In ganz Spanien gingen am Samstag Zehntausende auf die Straße, um gegen die fortschreitende Wohnungsmisere zu demonstrieren. Auf Ibiza hingegen befanden sich nur wenige Menschen in Protestlaune.
Trotz akuter Wohnungsnot auf Ibiza sind am Samstag nur wenige Menschen dem Aufruf zu einer landesweiten Protestaktion gefolgt. Übereinstimmenden Medienberichten zufolge versammelten sich schätzungsweise 300 Demonstrierende in der Innenstadt der Inselhauptstadt Eivissa. Unter dem Motto „Acabemos con el negocio de la vivienda“ (deutsch: Lasst uns mit dem Geschäft mit Wohnraum Schluss machen) machten in 39 Städten Zehntausende ihren Unmut über die Wohnungsmisere Luft.
Aufgerufen zu den Protesten hatten verschiedene Mietervereine mit Unterstützung von Gewerkschaften. Der Sprecher des Mietervereins Ibiza und Formentera, Daniel Granda, machte für die geringe Teilnahme inselspezifische Gründe aus. „Auf Ibiza ist es kompliziert, jegliche Art von Demonstration zu organisieren. Die Menschen haben Angst, im Fernsehen von Immobilienmaklern und Eigentümern erkannt zu werden.“ Dem liege die Angst zugrunde, später bei der Wohnungssuche benachteiligt zu werden.
Halbierung der Mieten, Verbot von Ferienwohnungen
Die Forderungen der Protestierenden dürften so manchen Wohnungseigentümer aufschrecken: vollständiges Verbot touristischer Vermietungen, Preissenkungen um 50 Prozent bei Mietwohnungen und die Ausweitung des öffentlichen Wohnungsbestands. Die Demonstranten kritisierten zudem die Reaktion vieler Kommunen auf die zunehmende Zahl von Barackensiedlungen und Wohnwagencamps, die infolge des Mangels an bezahlbarem Wohnraum allerorts aus dem Boden sprießen.
Unter den Demonstranten befand sich auch Araceli Aguirre. Trotz eines festen Arbeitsvertrags als Krankenpflegehelferin ist die Frau, die kurz vor dem Rentenalter steht, nach eigener Darstellung von Wohnungslosigkeit bedroht. Nach 16 Jahren auf der Insel müsse sie demnächst ihre Mietwohnung räumen, von einer bezahlbaren Alternative könne sie nur träumen, sagt sie gegenüber der Presse.
Ibiza kein gutes Pflaster für Demonstrationen
Pedro Campillo, Generalsekretär der Gewerkschaft UGT, zeigte sich trotz der geringen Teilnehmerzahl sichtlich enttäuscht: „Auf Ibiza fällt es den Menschen schwer, auf die Straße zu gehen. Aber angesichts der Wohnungsproblematik sollte eigentlich die ganze Straße voller Menschen sein.“ Kämpferisch gab sich eine Vertreterin der hiesigen Mietergewerkschaft: „Die Insel gehört nicht den Spekulanten oder den Touristen, sondern den Menschen, die morgens aufstehen, um zur Arbeit zu gehen.“