Die Rettungsschwimmer auf Ibiza haben am Sonntag ihre Drohung wahr gemacht und ihre Arbeit bis auf Weiteres niedergelegt. Mit dem Streik möchten sie auf „prekäre Arbeitsbedingungen, niedrige Löhne und mangelnde Investitionen in Rettungsinfrastruktur“ aufmerksam machen. An der unbefristeten Aktion nehmen die Rettungsschwimmer aller fünf Gemeinden auf Ibiza teil.
Um Badegäste über ihren Protest zu informieren, platzierten die Streikenden Plakate und Transparente an verschiedenen Rettungstürmen der Insel. Darauf bezeichnen sie sich als „Erste, die in Notfällen gerufen werden“ und als „Letzte, die bei der Politik Priorität genießen“.
Behörden schoben totalem Streik einen Riegel vor
Im Vorfeld hatten die zuständigen Behörden den Streikwilligen allerdings einen Strich durch die Rechnung gemacht und Mindestdienste von 100 Prozent angeordnet. Die Gewerkschaften bewerteten diesen Schritt als „Verletzung des Streikrechts“, kündigten gleichzeitig aber an, diese Auflage am ersten Streiktag zu erfüllen. Unterm Strich blieb die große Arbeitsniederlegung damit aus.
Die Berufsgruppe beklagt, dass Inflation und befristete Arbeitsverträge sie „zu immer niedrigeren Reallöhnen“ zwingen würden. Monatliche Arbeitszeiten von über 200 Stunden und Wohnverhältnisse, bei denen sich mehrere Arbeiter ein Zimmer teilen müssen, seien mit einem „würdevollen Beschäftigtenverhältnis“ unvereinbar.
400 Badetote pro Jahr in ganz Spanien
„Die Sicherheit der Strandgäste darf nicht bloß auf der Ausgabenseite verbucht werden, sondern ist eine Notwendigkeit“, heißt es in ihrer Streikankündigung. Einsparungen bei der Strandüberwachung seien vergleichbar „mit der Schließung eines Krankenhauses“ – zumal in Spanien im vergangenen Jahr 400 Menschen ertrunken seien.
Besonders scharf kritisieren die Rettungsschwimmer die balearische Regionalregierung unter Präsidentin Marga Prohens (Volkspartei PP). Diese habe weder die Wohnungskrise zu lösen vermocht noch die Einnahmen aus dem Tourismus angemessen verteilt. Auch die Generaldirektion für Notfälle bekommt von den Rettungsschwimmern ihr Fett ab. Sie sehe bewusst darüber hinweg, wenn Kommunen und Rettungsunternehmen gesetzlich Auflagen nicht erfüllten. An manchen Strände fehle es selbst in der Hochsaison gänzlich an Rettungsschwimmern, an anderen würden unqualifiziertes Personal eingestellt werden.



