Editorial von Dieter Abholte: Wie ich es sehe …

HL

Baulärm auch im Sommer – aber nicht in Hotel-Nähe!

In seinem Editorial schreibt unser Chefredakteur darüber, dass es keinen generellen Baustopp über den Sommer gibt. Nur rund um die Hotels sollen Touristen vor Baulärm verschont bleiben – die Menschen, die hier leben und arbeiten, sollen Krach und Staub ertragen …

Hier das Video, das unser Lesers Bernd aus der Cala Tarida an IbizaHEUTE geschickt hat:

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Liebe Leser,

Dieter Abholte

vor Corona war es auf Ibiza selbstverständlich: Im Sommer war Baustopp! Die Menschen sollten den Sommer ohne zusätzlichen Krach vom Gehämmer der Baumaschinen, von kreischenden Sägen und dem nervigen Tack-Tack-Tack der Asphalt-Picker genießen können. Ja, so war es. Dann kam Corona und die Politik beschloss, den Baustopp aufzuheben, um der „Not leidenden Bauwirtschaft“ zu helfen.

Wie bitte? Notleidende Bauwirtschaft! Sie hat kaum oder gar nicht unter Corona gelitten. Es waren die Restaurants, die Hotels, der Einzelhandel, denen Corona mit den Beschränkungen und Verboten so zusetzte, dass zahlreiche Betriebe schließen mussten – und sich nie wieder erholten. Am Bau wurde fleißig weitergearbeitet – auch im Sommer, da der Baustopp ja aufgehoben wurde.

Und weil das einmal beschlossen wurde, blieb es dabei. Jetzt sollte man wissen, dass die Bauwirtschaft neben dem Tourismus zur stärksten Lobby-Gruppe der Insel gehört. Und manch einer, der in den Rathäusern oder in der Insel-Regierung ist, hat beste Beziehungen zum Bau. Vielleicht ist er nicht selbst als Unternehmer wirtschaftlich beteiligt – aber bestimmt ein Bruder, ein Onkel, ein Freund. Das ist nun mal so auf einer kleinen Insel, wo bei den alteingesessenen Familien so gut wie jeder mit jedem mehr oder weniger verwandt oder verschwägert ist.

So ist es kein Wunder, dass sich niemand dafür ernsthaft einsetzt, den Baustopp im Sommer – früher meist vom 15. Juni bis 15. September – wieder einzuführen. So dürfen an der Cala Tarida weiter die 134 (!) Häuser gebaut werden, anderswo natürlich auch. Wie das sich an der Cala Tarida anhört und anfühlt, hat uns unser Leser Bernd mit einem Video geschickt – den Sound können Sie hier miterleben. Dazu schreibt Bernd an mich: „Hallo Dieter, so sieht es heute bei uns aus. Und das geht schon seit drei Jahren so.“ Einige der Anwohner sind aus ihren Ferienhäusern geflohen, weil sie den Baulärm und den Staub nicht mehr aushielten.

Ich kann das bestens nachvollziehen. Als meine Nachbarn mit den berüchtigten „Beton-Picker-Maschinen“ bei ihrem Pool anrückten und mein Haus bei jedem Schlag von morgens bis abends erzitterte, bin ich auch für 6 Wochen nach Deutschland geflohen. Aber Menschen wie Bernd erleben das nun schon drei Jahre, Wochentag für Wochentag – und haben selbst jetzt im Sommer keine Ruhe. Es darf also weiter auf Ibiza gebaut und Krach gemacht werden.

Halt, so stimmt das natürlich nicht! Nur die Menschen, die hier leben, hier arbeiten, hier ihre Häuser bezahlt haben und Steuern zahlen, dürfen dem Krach ausgesetzt werden, die Touristen natürlich nicht! Denen soll der Urlaub ja nicht durch Baulärm geschmälert werden. Wie wir am 3. Juli in unseren Online-News (Baustopp) veröffentlichen, gilt rund um Hotels und touristische Zentren ein Baustopp für alles, was viel Krach macht oder viel Staub aufwirbelt.

Die Urlauber haben Ruhe, was ihnen zu gönnen ist und ich auch richtig und wichtig finde. Aber vor den Häusern der Menschen wie in der Cala Tarida darf direkt vor der Haustür weiter gepickert werden? Und das so, dass die Wände wackeln und man sein eigenes Wort nicht mehr versteht, das darf einfach nicht sein.  Übrigens gebaut werden darf: werktags von 10 bis 18 Uhr, samstags von 10 bis 14 Uhr. Nur sonntags kann man die Ohrenschützer abnehmen und den Kaffee trinken, ohne dass die Hände zittern.

Um Missverständnisse zu vermeiden: Ich möchte nicht, dass jetzt auch in touristischen Gebieten oder neben Hotels mit viel Lärm gebaut werden darf. Ich möchte, dass die Menschen, die hier leben, wenigstens im Sommer vom Baulärm verschont bleiben. Dass sie auf der Terrasse frühstücken können, ohne dass ihnen der Krach jede Unterhaltung unmöglich macht und die Staubschwaden der Baumaschinen ihnen auf das Schinkenbrot und in die Teetasse fliegen. Politiker sind für das Wohl der Menschen auf den Inseln zuständig. Dafür wurden sie eben von diesen Menschen gewählt. Aber da scheinen die Gewinne der Bauwirtschaft wichtiger zu sein als das Gemeinwohl. Geschützt wird da nur der Tourismus, die Urlauber sollen ja wiederkommen …

Glauben Sie mir, ich würde auch lieber über die schönen Seiten der Inseln schreiben, über das glasklare Meer, über die Gastfreundschaft und Toleranz der Menschen, über gute Restaurants und die einmalig schönen Strände. All das gibt es und deshalb liebe ich meine Insel. Aber die Augen vor den Schattenseiten auf Ibiza zu verschließen, die Massen-Tourismus und die „rege Bautätigkeit“ mit sich bringen, wäre verantwortungslos. Nur, wer ändert das? Die Politik? Eher wohl nicht!

Herzlichst, Ihr Dieter Abholte



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