Liebe Leser,

eigentlich liebe ich den Winter auf Ibiza und Formentera. Und bei jeder Gelegenheit schwärme ich Freunden und Bekannten vor, wie wunderschön die Inseln im Januar und Februar sind: Wenn man auf der Restaurant-Terrasse am Strand von der warmen Wintersonne gewärmt wird. Vom Spaziergang unter Mandelblüten, die nach Honig duften, von Bienen und Schmetterlingen umschwärmt werden. Vom Bummel durch die Gassen von Dalt Vila, der Festungsstadt. Natürlich vom Grillen im T-Shirt im Garten. Ist ja an normalen Wintern auch so.
Doch im Winter 2026 ist nichts mehr normal. Das Tief „Harry“ hat zahlreiche Strände verwüstet, Dutzende Pinien geknickt und Dauerregen vom eigentlich sonst blauen Himmel geschickt. Und nach dem Weiterzug von „Harry“ nach Osten ist es auch nicht besser geworden. Seit Tagen und Nächten fegt so starker Sturm über Inseln und Meer, dass der amtliche spanische Wetterdienst AEMET eine Wetter-Warnstufe nach der anderen herausgibt. Und so soll es auch in der kommenden Woche weitergehen. Zum kalten Starkwind aus Nord kommt dann ab Mittwoch wieder der Regen hinzu – mit 95 Prozent Wahrscheinlichkeit. Das vermelden die Wetterfrösche von AEMET. Und die haben meistens recht.
Gibt es denn nichts Positives von den Inseln zu berichten? Doch, gibt es. Man glaubt es kaum: Der Parador, das Hotel auf der Spitze der Festungsstadt, soll eröffnet werden. Feierliche Einweihung am 23. Februar, ab 10. März dürfen dann die ersten Gäste die Zimmer mit Luxus und Meerblick beziehen. 17 Jahre hat man für den Umbau von der einstigen Kaserne zum Hotel gebraucht. Drei Jahre länger als der viel verspottete Bau des Berliner Flughafens. In 17 Jahren baut man in China wohl drei Flughäfen und fünf Städte. Über Jahre hinaus hatte der Baukran ganz oben auf der Festung die Kathedrale als Wahrzeichen Ibizas abgelöst.
Warum das so lange gedauert hat? Zum Teil, weil man immer wieder auf historische Funde stieß. Wen wundert es, wenn man da baut, wo schon in der Antike erst der punische, dann der römische Tempel stand? Und dann war es auch nicht ganz einfach, einen Fahrstuhl von der Garage im Felsen bis nach oben zum Hotel zu treiben. Ist der fertig und funktioniert er? Keine Ahnung. Von Jahr zu Jahr hielt man sich immer mehr bedeckt, was die Informationen zum Parador betraf – bis auf die verkündeten und dann doch wieder verschobenen Eröffnungstermine. Man erfuhr nur auf drängende Nachfragen, dass die Bäder in der Bauzeit in die Jahre gekommen waren und der neuen Zeit angepasst werden mussten. Kein Wunder, in 17 Jahren wird alt, was einst modern war…
Wie dem auch sei. Jetzt scheint das Hotel fertig zu sein: 41 Gästezimmer, 25 Zimmer für Personal, das ja sonst kaum Unterkünfte findet. Baukosten: 47 Millionen Euro. Umgerechnet über 1 Million pro Gastzimmer. Das ist selbst für Ibiza ein mehr als stolzer Preis. Wie das Hotel aussieht, zeigt zumindest in etwa dieses Video, man liebt es wohl rund (Lampen) und üppig (Polstermöbel). Viel mehr ist bisher nicht zu sehen. Man darf gespannt sein…
Meine Zeilen sind keine Lästerung, sollen sie zumindest nicht sein. Aber genervt haben der Anblick des Baukrans, die dauernden Terminverschiebungen und das ganze wichtige Drumherum für zuletzt 41 Zimmer und 40 Parkplätze schon. Und die stolze Verkündung von 85 Prozent Auslastung schon in der ersten Saison ist auch nicht überwältigend. Das sind bei 41 Gesamtzahl mal gerade belegte 35 Zimmer mit 70 Gästen – nicht viel für eine Insel, die jedes Jahr Millionen Touristen hat…
Aber trotzdem tut der Parador der Insel gut. Denn er sorgt für positive Schlagzeilen, von denen es leider auf Ibiza in Sachen Tourismus nicht viele gibt. Dieses Hotel verbindet Luxus und Geschichte. Und es tut auch der Top-Gastronomie in den Gassen von Dalt Vila gut. Klar, bei 41 Gästezimmern ist das zahlenmäßig nicht gewaltig für die Gastronomie, aber es sind die Gäste, die sich auch Sterneküche leisten können, und das Restaurant „1742“ der Nassau-Gruppe und 2-Sterne-Koch Edwin Vinke liegt nur ein paar Schritte vom Parador entfernt.
Freuen wir uns, dass der Parador nun fertig ist. Teilen wir ein wenig den Jubel der Politiker über das neue touristische Highlight der Insel. Sind wir gespannt, wie der Parador von innen aussieht und was die Übernachtung kostet, deren Preis ja für Bewohner der Balearen reduziert sein soll? Und hoffen wir auf besseres Wetter.
Ich wünsche Ihnen einen schönen Sonntag und einen guten Start in die Woche, wo immer Sie sind.



