Unser IbizaHEUTE-Chefredakteur schreibt über das Leben auf den Inseln im Gegensatz zu Deutschland. Lebensfreude statt Depressionen…
Liebe Leser,

der September ist da. Für mich beginnt jetzt die schönste Zeit auf Ibiza und Formentera. Die Hektik der Hoch-Saison klingt langsam aus, die Hitze nimmt – hoffentlich – langsam ab. In meinen beiden vergangenen Editorials bin ich nicht gerade sanft mit den Verantwortlichen in Politik und Tourismus umgegangen. Aber das war und ist meine journalistische Pflicht! Mir tut es weh und regt mich auf, wenn man ein Paradies und Natur und Menschen in diesem Paradies nicht so behandelt, wie es sein sollte.
Ibiza und Formentera sind wirklich Paradiese. Das fällt einem besonders auf, wenn man für ein paar Wochen weg von den Inseln war. Wie bei mir. Ich war den August über in meiner Heimatstadt Hamburg – für mich eine der schönsten Städte Deutschlands. Mit der Elbe über die Ozeanriesen in Richtung Meer oder in Richtung Hafen ziehen. Mit dem Alster-See und seinen weißen Segelschiffen mitten in der Stadt. Mit dem Angebot der vielen Musicals, Ausstellungen, Museen. Ich habe mich auf meine Heimatstadt, gefreut – auf die Familie, auf die Freunde und meine Wohnung. Das Wetter spielte auch noch mit, zumindest zeitweise.
Aber schon nach wenigen Tagen kam dieses Gefühl: Mir fehlte etwas! Ich dachte immer öfter an Ibiza und Formentera. An das Blau des Himmels über den Inseln. An das Meer, das in der Sonne glitzert wie Millionen kleiner Spiegel. Ich dachte auch immer öfter an mein Lieblings-Chiringuito, an „meine“ Restaurants – aber vor allem an die fröhlichen Menschen auf unseren Inseln. Deutschland, so habe ich es zumindest in Hamburg und auch bei einer Fahrt nach Berlin erlebt, ist alles andere als fröhlich.
Die Schieflage der Wirtschaft. Eine unzuverlässige Bundesbahn, die selbst gestand, man könne die Fahrpläne nur noch schätzen. Dazu eine Politik, die für viele Menschen nicht nachvollziehbar ist. Da wird vor der heutigen Wahl im Osten vor der Wahl der radikalen Rechten gewarnt, statt eine Politik zu machen, die diese Partei überflüssig macht. Das macht etwas mit den Menschen eines Landes, das viele Jahre Vorreiter in Europa war und jetzt nur noch Schlusslicht ist. Die Menschen wirken verunsichert, deprimiert.
Ich bin jetzt zurück auf Ibiza – und in einer anderen Welt, meiner Welt. Der nette Taxifahrer am Flughafen mit seinem fröhlichen Hola. Der Abend mit dem Glas Wein im gemütlichen Tapa-Restaurant, wo der Chef sich gleich für ein paar Minuten zu mir setzte. Am nächsten Tag der hilfsbereite Handwerker, der gleich da war, als ich ihn brauchte. Die freundliche Kassiererin im Supermarkt, die genervt nicht die Augen verdrehte, als es mal wieder mit dem Bezahlen per Telefon nicht klappte. Auch kein Murren von den Menschen hinter mir.
Dann das Treffen mit Freunden, wie gestern Abend im großen Garten des Casa Colonial, wo wir auch unser IbizaHEUTE-Sommerfest hatten. Am kommenden Samstagmittag ist unser IbizaHEUTE-Feinschmecker-Treff im „marc’s“. Thomas Anders kocht und liefert die Rezepte. Wir sind ausgebucht und ich freue mich auf die Gäste.
Heute werde ich für ein paar Stunden am Strand sein. Werde den Geruch nach Sonne und Meer genießen. Dazu der Blick über das Blau der See bis zum Horizont, wo sich Meer und Himmel vereinen. Ich weiß, ich schwärme jetzt. Aber so ist es, wenn man nach Hause zurückkommt – und Ibiza ist mein Zuhause.
Natürlich verschließe ich nicht die Augen vor den großen Problemen der Insel, vor den Sorgen der Menschen, vor der durch Regenmangel gebeutelten Natur. Trotzdem ist die Lebensqualität auf Ibiza und Formentera ganz anders als in Deutschland. Es macht mich glücklich. Und ich hoffe, dass sich viele der Probleme hier lösen. Da ist die Politik gefragt. Nein, keine Bange, ich schreibe heute nicht über diese Themen.
Heute freue ich mich einfach, wieder auf meinen Inseln zu sein. Ich freue mich auf den Herbst, auf mehr Regen, auf weniger Hitze. Auf Tage am Meer, wo das Wasser noch herrlich warm zum Schwimmen ist. Auf Spaziergänge durch duftende Pinienwälder. Auf die Sonnenuntergänge. Auf das Glas Wein mit Freunden. Auf das bunte Patronatsfest in Jesús, meiner Gemeinde. Und mir wird wieder klar, dass ich nirgends anders leben möchte. Ibiza und Formentera, meine kleine, wunderbare Welt. Ich denke, vielen von Ihnen geht es ebenso. Ganz gleich, ob Sie fest hier leben oder zum Urlaub zu uns kommen. Glauben Sie mir, auf unseren kleinen Inseln werden die Probleme kleiner – und die Freude am Leben größer.




