Die EU will das Fischen mit Schleppnetzen im Meer drastisch einschränken. Die Fischer auf den Balearen sehen dadurch ihre Existenz bedroht. Sie wollen am 9. und 10. Dezember streiken, und vielleicht fehlen an Weihnachten sogar die Meeresfrüchte auf der Speisekarte. Clementine Kügler berichtet.
Nur noch 27 Tage im Jahr
Die Kommission plant eine Reduzierung auf 27 Tage, an denen Schleppnetzkutter arbeiten dürfen. Seit einem Jahr fahren die Spanier nur noch an 130 Tagen aufs Meer. Und schon das war schwierig. Sollte die angestrebte Reduzierung um 80 Prozent durchkommen, bedeute das das Aus für die Fischer, sagen diese. „Eine solche Maßnahme bringt uns um“, erklärt Toni Tur „Blai“, Präsident der Fischerinnung Eivissa.

Die Regelung sei für sie großen Flotten in der Ost- und Nordsee sinnvoll, berücksichtige aber die Insel-Verhältnisse im Mittelmeer nicht, erklärt der Präsident der balearischen Berufsfischer Domingo Bonnín der „Mallorca Zeitung“.
Brief nach Brüssel
Gleich am Mittwoch hat der balearische Minister für Landwirtschaft, Fischerei und Umwelt, Joan Simonet, einen Brief an den EU-Minister für Fischerei und Ozeane, Costa Kadis, geschickt. Die erneute Reduzierung für die Flotten im westlichen Mittelmeer würde für die Berufsfischer das Aus bedeuten.
„Wir werden keinen frischen Fisch von unseren Küsten mehr essen können“, so Simonet. Wenn jeder Kutter 2025 nur noch 27 Tage rausfahren kann, wäre das „der Ruin für alle sozialen und wirtschaftlichen Strukturen der Branche.“ Der Minister erinnert daran, dass Maßnahmen die biologische, soziale und wirtschaftliche Nachhaltigkeit berücksichtigen müssen. Die EU-Pläne berücksichtigen die Balearen überhaupt nicht.
Mediterrane Kost in Gefahr
Der frische Fisch aus dem Mittelmeer ist auf den Balearen nicht nur ein wirtschaftlicher Faktor, sondern die Gastronomie hat eine lange Tradition und gehört zum Kulturgut. Die Mediterrane Kost, die als so gesund gilt, nennt Simonet nicht, aber Fisch gehört dazu. Und die vielen Feste auf den Inseln, wo es um den Fisch und andere Meerestiere geht, zeigt, welche große Rolle diese Delikatessen spielen.

Während die Fischer der Balearen eine Erholung der Bestände im Mittelmeer beobachten, würde die EU extremen wissenschaftlichen Berichten folgen, so der Minister Simonet. Das Verbot der Schleppnetze sei eine alte Forderung der Umweltschützer. Aber die, die ein Interesse an nachhaltigen Beständen haben, seien doch die Fischer selbst. Ohne Fische und ein gesundes Meer könnten sie nicht arbeiten.
Verheerende Berichte
Die Berichte über die Schäden durch Grundschleppnetze sind tatsächlich verheerend. Von ungewollten Beifang-Raten von bis zu 90 Prozent ist die Rede. Meeresböden und Seegraswiesen würden zerstört. Viele Menschen haben sowieso schon gedacht, dass diese aggressive Methode längst verboten sei.
Ibiza hat zwei Schleppnetzboote
Auf Ibiza gibt es nur noch zwei Kutter mit Schleppnetzen, „Musson“ und „Cap Vermell“, so Toni Tur. Aber sie sorgen für die Arbeit der Innung, denn die Llaüts sind klein. „Wieso können Länder, die gar kein Meer haben, so über uns entscheiden?“, fragt er erbost.
Streik Montag und Dienstag
Der EU-Ministerrat berät am Montag und Dienstag in Brüssel. Eben dann werden die Schleppnetz-Fischer am spanischen MIttelmeer streiken. Sie fordern, dass 2025 analysiert wird, wie es wirklich um das westliche Mittelmeer steht. Immerhin war von 2020 bis 2024 ein Plan in Kraft, der die Fangtage schon beschnitten hat.

Formentera geht nach Brüssel
Auch Formentera unterhält noch zwei Boote mit Schleppnetzen. Die schließen sich dem Streik kommende Woche an. Spanische Mittelmeer-Fischer werden in Madrid vor dem Büro der EU-Kommission protestieren. Der Präsident der Fischerinnung Formenteras, Iván Pérez Marí, wird sogar in Brüssel vorstellig werden.
Sollte sich der Streik ausweiten, könnte es an Weihnachten an frischem Fisch und roten Garnelen fehlen, drohen die Fischer. Ihnen geht es nicht ums Essen, sondern um die Existenz.



