Editorial von Dieter Abholte: Wie ich es sehe…

Liebe Leser,

Dieter Abholte

es pustet gewaltig auf Ibiza und Formentera – und das schon seit Tagen. Ein Atlantik-Tief nach dem anderen zieht auch über das Mittelmeer. Mit Böen, die auf der Sturmskala als „Orkanartiger Sturm“ bezeichnet werden: 100 km/h – Beaufort 11. Im Norden Deutschlands würde man jetzt sagen: „Da fliegen die Schafe vom Deich!“ Aber auf unseren Inseln gibt es keine Deiche und die Schafe auf dem Campo sind klug genug, ihre wärmende Wolle im Windschatten von Felsen oder Baumgruppen dem Wind entgegenzustrecken.

Im Norden Deutschlands würde solcher Sturm fast immer vom düsteren Wolkenhimmel pusten. Das ist heute auf Ibiza und Formentera ganz anders: Der Himmel ist blau – und so intensiv blau, wie er es nur im Mittelmeer sein kann. Die weißen Häuser des Fischerviertels und der Festungsstadt leuchten in der Sonne und geben denen Recht, für die Ibiza die „weiße Insel“ ist. Wunderbar!

Draußen auf dem Meer toben die 3 oder 4 Meter hohen Wellen. Schaumkronen bedecken das Wasser, das so blau ist wie der Himmel. Ein faszinierender Anblick, wenn man nicht gerade mit dem Boot unterwegs ist. Und wenn die Wellen auf den Strand treffen, brechen se sich in fantastischen Blau- und Grüntönen. Und die Gischt, die an den Felsen und die Steilküsten 50 Meter und höher aufsteigt, wirkt wie ein weißer Schleier. Wie der Hochzeitsschleier bei der Vermählung von Land und Meer.

Stopp, jetzt werde ich kitschig. Und der Sturm bringt auch viele Negatives mit sich. Bei der berühmten „Bar Flotante“ an der Talamanca sitzt man nicht mehr mit den Füßen im Sand vor dem Restaurant, sondern auf felsigem Untergrund daneben, weil die Wellen den Sand ins Meer gerissen haben, so war es jedenfalls vor ein paar Tagen. Bäume hat der Sturm umgeknickt. Flugzeuge konnten nicht auf Ibiza landen und mussten umgeleitet werden. Ankernde Yachten wurden von Wellen und Sturm losgerissen und an Land geschleudert. Über Stunden musste der Fährverkehr zwischen Ibiza und Formentera eingestellt werden. Selbst die großen Autofähren von Ibiza nach Dénia oder Barcelona blieben lieber im Hafen.

Ein Orkan ist immer gefährlich, richtet immer Schäden an, bedroht auch Menschenleben. Aber was ich mit meinen Sätzen sagen will: Selbst ein Sturm fühlt sich auf unseren Inseln anders an als etwas an der Nordsee. Hier kommt er heute – und auch in den vergangenen Tagen – von einem strahlend blauen Himmel. Die Sonne scheint. Kein Regen peitscht einem ins Gesicht. Und im Windschatten der Balkon- oder Terrassenmauer kann man sogar in der Sonne liegen. Das alles bei Temperaturen um die 20 Grad im Schatten.

Heute Nachmittag sehen Sie hier auf IbizaHEUTE-Online faszinierende Sturmbilder unserer Fotografen aufgenommen haben. Und Sie wissen, was ich meine.

Irgendwie muss es der liebe Gott mit unseren Inseln besonders gut meinen. An solchen Tagen wird mir ganz intensiv bewusst, welches Glück wir haben, hier leben zu dürfen. Und mich überkommt eine tiefe Dankbarkeit. Ich glaube, vielen von Ihnen geht es so wie mir.

Ich wünsche Ihnen einen guten Sonntag, wo immer Sie sind.

Ihr Dieter Abholte

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