Wenn die spanischen Behörden Zweifel am angegebenen Alter von Bootsflüchtlingen aus Nordafrika haben, müssen Gerichtsmediziner ran. Und bei denen sehen die meisten mutmaßlich minderjährigen Migranten sprichwörtlich alt aus.
Die Gerichtsmediziner auf Ibiza haben Forderungen aus der Lokalpolitik nach einer Beschleunigung von Altersprüfungen bei unbegleiteten minderjährigen Migranten scharf zurückgewiesen. Man erbringe „den besten Service in ganz Spanien“, sagte der stellvertretende Leiter des Instituts für Rechtsmedizin (IML), Juan Ramón Sancho. Die Gutachten würden in der Regel innerhalb von „weniger als 24 Stunden“ erstellt, eine Warteliste gebe es nicht.
Ungerechtfertigte Kritik
Auslöser der Debatte war ein Treffen des Präsidenten des Inselrats von Formentera, Óscar Portas, mit einer Vertreterin der spanischen Zentralregierung. Portas hatte dabei angeregt, die Verfahren zur Altersbestimmung zu beschleunigen. Als Begründung führte er an, dass die gemeinsame Unterbringung von Minderjährigen und Erwachsenen in Aufnahmeeinrichtungen zu „Konflikten und Spannungen“ führe. Schnellere und möglichst präzise Erstbewertungen seien notwendig, um Probleme frühzeitig zu vermeiden.
Sancho widersprach dieser Darstellung und bescheinigte dem Inselratspräsidenten „Unkenntnis“ der tatsächlichen Abläufe. „Mein Team ist besonders verärgert“, sagte er. Die Arbeit seiner Mitarbeiter sei effizient und erfolge unter begrenzten Ressourcen. Die öffentliche Kritik empfinde man daher als „erniedrigend“.
Im Zweifel jünger
Nach Angaben des Instituts basieren die Altersfeststellungen auf medizinischen Untersuchungen wie Röntgenaufnahmen der Hand und der Zähne sowie einer körperlichen Begutachtung. Das Ergebnis sei keine exakte Altersangabe, sondern eine Spanne, wobei „stets der niedrigste Wert als maßgeblich gilt“, so Sancho. Nur etwa jeder fünfte Untersuchte wurde dabei bislang als minderjährig eingestuft. In anderen Worten: vier von fünf Migranten gaben gegenüber den spanischen Behörden ein falsches Alter an.
Hintergrund der Debatte ist ein wachsender Migrationsdruck auf die Balearen und Inselräte, die mit der Unterbringung minderjähriger und unbegleiteter Migranten überfordert sind. Auf Formentera werden derzeit mehr als 140 unbegleitete Minderjährige betreut, die Zahl der Ankünfte ist zuletzt gestiegen.



