Der Schutz des Meeres und seiner Bewohner ist angesichts des Klimawandels wichtiger denn je. Durch die Erwärmung und Verschmutzung reduziert sich die Artenvielfalt, invasive Arten verdrängen einheimische, und die Yachten und Boote an den Küsten Ibizas und Formenteras dicht an dicht haben Folgen. Verschiedene Projekte bemühen sich, zu retten, was zu retten ist. Clementine Kügler berichtet.
UN-Hochsee-Abkommen
Spanien ist eines der acht Länder, die zumindest begonnen haben, das UN-Hochsee-Abkommen zur Schaffung von Meeresschutzgebieten in internationalen Gewässern zu ratifizieren. Wenn 60 Staaten zustimmten, käme der Schutz 120 Tage später voran. Allerdings hat schon die Ausarbeitung 15 Jahre gedauert. Schnell geht hier nichts. Zuerst müssen die spanischen Abgeordneten im Parlament abstimmen.
Das Hochseeabkommen wäre ein Schritt, um 30 Prozent der Ozeane bis 2030 zu schützen (Abkommen 30×30, Montreal, 2022). Derzeit steht ein Prozent des Meeres unter Schutz, schreibt die Zeitung „El País“.

„Wir machen die Natur kaputt“
Ein aktiver Verfechter von Schutzzonen ist der Meeresbiologe Manu San Félix, der mit vielen internationalen Organisationen zusammenarbeitet und auf Formentera lebt. „Die Pityusen sind ein von der Natur gesegneter Ort, aber wir machen sie kaputt“. San Félix bezieht sich unter anderem auf die Talamanca-Bucht.
Er setzt sich dafür ein, dass 30 Prozent der Gewässer Schutzzonen werden und in diesem Reservaten nicht gefischt werden darf. Heute gibt es mehrere Meeresreservate um Ibiza und in Es Freus. Aber nur ein winziger Teil ist für die Angler und Fischer wirklich tabu. So erholen sich die Bestände nicht, auch wenn die Politiker die Reservate loben und meinen, die Artenvielfalt habe schon wieder zugenommen.

San Félix taucht jeden Tag, seit 30 Jahren, und versichert, dass das, was er an Fischen und Krustentieren heute sieht, im Gegensatz zu früher traurig ist. Nur ein absolutes Fangverbot über ein oder zwei Jahre könnte diese Entwicklung aufhalten. Dann sieht man weiter. In anderen Teilen der Welt hat man sehr gute Erfahrungen mit diesen absoluten Schonfristen gemacht. Auf Ibiza und Formentera beutet man hingegen aus, was zu holen ist.
Für falsch hält er auch die Kampagne, die kleinen Fische nicht zu fangen. Schützen muss man nicht die kleinen Fische, „sondern die produktiven Mütter und Väter, ohne die es keine kleinen Fische gibt“, erklärt er.
Sorge um Stabmuscheln und Schnecken
Über die Bemühungen um die Posidonia-Seegraswiesen, um die Meeresschildkröten, die Quallen vertilgen, und die Schonzeit für Tintenfisch haben wir auf IbizaHEUTE mehrfach berichtet.
Um Mithilfe bittet das balerarische Ministerium für Umwelt im Projekt Ares II. Es geht um drei auf den Balearen gefährdete Arten: um Stabmuscheln (Pinna nobilis) oder Nacra im Spanischen. Um die Knotentragende Tritonschnecke (Charonia lampas), einer der größten Schnecken. Nach der Berner Konvention sind sie im Mittelmeer geschützt, gehören weltweit aber nicht zur Roten Liste. Und um die Schnecke Dendropoma lebeche.

Die Stabmuscheln sind vom Aussterben bedroht und zwar massiv. Es sind Bakterien, die ihnen seit 2016 den Garaus machen. Die seltenen Muscheln stecken im Meeresgrund, werden einen Meter lang und können 20 oder sogar 50 Jahre alt werden.
Auf den Balearen sind fünf bekannt, drei davon bei den Pityusen. Zwei weitere bei Cabrera sind inzwischen gestorben, schreibt die Zeitung „Diario de Ibiza“. Die Kampagne des balearischen Ministeriums für Landwirtschaft, Fischerei und Umwelt sammelt Informationen zur Stabmuschel und zu den Schnecken. Unterstützt von SEO/BirdLife, Soldecocos und GEN-GOB orten Fischer und Taucher Exemplare.

Die Muscheln und Schnecken leben in 2 bis 40 Metern Tiefe. Es besteht also Hoffnung, noch welche zu entdecken, sagt die Wissenschaftlerin Maite Vázquez vom Spanischen Ozeanografischen Institut (IOE) der Balearen. Muscheln, die jetzt gesund sind, haben die Bakterien überlebt, sie sind offensichtlich resistent. Manche sind keine pure Pinna, sondern Mischungen. Vor den Bakterien waren es die Anker, die die Muscheln dezimierten. In manchen Fällen werden Exemplare aus Gefahrenzonen umgesetzt.
Die Forscher arbeiten in verschiedenen Arbeitsgruppen. Eine beschäftigt sich mit der Aufzucht unter geschützten Bedingungen, ein sehr schwieriges Unterfangen.
Wer Stabmuschel, Tritonschnecke oder Dendropoma lebeche entdeckt, soll den Artenschutz verständigen. Per Email: especies@dgmedinatural.caib.es, Telefon: 971 176 586 oder WhatsApp: 606 875 244.
Thunfische bei Tagomago
Auch die Insel Tagomago ist übrigens ein Schutzgebiet. Dort ziehen sogar Thunfische entlang. Aber, wie San Félix erklärt, ist die Reserve sehr eng gefasst. Und Fische bewegen sich nun einmal.
Der schwedische Fischer Jaume Coll Winquist, „verheiratet in Sant Joan“, hat Anfang Juli Schlagzeilen gemacht, weil er einen fast 300 Kilo schweren Thunfisch in der Nähe von Tagomago geangelt hat. Mit Angel, Angelhaken und Köder, wie in alten Zeiten, kämpfte er drei Stunden lang, um den roten Thun an Bord seiner Llaüt zu ziehen. Fischer Winquist hat schon öfter solche Kaliber geangelt.

So leid es einem um ein solches Prachtexemplar tun kann, war er der Star auf dem Mercat Nou in Eivissa, wo es fachmännisch zerlegt an Restaurants und Stammkunden verkauft wurde.
Verschwendung und Fangquoten
Fast zeitgleich hat ein Kutter vor Ibiza in seinem Schleppnetz fünf Thunfische gehabt, die alle verwest waren. Offensichtlich waren sie von Schiffen, die Exemplare für die Fischfabriken in Murcia und Tarragona fischen, ins Meer geworfen worden, weil sie verletzt waren oder starben, als sie in Käfige verfrachtet werden sollten. So zählen sie im Fall einer Kontrolle nicht für die Fangquote.
Solche Praktiken werden immer wieder angezeigt. Die Stiftung Marilles kritisiert, dass ein ökologisch und kommerziell so hochwertiger Fisch einfach weggeworfen wurde. Das schadet der Flotte der Balearen, die Fangquoten sind dadurch ungenau. Die Balearen-Flotte darf 2024 ohnehin nur 0,74 Prozent des gesamten Vorkommens fischen.
Das Meer der Balearen weist besonders viele Eier und Larven des roten Thuns auf, ist also ideal zum Erhalt der Bestände. Manu San Félix arbeitet derzeit an seinem Projekt „Reserva 30 Mediterráneo“ (www.reserva30.org). An Argumenten fehlt es ihm nicht.



