Editorial von Dieter Abholte: Wie ich es sehe

Heute schreibt der Chefredakteur von IbizaHEUTE über volle Insel, teure Preise, gehirnlose Sportwagenfahrer – und schwärmt darüber, wie glücklich wir sein können, das wir neben dem Luxus auch die Einfachheit des Insel-Lebens haben. Das Meer ist für alle da, die urigen Strandbuden sind es auch…

Liebe Leser,

Dieter Abholte

langsam kommt der Ibiza-Sommer. Das Thermometer kratzt schon nahe der 30-Grad-Marke. Die Straßen werden voller, der Platz für die Privat-Jets auf dem Flughafen von Ibiza auch. Da stehen die teuren kleinen Jets dicht bei dicht. Und durch unsere Wohnanlage rast einer mit wenig Hirn und viel PS im offensichtlich geliehenen Ferrari im 5-Minuten-Abstand röhrend die Straße zwischen den Häusern rauf und runter. Und ich habe das Gefühl, dass die hohen Preise auf der Insel noch mehr steigen.

„Geht nicht, wer soll denn das zahlen?“, werden Sie vielleicht jetzt denken. Geht doch. Schauen Sie mal in die Online-Portale mit den Hotelpreisen Ibizas. Was unter 350 Euro die Nacht zu ergattern ist, ist entweder ein wahrer Glücksfall – oder eine Bruchbude. Und trotz der Preise sind die Hotels weitgehend ausgebucht. Die ganz teuren Restaurants übrigens auch. Ohne Reservierung – am besten schon einen Monat vorher – keine Chance. Da können Leute bei der Empfangsdame oder dem Empfangsherrn noch so betteln, um mal eben zu zweit einen Tausender (mindestens) ausgeben zu dürfen. Das Personal bleibt hart. Kann es auch, denn es gibt genug Gäste, die gern jeden Preis zahlen – und vorher reserviert haben …

Es ist verrückt. Aber es ist so. „Wer nach Ibiza will, zahlt jeden Preis. Und dann lässt er es krachen. Dafür haben manche ein halbes Jahr gespart, oder ihnen kommt es auf ein paar Tausender mehr oder weniger am Abend nicht an!“, wissen Gastronomie und Hotelgewerbe. Immer wieder ist der Gast am Abend da – es können auch zwei sein – der mal eben 10.000 oder 15.000 Euro für seine Flasche französischen Petrus ausgibt, und der ist nun mal der weltweit teuerste Rotwein. So etwas kenne ich eigentlich nur aus Hongkong vor 20 Jahren, als reiche Chinesen den teuren Wein auch noch mit Cola mischen – widerlich.

Aber Ibiza hat seine Alternativen. Ein Abend mit Sonnenuntergang in einer urigen Strandbude und dem Glas Wein für 6 Euro und den Füßen im Sand kann genauso toll sein wie ein Stück weiter im teuren Beachclub – eher noch schöner. Und auch die einfachen, kleinen Hostels sind noch da, wenn man vorher sucht. Klar, da gibt es keinen Pool, keinen riesigen Fernseher auf dem Zimmer und keine Bar – aber die gibt es ein Stück weiter in einer der Gassen. Und das Meer ist auch nur 5 Minuten weit weg und ohnehin schöner und für die Haut besser als jeder Pool, der dauernd Chlor braucht.

Ich finde das Tolle an Ibiza – auf Formentera ist es ähnlich –, dass man dieses große Angebot hat. Hier teure – aber hervorragende Sterneküche – daneben preiswerte und urige Chiringuitos, das sind die einfachen Strandbuden. So einfach sind viele eigentlich auch nicht. Sie haben eine gute Insel-Küche und servieren den Fisch frisch aus dem Meer und statt fantasielos eine Cola oder Fanta aufzumachen, bereiten sie ihre Softdrinks selbst zu.  Das alles mit dezenter Musik, liebevollem Service und so dicht am Meer, dass man das Salzwasser spürt und – manchmal – eine Welle über den Strand die Füße erreicht. Das ist dann wieder wie ein Stück altes Ibiza und auch ein Stück meiner Welt.

Wobei ich gestehen muss, dass ich mir bisweilen auch die Sterneküche leiste. Denn die ist auf Ibiza preiswerter, besser und lockerer als zum Beispiel in Deutschland oder Österreich. Im Magazin von IbizaHEUTE, das jeden Monat am Kiosk oder bei unseren vielen Abonnenten im Briefkasten ist, stellen wir gern beides vor – die romantischen kleinen Strandbuden wie auch die Sterne-Restaurants und ihre Köche. Glauben Sie mir, das sind Köche mit Leidenschaft und Ideen. Künstler, die jedes Gericht komponieren, die nach dem perfekten Geschmack suchen. Eine Dose Kaviar öffnen und dafür 300 Euro auf die Rechnung zu setzen, können viele – aber aus den Produkten der Insel einzigartiges zu schaffen, dazu gehört Können und Freude am Beruf.

Entschuldigung, jetzt bin ich abgeschweift. Ich wollte eigentlich nur sagen, wie glücklich wir auf den Inseln sein können, dass wir beides haben – Luxus und Einfachheit. Natürlich kann der Sommer stressig sein – und er wird stressig. Aber der Mensch mit den vielen PS und dem leeren Gehirn muss in ein paar Tagen seinen Leih-Ferrari wieder abgeben und verschwindet. Die vollen Straßen und Strände umgehe ich, wenn ich früher oder später unterwegs bin als die Touristen-Masse. Und wenn es mir zu viel wird, dann setzte ich mich mit einer Flasche Rosé von der Insel auf meine Terrasse und genieße den Blick aufs Meer und die Ruhe.

Übrigens, heute habe ich noch einen besonderen Grund zur Freude. Denn heute ist ab 18 Uhr unser IbizaHEUTE-Sommerfest, das wir gemeinsam mit dem Restaurant Casa Colonial und im schönen Garten der „Casa“ feiern. Ab 18 Uhr geht es los. Jeder ist willkommen. Wir feiern den Sommer, feiern Sie doch mit. Ich würde mich freuen, Sie heute Abend zu sehen …

Herzlichst, Ihr Dieter Abholte



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