Ibizas Nachbarinsel Mallorca ist an diesem Wochenende die Metropole des Honigweins. Zum ersten Mal sind damit die Balearen Gastgeber des zweitgrößten europäischen Championats für Hidromiel, wie Met im Spanischen heißt. Die „Copa Reina Hidromiel“ findet einmal im Jahr statt.
Dieses Jahr treffen sich Honigwein-Produzenten in Inca zu diesem Happening des Mets. Darunter sind nicht nur kommerzielle Hersteller, sondern auch kleine Mikro-Brauereien, die den Trank nur für sich selbst, Freunde und Familie produzieren.
Veranstalter des Events ist der spanische Met-Verband, der in diesem Jahr mehr als 200 Teilnehmer aus Europa und Amerika erwartet. Präsident der Vereinigung ist der Mallorquiner Marc Artigues, der seit 2012 in seiner kleinen Familienkellerei selbst das Gebräu erzeugt. Nachhaltig, wie Artigues betont: mit Honig aus Mallorca und ohne Zusatzstoffe wie etwa Sulfite.
„In diesem Jahr sind 77 internationale Hersteller mit von der Partie, die insgesamt 240 verschiedene Honigweine mitbringen“, sagt Artigues stolz. „Allein 88 Mets davon stammen aus Spanien! Wir haben aber dieses Mal auch eine ganze Reihe von Anbietern aus Lateinamerika: aus Chile, Peru, Brasilien, Mexiko.“ Dazu sind die USA, Polen, Litauen, Serbien und Italien vertreten. Eine länderübergreifende Jury wird die mitgebrachten Honigweine testen und schließlich die besten in Palma prämieren.

Met ist nicht gleich Met
Met liegt gerade in Spanien voll im Trend. Und manch einer wird überrascht sein, in welcher Vielfalt dieser anregende Trank daherkommt. Ein abwechslungsreicher Tausendsassa ist er nämlich. Denn mal ist er süß, mal herb, mal fruchtig, mal würzig. Mal besteht er nur aus Wasser, Honig und Hefe.
Dann wieder wird er mit Früchten von Kirschen über Aprikosen bis Feigen verfeinert oder mit Fruchtsäften oder gar Bier hergestellt. Mit raffinierten Noten von Kräutern und Gewürzen trumpft er ebenfalls in manchen Varianten auf. Mitunter wird er wie Wein im Fass ausgebaut und zeigt dann feine Anklänge an Tannine. Sogar als Schaumwein ist er zu haben.
„Honigwein ist in jedem Fall eine gute Getränke-Alternative, die zu jedem Essen passt“, ist der balearische Experte Xisco Torres überzeugt. Schließlich besticht er nicht selten mit Frische, raffiniertem Süß-Säurespiel und mitunter eben sanften Gerbstoffen.
Kein Wunder also, dass immer mehr Feinschmecker ihn für sich entdecken und Met selbst in Gourmet-Tempeln wie dem Sternerestaurant Sa Clastra im Castillo Hotel Son Claret im mallorquinischen Es Capdellà auf der Karte zu finden ist. Doch auch Chefkoch David Reartes vom Restaurant Reart in Ibiza liebt den Trank. Für Sabors d’Eivissa hat er sogar schon einen Met-Workshop organisiert. Und auch er bietet das Getränk manchmal seinen Restaurantgästen an, zum Beispiel zum Abschluss eines Menüs. Denn er ist ein Selfmademan in Sachen Honigwein und braut ihn sich ab und an selber.
Erfolgsgeschichte Honigwein
Honigwein – das ist eine Erfolgsgeschichte. Weltweit. Er gilt als das älteste bekannte Getränk, das mittels Gärung gewonnen wurde. Und es ist wahrscheinlich das älteste alkoholische Getränk, das Menschen konsumiert haben. Bereits etwa um 7.000 vor Christus sollen die Chinesen Honigwein genossen haben.
Das Prinzip war einfach. Hefe verwandelte in Wasser gelösten Honig zu Met. Damals geschah das durch eine Spontan-Gärung – hervorgerufen durch Hefepilze, die ohnehin in der Natur vorhanden sind. Heute geht es kontrollierter zu: Es kommen zumeist wie beim Wein Reinzuchthefen zum Einsatz.
In Europa ließen ihn sich nach den Asiaten später die Griechen, Römer, Kelten, Sachsen und natürlich die berühmt-berüchtigten Wikinger schmecken. Er galt besonders im Mittelalter als typisches Getränk. Und in Amerika labten sich die Mayas ebenfalls an einer Art Honigwein. Sie nannten ihn Balché, ein Mix aus der Rinde einer Hülsenfrucht, die in Wasser mit Honig fermentierte.
Allerdings verlor Met nach und nach an Bedeutung. Denn Bier und Wein liefen ihm in Sachen Beliebtheit den Rang ab. Besonders in den südlichen Regionen Europas trat der Rebsaft seinen Siegeszug an. Weinbau gewann zunehmend an Bedeutung.
Trendgetränk Met
Heute wird Met wieder vermehrt gern getrunken. Und gerade Hidromiel aus Spanien erfährt dank seiner hohen Qualität große internationale Beachtung. So kommen bei der diesjährigen „Copa Reina Hidromiel“ allein 29 der insgesamt 77 Anbieter aus dem Königreich. Neun von ihnen arbeiten kommerziell, 20 stellen Met „casero“ zuhause her. „Und auf Mallorca selbst gibt es momentan offiziell drei Honigwein-Produzenten“, berichtet Marc Artigues.
Xisco Torres steuert gleich noch ein ABC des Honigweins hinzu. „Zum einen gibt es hier den traditionellen Met, der aus Honig, Wasser und Hefe besteht“, sagt er. „Bei dem so genannten Melomiel wird Honig mit Fruchtsäften vergoren.
Bei der „medizinischen“ Variante im Hierbas-Stil gesellen sich zu Wasser und Honig Heilkräuter wie Fenchel, Kamille, Hierbabuena, Rosmarin, Melisse und Gewürze. Zu guter Letzt bietet der „Braggot“ nochmals eine ganz andere Geschmacksrichtung. Dabei wird der Honig nicht mit Wasser oder Fruchtsaft, sondern mit Bier vergoren.“
Na dann, zum Wohl. Wenn Sie den Met einmal probieren möchten, können Sie im Lokal Reart im Herzen Eivisssas danach fragen!





