Editorial von Dieter Abholte: Wie ich es sehe …

Unser Chefredakteur schreibt über die bunten Fiestas der Insel, wo auch wir als Fremde wie Freude willkommen sind. Heute startet  das Dorffest im kleinen Santa Agnès.

Dieter Abholte

Liebe Leser,

waren Sie schon einmal dabei, bei einem der zahlreichen Patronatsfeste auf der Insel? Jedes Dorf und jede Stadt feiern einmal im Jahr ihre Schutzheiligen. Also die katholischen Heiligen, die ihren Ort, ihre Familie und ihr Leben beschützen sollen. Nein, das sind keine strengen religiösen Feste, wo man sich vor Gläubigkeit und Demut kaum zu rühren wagt. Die Patronatsfeste auf Ibiza und Formentera sind bunte und fröhliche Fiestas.

Natürlich mit feierlicher Messe in der Kirche, mit einer Prozession um das Gotteshaus – aber auch mit Volkstanz, fröhlichen Events, mit Paella oder süßem Schmalzgebäck nebst Wein für alle. Mit Musikkapellen und auch Rock-Konzerten, wo die Bühne gerockt wird – und die Frömmigkeit ganz weit weg ist. Patronatsfeste sind spanische Lebensfreunde. Und jeder ist willkommen – ganz gleich ob aus dem Dorf, der nächsten Stadt oder als Tourist.

Sie als Fremder bekommen genauso ihr Schmalzgebäck, ihr Glas roten Landwein, als wären Sie der Nachbar, den man schon seit Jahren kennt. So als wollten sie zeigen: Ihr seid Freunde und sollt uns als Freunde erleben.

Die Prozession in Santa Agnès. Foto: Rüdiger Eichhorn

Also haben sie keine Hemmungen, sich zu den Zuschauern beim Volkstanz rund um die Tanzenden zu stellen. Keine Hemmungen, das Glas Wein anzunehmen, das Ihnen gereicht wird. Und seien Sie auch dabei, wenn die Kapellen aufspielen oder die Rockband ihre Gitarren malträtiert. Es war der heutige Inselratspräsident Vicent Marí, der mir auf einem Volksfest in Santa Eulària, wo er damals Bürgermeister war, sagte: „Schreib mal für deine Leser, dass jeder, der auf die Insel kommt, nicht nur Gast, sondern Freund ist!“

Gut, es gibt leider Urlauber – vorrangig in der Saison – die weder das Wort Gast und schon gar nicht das Wort Freund verdienen. Aber solche Zeitgenossen sind auf Ibiza wirklich selten. Ibiza und Formentera sind nicht der Ballermann auf Mallorca. Gut, wir haben noch immer Sauf-Engländer in Sant Antoni und auch immer wieder ein paar Touristen an der Platja d’en Bossa, die Anstand und Respekt vermissen lassen. Aber sie werden weniger. Und das hat wohl nicht zuletzt etwas mit den Preisen zu tun. Ibiza ist zu teuer, um einfach mal mit dem Kegelverein für drei Tage Sauftour zu kommen, Formentera erst recht.

Aber ich schweife vom Thema ab. Ich wollte sie ermutigen, bei einer der Dorf-Fiestas dabei zu sein. Sie erleben die Seele der Insel. Die Volkstänzer sind nicht dafür da, um zahlenden Touristen zu zeigen, wie die Tradition einmal war. Sie tanzen, weil es Tradition ist. Eine Tradition, die in der Geschichte der Insel verankert ist. Und es sind die jungen Leute, die Samstagnacht in die Disco gehen, aber am Samstagmorgen in Jeans und T-Shirts auf den Dorfplätzen diese Tänze trainieren. Und beim Volkstanz zeigt auch der Inselratspräsident, dass er noch die Sprünge beherrscht, genauso wie es sein Sohn kann und es einmal die Enkel begeistert lernen werden.

Es ist auch diese lebendige Tradition, die unsere Inseln so einmalig machen. Ich ermuntere Sie gern, das zu erleben. Das könnte gleich heute sein. Denn das winzige Dorf Santa Agnès (eine Kirche, zwei Restaurants) feiert ab heute seine Schutzheilige St. Agnes. Um 12 Uhr ist die festliche Messe, dann folgt meist die kleine Prozession mit der Statue der Heiligen um die Kirche und dem Volkstanz. Da auf Ibiza nicht nur heftig, sondern auch lange gefeiert wird, dauert die Fiesta in Santa Agnès von heute bis Ende Februar.

Höhepunkte sind: Am 26. Januar die Vollmond-Wanderung von Sant Antoni bis zur Kirche von Santa Agnès, wo dann Wein und Sobrasada-Brote auf die Wanderer warten. Am 10. Februar wird der große „Sofrit Pagès“-Wettbewerb ausgetragen. Der Schmorbraten aus Fleisch und Kartoffeln ist so etwas wie das Nationalgericht Ibizas. Ab 16 Uhr darf man das Ergebnis zu erschwinglichen Preisen bei Musik im Festzelt verspeisen. Und dann vom 23. bis 26. Februar die „Fiesta de Sa Sitja de Sa Rota d’en Coca“, das Köhler Fest.

So wurde früher auf Ibiza und Formentera das Brot gebacken. Bei der Fiesta in Santa Agnès können Sie es sehen. Foto: Rüdiger Eichhorn

Da zeigen die Ibizenkos, wie man früher Kohle gebrannt hat, Steinmauern verlegt, Brot im runden Steinofen backt, die traditionellen Schuhe aus Schilf flechtet und per Pferd ein Feld pflügt. Es lohnt sich, das zu erleben. Die Termine finden Sie natürlich hier bei IbizaHEUTE-Online. Übrigens, wenn Sie etwas suchen, gehen Sie auf der Eingangsseite rechts einfach auf die Lupe und geben Sie ein, was Sie suchen. Zum Beispiel Fiesta Santa Agnès. Dann öffnet sich das Fenster mit unserem Bericht. Gilt auch für alle anderen Themen, über die wir hier auf IbizaHEUTE-Online geschrieben haben.

Erleben Sie Ibiza und auch Formentera mit all ihrer Vielfalt, ihrer Tradition, ihrer Geschichte und ihrer Einmaligkeit. Dafür sind wir mit IbizaHEUTE online und als Magazin gern für Sie da.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Sonntag, eine gute Woche und bleiben Sie gesund.

Herzlichst, Ihr Dieter Abholte



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