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Ibiza-Stadt

Report zum knappen Wohnungsmarkt auf Ibiza

Wie alle Jahre drehen sich die Nachrichten in den Tageszeitungen, viele Radiosendungen und die Gespräche auf dem Markt wieder um die Wohnungsnot auf Ibiza und Formentera. Lehrer, die in Autos schlafen, Polizisten, die sich nicht nach Ibiza versetzen lassen, Wartezeiten bei Führerscheinen, Fahrzeugpapieren und TÜV, weil Inspektoren fehlen, Hoteliers und Gastwirte, die ihren Service gefährdet sehen, weil professionelle Arbeitskräfte ausbleiben und die Knappheit bei medizinischem Personal.

Clementine Kügler berichtet über die Situation bei den Vorbereitungen zur Saison, die dank Ostern bereits in wenigen Tagen Feriengäste auf die Inseln lockt.

Unternehmen mieten für Angestellte

Nicht alles ist mit Geld zu regeln. Auch wenn schwer zu deckender Personalbedarf etwa im Gesundheitswesen nun endlich mit appetitlichen Boni versehen wird und den Inseln wenigstens mehr Ärzte beschert. Es ist schon erstaunlich, dass sich die Probleme Jahr für Jahr wiederholen und Lösungen ewig brauchen. Der Verband der kleinen und mittleren Unternehmen (Pimeef) legt Zahlen für 2023 vor. Da haben 35 Prozent der Firmen ihrem Personal eine Unterkunft gemietet oder überlassen. 27 Prozent würden gerne mehr Leute einstellen, finden aber keine, wenn sie keinen Wohnraum liefern.

Hotels beherbergen ihr Personal

Die Hotelketten stellen ihren Angestellten von Jahr zu Jahr mehr Wohnraum zur Verfügung. Sie versuchen, Wohnungen anzumieten, wenn das nicht reicht, sind Hotelzimmer eine Lösung. Mittleren Führungsposten zahlen sie Miet-Zuschüsse. Die Kette Vibra Hotels hat schon im vergangenen Jahr ein ganzes Hotel und insgesamt 500 Zimmer für ihre Angestellten reserviert und tut das auch 2024. Andere Firmen mieten ebenfalls ganze Gebäude, um nicht wie 2022 und 2023 ohne Arbeitskräfte dazustehen. Firmen gelten als zuverlässiger, weshalb Vermieter gerne mit ihnen arbeiten.

Lehrerinnen fliegen täglich ein

Statt mit dem Auto oder Bus nach Feierabend nach Hause zu fahren, fliegen sie. Das erzählen zwei Lehrerinnen aus Mallorca, die nach Ibiza versetzt wurden im Rundfunksender IB3. Die eine suchte für sich und ihr Baby eine keine Wohnung auf Ibiza, aber unter 1500 Euro Monatsmiete war nichts zu machen. Jetzt arbeitet sie Montag bis Mittwoch und fliegt täglich hin und her.

Elektrizitätswerk und Entsalzungsanlage auf Ibiza
Eivissas Mieten schießen in die Höhe. Foto: MBA

Ibiza ist überteuert

Ibizas Markt ist völlig überteuert. Für 70 Quadratmeter große Wohnungen, die laut Referenzwert der Balearen-Regierung zwischen 520 und 720 Euro Miete kosten sollen, werden in Eivissa 2500 Euro verlangt. Angebote ab 1500 Euro für ein Zimmer oder 650 Euro pro Person in einem Zweibett-Zimmer zitiert die Tageszeitung „Periodico de Ibiza y Formentera“ als Beispiele. In anderen Fällen soll der Mieter sechs Monate im Voraus zahlen, was nicht legal ist. Zu den Bedingungen gehört häufig, dass die Mieter keinen Besuch empfangen dürfen und außer Haus arbeiten müssen, der Arbeitsvertrag muss vorgelegt werden.

Illegale Ferienplätze verknappen Wohnraum

Was den Wohnraum zusätzlich verknappt, seien die auf 100.000 geschätzten Plätze in illegalen Ferienvermietungen. Das sagt Alejandro Sancho, Präsident der privaten Organisation Fomento de Turismo. Die Ferienvermietungen sorgen für knappen Wohnraum, für Steuerhinterziehungen und für zu viel Tourismus im Hochsommer auf den Inseln. Statt Wohnungen zu angemessenen Preisen das ganze Jahr über anzubieten, werden die Sommermonate zu exorbitanten Tagespreisen gehandelt. Dahinter stehen findige Ibizenkos, Spanier und Ausländer, aber auch große Fonds, die Wohnungen zu Spekulationszwecken aufkaufen.

Solidarische Angebote für Can Misses

Dass nicht alle auf den Inseln nur auf Geschäfte aus sind, zeigt das Beispiel der Wohnungsvermittlung des öffentlichen Krankenhauses auf Ibiza. Can Misses will mit dieser Initiative Ärzten helfen, die vom Festland oder aus dem Ausland kommen. Und viele Privatpersonen haben ihnen ihre Häuser oder Ferienwohnungen zu normalen Preisen angeboten. Andere wohnen im ehemaligen Krankenhaus, das zu einem Heim ausgebaut wurde.

Gemeinden machen nicht immer mit

Santa Eulària will keine Erdgeschoss-Ladengeschäfte in Wohnraum umwandeln, Sant Antoni erlaubt das schon seit Jahren. Die Nutzung als Wohnraum gehört zu den Maßnahmen, um der „emergencia habitacional“ zu begegnen. Selbst wenn die Regionalregierung Anreize für den sozialen Wohnungsbau schafft, nützt das nichts, wenn die Gemeinden nicht mitziehen und keinen Baugrund zur Verfügung stellen. Auch die langen Wartezeiten für die Baugenehmigungen sind hinderlich.

Ibiza braucht mehr Wohnungen, wie hier in Santa Eulària. Das haben alle Regierungen lange vernachlässigt. Foto: Rüdiger Eichhorn

Statt Luxusapartments müssen Sozialwohnungen her

Wie oft haben wir schon über die 532 Sozialwohnungen geschrieben, die in Eivissas Stadtviertel Ca n’Escandell gebaut werden sollen. Am 8. März hat die Balearen-Regierung grünes Licht gegeben, die Urbanisierung der 15 Hektar kann ausgeschrieben werden. Am 19. März hat auch die spanische Regierung zugestimmt. Die Gebäude werden von einem großen Park umgeben. Zunächst müssen nun die Infrastrukturen geschaffen werden wie Strom, Wasser, Kanalisation und Telekommunikation, dann folgt der Park und schließlich der Bau der Wohnblöcke. Das müsste alles schneller gehen.

Projekte dauern lange

„Construir para alquilar“ heißt ein Programm der Balearen-Regierung. Private Firmen erhalten öffentlichen Baugrund und sollen mietpreisgebundene Sozialwohnungen schaffen. Maximal 75 Jahre lang können sie an den Wohnungen verdienen, danach gehen sie an die Gemeinde. Die Mieten dürften zwischen 800 und 900 Euro im Monat betragen. Auch dieses Projekt soll zu dem neuen Gesetz gehören und neuen öffentlichen Wohnraum schaffen. Das regionale Institut IBAVI baut 60 Sozialwohnungen in Isidor Macabich. Im Februar hieß es, die Wohnungen würden in zwei Jahren bezugsfertig sein.

So soll das Gebäude mit 60 Sozialwohnungen in Eivissa aussehen. Illustration: GOIB

Luxusprojekt geht schnell

Schnell ging es für den medialen türkischen Chef Salt Bae. Er besitzt Restaurants in der Türkei, Großbritannien, Griechenland, USA, Dubai, Abu Dhabi und Catar und bebaut derzeit ein Schmuckstück auf Ibiza. Auf dem Gelände neben dem Gran Hotel Ibiza mit Blick auf Hafen und Eivissa entstehen 51 Luxuswohnungen, vier Restaurants und eine Tiefgarage für 80 Wagen. Im Sommer 2025 sollen die Arbeiten abgeschlossen sein, 100 Millionen Euro und viele Arbeitsplätze bringt das Projekt.

Großbaustelle in feinster Lage. Foto: MBA

Der Kommentar im „Periódico de Ibiza y Formentera“ ist deutlich: Ein Treffen mit dem damaligen sozialistischen Bürgermeister Rafa Ruiz und die Dienste zweier für Express-Baugenehmigungen bekannter Anwälte habe wohl die schnelle Baugenehmigung befördert. Währenddessen warteten 700 Einwohner der Pityusen vergeblich auf die ihnen von der sozialistischen Regierung versprochenen Miethilfen. Die hat für 2021 bis 2023 die Nachfolgeregierung von Marga Prohens zahlen müssen.

Zur Erinnerung: Die sozialistische Regierung hatte den Versuch unternommen, den Immobilienkauf für Nicht-Residenten einzuschränken oder zu verbieten. Sie wollte so den Ausverkauf der Insel an einfliegende Millionäre verhindern. Sie hat auch den sozialen Wohnungsbau gefördert, aber eben viel zu wenig und viel zu viel Energie auf die Verteufelung der ausländischen Villenbesitzer verwendet.

Experte: „Es fehlt soziale Wohnungspolitik“

Im Januar hat die „Mallorca-Zeitung“ ein Gespräch mit dem Soziologen David Abril veröffentlicht. Der Universitätsdozent spürt den Gründen für die Wohnungsnot auf den Inseln nach und entlastet die Ausländer. Deren Wunsch nach einem Zweitwohnsitz habe eher geringem Einfluss, zumal sie in anderen Preiskategorien suchen als die arbeitende Inselbevölkerung. Immobilienfonds und das Fehlen einer Wohnungspolitik seien viel entscheidender.

 

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