Liebe Leser,

heute ist der 1. Advent. Auf Ibiza wurden die Weihnachtsmärkte eröffnet – und die Insel-Hauptstadt begrüßte die Adventzeit mit einer spektakulären Show aus Video, Tanz und Kunst. Aber so richtige vorweihnachtliche Stimmung kommt bei mir nicht auf. Und das liegt nur teilweise an den Temperaturen von um die 20 Grad, der Sonne und dem tiefblauen Himmel. Frieden auf Erden passt einfach nicht zur Welt, wie sie in der Adventszeit 2024 ist.
In der Ukraine wird weiter gekämpft, leben die Menschen, leben Frauen und Kinder in Angst, dass jederzeit russische Bomben oder Drohnen in ihre Häuser einschlagen können. Ihre Söhne, Männer und Väter sterben an der Front – genauso wie die russischen Soldaten, die von Putin gnadenlos in den Tod geschickt werden.
In Syrien flammen die Kämpfe wieder auf, und Rebellen nehmen überraschend die Millionenstadt Aleppo ein. Russische und iranische Bomber, die Machthaber Assad zur Hilfe eilen, fliegen Angriffe und verwandeln weite Teile der Stadt in Schutt und Asche.
In Gaza leiden Hunderttausende weiter unter Bomben und Raketen, hungern und frieren in Flüchtlingslagern und sind nirgendwo sicher vor den Angriffen aus der Luft. Jeden Tag sterben Menschen, die nichts, aber auch gar nichts mit dem Krieg zu tun haben.
Im Osten rasselt China mit dem Säbel und provoziert seine Nachbarn, droht der Insel Taiwan mit Kriegsschiffen und Kampfjets.
Es ist alles so furchtbar.
Und die Politik ist mehr närrischer Karneval als besinnliche Weihnachtszeit. Donald Trump nutzt seinen Wahlsieg, um drohenden Strafverfahren zu entgehen, versucht bei dieser Gelegenheit gleich die Justiz zu beeinflussen und verunsichert selbstgefällig die Welt.
In Berlin lässt sich mit Olaf Scholz, der unbeliebteste Kanzler aller Zeiten, von der SPD zum Kanzler-Kandidaten krönen und träumt vom Wahlsieg.
Die FDP, die die Koalition platzen ließ und dem Kanzler dafür die Schuld gab, muss jetzt kleinlaut zugeben, dass es schon vorher ein kerniges Strategie-Papier für den Ausstieg aus der Regierungsverantwortung gab. Natürlich hat die Parteiführung davon nichts gewusst – aber den im Strategie-Papier vorgesehenen Termin für das Ende der Regierung eingehalten…
Dazu kommen die Alarmmeldungen aus der Wirtschaft. Die einst stolze Auto-Industrie und ihre Vorzeige-Unternehmen stürzen durch falsche Politik und Management-Fehler gnadenlos ab. Bei VW und BMW drohen Entlassungen und Werksschließungen, beim Mercedes sieht es kaum besser aus. Und dabei ziehen die einstigen Vorzeigemarken die Zulieferer gleich mit in den Abgrund. Hunderttausende Menschen bangen um ihren Arbeitsplatz und um ihre Existenz.
Eine fröhliche Weihnachtszeit sieht anders aus.
Ich weiß, ich habe im vergangenen Editorial versprochen, mehr Schönes und Positives zu schreiben. Glauben Sie mir, wie gerne würde ich das tun. Und ich bin alles andere als ein Pessimist. Als geborener Rheinländer, den es erst mit Mitte 20 in die Pressestadt Hamburg verschlug, wurde mir Fröhlichkeit und Optimismus in die Wiege gelegt. Einer der Sprüche meiner kölschen Mutter, einer bescheidenen, wundervollen Frau, hieß: „Et es noch immer jut jejange!“ Ob ich das jetzt richtig geschrieben habe, weiß ich nicht – aber der Satz hat so viel Positives, so viel Hoffnung – und eigentlich hat er sich in meinem Leben fast immer bewahrheitet. Ich hoffe, in Ihrem Leben auch.
Ich werde mir mit meiner Familie, mit meinen Freunden meine eigene friedliche Weihnachtszeit schaffen. Zusammen schöne Sachen unternehmen, zu denen man sonst oft nicht kommt. Freunde und Bekannte treffen, die man lange nicht mehr gesehen oder sogar ein wenig vernachlässigt hat. Endlich das verwirklichen, was man schon lange auf der Liste hatte. Anderen und sich selbst Gutes tun. Man wollte doch schon immer das Buch lesen, das man vergangenen Weihnachten geschenkt bekommen hat. Und der romantische Bummel oder Spaziergang, den man immer wieder vor sich herschob, steht jetzt auch ganz oben auf der Liste.
Nutzen Sie die Zeit, um mit Menschen zusammen zu sein, die Sie lieben und denen auch Sie viel bedeuten. Und seien wir dankbar, dass wir in Frieden und ohne Angst leben können. In vielen anderen Teilen der Welt sieht es anders aus.
Ich wünsche Ihnen einen guten Start in den Advent, wo immer Sie sind. Denn es ist eine schöne Zeit der Besinnung, der Freundschaft und der Liebe.





