Wie nicht anders zu erwarten, ruft das Dekret der Balearen-Regierung zur Umwidmung und Bebauung ländlicher Gebiete (IbizaHEUTE) Kritik und Zustimmung auf Ibiza hervor. Hier ein Überblick:
Wasserknappheit beachten
So bevorzugt beispielsweise die Architektenkammer der Balearen (Coaib) die Nutzung städtischen Baulands, bevor der Stadtrand auf ländliche Gebiete ausgeweitet wird. In den Ortschaften sei noch Spielraum, so die Präsidentin von Coaib, Carmen Navas-Parejo. Auf jeden Fall müsse die Wasserversorgung gesichert sein, bevor neu gebaut wird.
Neus Prats von den Umweltschützern Gen-Gob warnt, dass das Wachstum auf Ibiza durch die Wasser-Reserven begrenzt sei. Diese würden seit den 1980er Jahren hoffnungslos überfordert und erholen sich nicht. Das Dekret geht in die falsche Richtung. Statt mehr zu bauen, müssten die 2000 bis 3000 leerstehenden Immobilien auf der Insel genutzt werden. Dort müsste die Insel-Regierung (Consell) ansetzen.
Leerstand nutzen
Dafür plädieren auch die Mieter-Gewerkschaft und andere Umwelt-Organisatoren, etwa Hazel Morgan von den Amics de la Terra. Inma Saranova, Direktorin der privaten Stiftung IbizaPreservation, ist deutlich: Die Konservativen im Balearen-Parlament, PP und Vox, machen „uns vor, dass entweder das Land bebaut wird oder die Wohnungsnot bleibt“. Das stimmt nicht, solange die Alternativen nicht genutzt werden, beispielsweise die aus Spekulationszwecken leerstehenden Wohnungen.
Die Tageszeitung „Diario de Ibiza“ hat im September 2023 die Daten des Nationalen Statistik-Instituts über Stromverbrauch auf den Pityusen veröffentlicht. Demnach standen auf Ibiza 15.700 Immobilien leer (20%) und auf Formentera 2600 (37%). Auch Javier Romero von der Mieter-Gewerkschaft will keine Neubauten. Diese 18.000 nicht genutzten Wohnungen müssten als Sozialwohnungen der arbeitenden Bevölkerung zugutekommen, fordert er.
Für Juan Calvo von der Allianz für das Wasser stehen Sparmaßnahmen im Vordergrund. Alle neuen Klärwerke oder Entsalzungsanlagen brauchen Jahre, bis sie eingesetzt werden können. Eivissas Klärwerk in Sa Coma ist nach Jahrzehnten Bauzeit nun im Einsatz, aber ausgerichtet auf die derzeitige Bevölkerung. Wenn diese zunimmt, ist auch das neue Werk wieder überfordert.
Preise könnten sinken
Der Inselrat und Vizepräsident der PP auf Ibiza, Mariano Juan, verteidigt das Dekret und erhofft sich eine Senkung der Grundstückspreise, wenn mehr Land auf den Markt kommt. Das würde die absurd hohen Wohnungspreise mildern. Er erinnert daran, dass die Balearen-Regierung mit dem Programm „Sichere Mieten“ versucht, dass Eigentümer leerstehenden Wohnraum vermieten. Ibizas Consell plane eine vierte Entsalzungsanlage auf der Insel, denn ohne Wasser gibt es keine Wohnungen, so Juan.
Auch der Verband Professioneller Makler (API) begrüßt die Möglichkeit, mehr zu bauen und vor allem die im Dekret vorgesehene Beschleunigung bürokratischer Vorgänge. Gleichwohl müsse die Schönheit der Landschaft auf den Inseln erhalten bleiben, das mache nämlich ihre Attraktivität aus.



