdige Entscheidung der Balearen-Regierung den Kreuzfahrt-Tourismus zu fördern…

Liebe Leser,

Dieter Abholte

das Unwetter, das vor ein paar Tagen über Ibiza und Formentera zog, war heftig. „Ich habe noch nie solche Wolkenbrüche und Orkan-Böen erlebt“, schrieb uns ein Leser, der schon viele Jahre auf Ibiza lebt. Zum Glück wurde niemand ernsthaft verletzt. Der Fischer, der vor Formentera mit seiner Llaüt gekentert war, konnte lebend geborgen werden. Fischerkollegen, Seerettung und andere Suchschiffe fanden ihn nach Stunden. Er hatte sich an seinem halb versunkenen Holz-Boot festgehalten. Leicht unterkühlt, aber unverletzt, kam er in die Klinik. Für ihn war gut, dass das Meer um die Inseln mit über 30 Grad so warm wie noch nie war.

Böser erwischt hat es rund ein Dutzend Yachten in der Illetes-Bucht vor Formentera. Sie wurden von Sturm und Wellen auf den Strand oder die Felsen geworfen. Erfahrene Skipper fragen sich, wie das passieren konnte. Der drohende Orkan war schon Tage vorher angekündigt, die Windrichtung auch. Da bleibt man als Segler oder Motorbootfahrer eigentlich nicht an der Luvküste, auf die Sturm und Wellen drücken – sondern fährt auf die andere, auf die Sturm-abgewandte Seite der Insel. Dort können sich die Wellen erst gar nicht aufbauen, weil die Schiffe im Schutz des Landes liegen. Man kann auch Ankerkette oder Ankertau so verlängern, dass der Anker selbst in rauer See hält.

Bei Schiffen und Meer bin ich gleich bei meinem Reizthema: den Kreuzfahrtschiffen, die fast täglich Ibiza anfahren. Die ihre Abgase Tag und Nacht in den Himmel spucken. Deren viele Tausende Passagiere das kleine Ibiza und vor allem La Marina und Dalt Vila überschwemmen. Solche – für mich hässlichen – Kolosse werden immer mehr. Wir haben in der Redaktion von IbizaHEUTE gerade die Liste der Kreuzfahrtschiffe für den September von der Hafen-Behörde erhalten. Es sind mehr Schiffe als im vergangenen Jahr um die gleiche Zeit. Und an einem Tag im September legen gleich vier Kreuzfahrer an – mit über 10.000 Passagieren.

Drei Kreuzfahrtschiffe gleichzeitig im Hafen von Eivissa. Im September werden es an einem einzigen Tag sogar vier sein – mit rund 10.000 Passagieren, die Ibiza überschwemmen. Foto: MBA

Ich erinnere mich daran, dass die „alte Regierung“ versprach, dass nur noch ein Kreuzfahrtschiff pro Tag nach Ibiza kommen dürfe. Dann kam die Wahl, die alte Balearen-Regierung – nur sie ist zuständig – war weg, die neue unter Führung der Volkspartei PP da. Und die nahm die „Förderung des Kreuzfahrt-Tourismus“ mit in ihr Programm. Ich denke, angesichts der Proteste bereuen sie diesen Schritt heute. Von Minister-Präsidentin Marga Prohens kam dann auch prompt die Zusage: Wir gehen das Problem an!

Jeder, der nun hofft, dass bald weniger dieser Riesenschiffe auf Ibiza anlegen, wird wohl bitter enttäuscht werden. Eine Reduzierung ist nicht so einfach. Die Kataloge der Schiffs-Gesellschaften für 2025 – oft auch schon für 2026 – sind gedruckt. Darin ist der Hafen Ibiza ein Ziel, das Passagiere lockt. Auch die Verträge der Reedereien mit den Häfen werden mindestens zwei Jahre vorher geschlossen. Ich glaube nicht, dass die Balearen-Regierung jetzt den Reedereien mitteilt: „Ihr dürft Ibiza nicht mehr anlaufen!“ Den Protest und die folgenden Regress-Forderungen der Kreuzfahrt-Reeder kann ich mir lebhaft vorstellen.

Wie ich es sehe, werden auch 2025 Hunderte Kreuzfahrt-Kolosse auf Ibiza festmachen – mit all den Folgen der Umweltbelastung und des Massen-Tourismus von See. Der Insel-Wirtschaft bringt es nicht viel an Umsatz. Denn die Passagiere essen meist an Bord – das haben sie ja mit der Passage gezahlt. Da bleibt auf Ibiza oft nicht mehr als den Kaffee oder das Bier in einem Restaurant. Vielleicht noch ein kleines Andenken wie den Magnet-Aufkleber für den Kühlschrank mit „I love Ibiza“. Gut, die Taxifahrer und Busunternehmen verdienen, wenn sie die Touristen in die Stadt und über die Insel fahren. Dafür haben wir dann als Insulaner kaum noch eine Chance, in dieser Zeit ein Taxi zu bekommen …

Liebe Balearen-Regierung, die „Förderung des Kreuzfahrt-Tourismus“ war keine kluge Idee. Und aus der Nummer kommt ihr so schnell nicht raus. Dieser Fehler beschert uns wohl auch für die nächsten Jahre weiter den Massen-Tourismus der Kreuzfahrer. Und ihr werdet euch weiter den Protest der Menschen anhören müssen. Ich bin dabei …

Liebe Leser, ich wünsche Ihnen einen schönen Sonntag und einen guten Start in die Woche. Das Wetter wird wieder traumhaft sein und die Natur ist durch den Regen aufgeblüht. Genießen Sie die Inseln wieder mit Sonne, Meer und Strand und bleiben Sie besser weg aus der Stadt, wenn die Kreuzfahrer da sind …

Herzlichst, Ihr Dieter Abholte

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