„Es ist zum Verzweifeln“, sagt eine Landwirtin. Ibizas Temperaturen sind in diesem Winter fast zwei Grad höher als üblich, die Formenteras 1,5 Grad. Es ist ungewöhnlich warm und es hat kaum geregnet. Was Urlauber aus Nordeuropa erfreuen mag, ist für die hiesige Landwirtschaft ein riesiges Problem: Dürre droht auf den Inseln. Clementine Kügler berichtet.
Warmer Winter und kaum Regen
Mit 20 Grad tagsüber im Dezember und Januar erleben Ibiza und Formentera einen außergewöhnlich warmen Winter. Schmetterlinge und Bienen sind unterwegs, fast als wäre es Frühling. Die Straßencafés sind voll, die Heizung bleibt aus und manch einer schwimmt eine Runde im Meer.
Das ist die positive Seite eines warmen Winters. Doch selbst nachdem es nun etwas geregnet hat, ist eine große Sorge überall auf dem Land zu spüren: die extreme Trockenheit. Die Grundwasserreserven lagen im Dezember auf den Balearen bei 53 Prozent ihrer Kapazitäten. Die Bedarfseinheit (UD) auf Ibiza ist seit Monaten auf der Vorwarnstufe Gelb. Die Formenteras war bis November noch grün, was für normal steht. Im Dezember hieß es mit Stufe Orange: Dürre-Alarm. Die nächste Stufe wäre rot, was Notstand bedeutet.

Auf beiden Inseln hat es seit Monaten kaum geregnet. Auf der kleinen Pityuse fielen im Dezember zwei Liter, normal sind 38 Liter pro Quadratmeter. Der Regen am vergangenen Freitag nässte den Boden, aber füllt keine Grundwasserreserven auf. Mit neun Litern in Sant Carles war es viel zu wenig, erklärt die Gemüsehändlerin María Catalina an ihrem Marktstand, die Kundinnen pflichten ihr betrübt bei.
Auf Ibiza wenig Getreide
Kaum Regen – kein Körnchen Weizen. So einfach lässt sich das auf den Punkt bringen. Schon 2023 war ein schlechtes Jahr, in dem nur ein Drittel der üblichen Getreidemenge eingefahren wurde. Grundsätzlich wenig Regen, aber zu viel Niederschlag im Mai, was zu Pilzbefall führte, und dann noch die gefräßigen Ringeltauben – das alles dezimierte die Ernte.

Ende 2023 oder Anfang 2024 haben viele Bauern gar nicht erst ausgesät. Maribel Juan ist Präsidentin der Vereinigung ökologischer Landwirte der Pityusen. Sie hat darauf verzichtet, den ibizenkischen Weichweizen (Xeixa) zu säen und viele andere ebenfalls. Das heißt, es wird auf Ibiza weniger ökologisches Getreide geben.
Schlimm ist es für die Nutztiere
Schlimm ist die Trockenheit für die Nutztiere. Sie finden kein Futter. Fina Prats von der Finca Ses Cabretes hat 150 Ziegen und stellt Käse her. Normalerweise geben die 6,5 Hektar Land 50 große Ballen Stroh her, 2023 kamen gerade einmal sechs zusammen. „Es ist zum Verzweifeln“, sagt sie in der Zeitung „Diario de Ibiza“.
Neben den 150 Ziegen hat sie 50 Legehennen – die Tiere müssen gefüttert werden. Womit? „Die Hilfen für die Landwirte sind auf den Feldern vertrocknet.“ Die Bauern müssen auf dem Festland Tierfutter kaufen. Da helfen auch die Johannisbrotfrüchte nicht, die in diesem Jahr wenig Geld brachten und zum Teil zugefüttert werden. Die Tiere brauchen Getreide.

Der letzte starke Regen war im August, klagt auch Pep Colomar, Präsident der Genossenschaft Santa Eulària. Seitdem nichts, kaum 12 Liter pro Quadratmeter. Und dazu der starke Wind, der alles austrocknet. Er hat dennoch im November gesät. Eigentlich müssten die Pflanzen 20 Zentimeter hoch stehen, aber sie ragen kaum ein oder zwei Zentimeterchen aus dem Boden. „Was nicht tot ist, wächst wenig“, fasst er die traurige Lage zusammen. Es sprießt nicht einmal Unkraut.
Bauern, die für ihre Tiere Grünfutter ziehen wollen, verzweifeln. Dabei geben Ibizas Felder sonst mit einer Mischung aus Saatwicken und Hafer das ideale Futter für die 3500 Nutztiere her, die heute noch registriert sind. Auch Luzerne und Stroh dient ihnen zur Nahrung, wenn sie beispielsweise in den Sommermonaten nichts zum Grasen finden.
Futterpflanzen und Getreide werden importiert
„Für die Tiere brauchen wir jetzt die Reserven auf, die eigentlich für den Sommer gedacht sind. Aber dann ist Schluss. Von der Levante oder dem Süden Spaniens bekommen wir nichts, den Bauern dort geht es wie uns. Also müssen wir auf dem nördlichen Festland einkaufen, das macht den Transport noch teurer.“ In Katalonien dürfen grünes Heu und gelbes Stroh nicht mehr in die Biomasseanlagen, sondern bleiben für das Vieh reserviert.

Die Genossenschaften auf Ibiza kaufen Getreide und Viehfutter in Frankreich und sogar in Brasilien. Das kommt per Schiff. Die Importe erhöhen die Kosten natürlich. Aber sie sind eine Lösung.
„Die Bauern wissen nicht mehr, wie sie ihr Vieh durchbringen sollen“, titelt die „Mallorca Zeitung“. Staubtrockene Böden lohnen das Aussäen von Futterpflanzen und Getreide nicht. Die Bauern fordern finanzielle und wirtschaftliche Hilfen von der Balearen-Regierung, und sie machen sich Gedanken über die Zukunft. Mehr regnen wird es angesichts des beschleunigten Klimawandels wohl nicht. Die Biologen experimentieren mit Getreidesorten, die noch genügsamer und widerstandsfähiger sind.
Fast sechs Millionen Euro bewilligt
Das Landwirtschaftsministerium der Balearen hat am Montag, 22. Januar, 5,65 Millionen Euro freigegeben, um zu helfen. Das Geld soll die hohen Preise für importiertes Tierfutter abfedern. Saatgut für Getreide, Futterpflanzen und Hülsendrüchte wird subventioniert. Und die Forschung erhält Zuschüsse, um Pflanzen zu züchten, die sich dem Klimawandel langfristig besser anpassen.
Formentera verteilt Tierfutter
Auf Formentera verteilt die Insel-Regierung seit Montag Tierfutter. Landwirte erhalten in der Genossenschaft bis zum 29. Februar pro Zuchttier, ob Schaf oder Ziege, zwei Säcke Futter. Die Tiere müssen im Zensus 2023 eingetragen sein. Mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein wird es nicht sein.
Die Väter und Großväter der Jungbauern sind sich einig: Dieses Jahr wird furchtbar. Dass gar nicht erst gesät wird, das ist noch nie passiert.
