Rücksichtsloses Verhalten und das Hinwegsetzen über Verkehrs- und Geschäftsregeln erleben wir jeden Sommer auf Ibiza. Chefredakteur Dieter Abholte hat es im Editorial benannt: In wenigen Monaten müssen die Leute auf Ibiza genug erwirtschaften, um übers Jahr zu kommen, und genug Spaß haben. Es soll sich lohnen, und das treibt seltene Blüten. Clementine Kügler stellt ein paar Fälle vor.
Charterboote und E-Roller
Wir hatten über die Gruppe von Charterbooten berichtet, die in der Cala Xarraca ankerten und nächtliche Partys feierten. Die Firma aus Mallorca hat, als sich Polizei ankündigte, die Anker gelichtet. Das heißt nicht, dass sie nicht zurückkehrt mit ihrem Ausflugsangebot.
Am Donnerstag, 1. August, hat das Rathaus Sant Antoni 14 E-Roller eingesammelt, die eine Firma namens Superpedestrian über eine App auf der Straße vermietete – ganz ohne Lizenz.
Vip-Zelt als Top-Idee
In Ses Variedades in Sant Antoni hat eine Person ein Festzelt aufgebaut, um VIP-Picknicks zum Sonnenuntergang zu organisieren. Wie die Ortspolizei erklärt, hat die Person zugegeben, dass sie keine Genehmigung hat für die Aktivität und für die Nutzung des öffentlichen Küstenstreifens. Sie wolle ein Geschäft eröffnen, lautet die Entschuldigung, die nicht naiv, sondern dreist war. Denn 349 Euro (für 4 Stunden Gourmet-Catering, Privat-Kellner, Taxi und Photoshoot) sind kein Pappenstiel.

Nahe der Benirràs ist es kein VIP-Zelt, sondern eine Yurta und sechs Holzhäuser, die für Ärger sorgen. Die Zeitung „Diario de Ibiza“ berichtet über dieses „Landhotel“, das zwei Niederländer führen. Das Grundstück im Wald hat weder Genehmigungen für die Bauten noch für Aktivitäten. Trotzdem vermieten sie Zimmer und Yurta und machen ein gutes Geschäft mit ihren nachhaltigen Hütten.
2021 ist eine abgebrannt, genau darin liegt, laut Zeitung, die Gefahr einer solchen Aktivität im Wald. Kurze Zeit nach dem Bericht haben Beamte des Consell, der für Umwelt zuständigen Guardia Civil-Einheit Seprona und des Rathauses Sant Joan den Komplex besucht und die Schließung angordnet.
Falschparker mit bunten Schlitten
In der Benirràs fiel ein Ferrari unangenehm auf, der parkte, wo er nicht parken durfte: im Sand. Die Ortspolizei kommentierte auf Instagram: „Dass du dir ein Auto leisten kannst, das für andere jenseits ihrer Möglichkeiten steht, heißt nicht, dass du parken kannst, wo du willst“. Die Absperrung zu ignorieren und das rote Schmuckstück im Sand der geschützten Küste abzustellen, kostet den Fahrer 600 Euro.

Ähnlich rücksichtslos parkte der Fahrer eines gelben BMW in Sant Josep. Er stand einfach auf dem Bürgersteig. 200 Euro wurden in diesem Fall fällig. Allerdings ist er nicht der einzige. Die Ortspolizei hat 2023 sage und schreibe 1623 Geldbußen wegen Parkens auf Gehwegen verhängt. Sie erinnert: Fußgänger sind die schwächsten Verkehrsteilnehmer. Sie müssen respektiert werden.
DJ ohne Reue
Das Verkehrschaos zum Sonnenuntergang an der Straße zur Cala D’Hort ist ein sommerlicher Dauerbrenner. Offensichtlich kann man die Straße nicht sperren, so wie es in anderen Fällen geschieht. Der US-amerikanische DJ Diplo, der am 25. Juni Hunderte von Fans im Naturpark versammelte, brüstet sich auf Instagram weiterhin mit seinem illegalen Konzert. Tatsächlich ermitteln Sant Joseps Ortspolizisten und die Guardia Civil noch. Ihm drohen mindestens 300.000 Euro Geldbuße. Sollten die Fotos auf Instagram mit einer Drohne im Gebiet mit Flugverbot aufgenommen worden sein, könnte es noch teurer werden.

Fiesta in Sant Josep richtig teuer
Die Ortspolizei Sant Josep hat eine organisierte Fiesta gesprengt und Besucher und Veranstalter mit einer Geldstrafe von 365.000 Euro belegt. Die Feier sollte zwei oder drei Tage lang gehen und annoncierte sich, Drogen inklusive, in Sozialen Netzwerken.

Die Villa La Jacaranda in Es Pujols ist berüchtigt für laute Mega-Partys. Die Anwohner rufen immer wieder die Polizei, aber am Sonntag hatte diese Erfolg und konnte genug Beweise sammeln. Sechs Mexikaner hatten 2000 Euro gezahlt, um teilnehmen zu dürfen. Der Eintritt betrug eigentlich 100 Euro pro Person und 50 Euro für Residente. Es handelte sich also nicht um ein privates Fest, sondern eindeutig um eine organisierte illegale Party. Eine Person wurde wegen Drogenhandels festgenommen, eine weitere Strafe droht, weil eine Drohne im geschützten Flugraum unterwegs war.



