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Ibiza-Stadt

Editorial von Dieter Abholte: Wie ich es sehe…

Liebe Leser,

Dieter Abholte

es bläst gewaltig auf Ibiza und Formentera. Mit bis zu Windstärke 10 Beaufort, über 90 km/h, fegt seit der Nacht der Sturm über die Inseln. So soll es auch noch bis zur Nacht auf Montag bleiben. Der Nordwind hat die Kälte mitgebracht, aber es sind heute immerhin noch 15 Grad – und der Himmel ist heute Morgen auch noch knallblau. Später könnten aber Wolken aufziehen und es auch ein paar Tropfen regnen.

Das Wetter passt zu unserer Meldung, dass die Bar „Can Jordi“ auf der Straße von Eivissa nach Sant Josep nach 100 Jahren vor dem Aus steht. Die Bar mit der Live-Musik an Donnerstag und Samstag, vor Jahren von der Politik noch wegen seiner Verdienste um das Kulturleben ausgezeichnet, erhielt jetzt ab sofort Musikverbot. Dazu eine Strafe von 16.500 Euro und hat nun 15 Tage Zeit, gegen die Anordnung der Behörde Einspruch anzumelden (siehe den Bericht von heute). Der Grund für das Verbot: falsch geparkte Fahrzeuge der Besucher und ‚Blockade‘ öffentlicher Flächen durch die überfüllte Terrasse. Sprich: Weil die Terrasse bei der Musik so voll ist, haben sich Besucher auf die angrenzende Mauer gesetzt oder draußen gestanden.

Das „Can Jordi“ ist ein beliebter Samstags-Treffpunkt, vor allem für Spanier und Motorradfahrer. Die Country-Musik passt zur Szene. Aber Beschwerden gab es –unserer Kenntnis nach – nie. Ein friedliches Treffen von Menschen mit Musik. In der Vergangenheit standen hinter solchen Verbots-Aktionen meist die Anzeigen neidischer Konkurrenz. Vor allem der mächtige Verband der Clubs sah nicht gerne, wenn sich Menschen anderswo zu Musik und Bier trafen – und nicht in ihren – meist teuren – Clubs. „Can Jordi“ gehört übrigens auch zu den Traditions-Unternehmen, die von der Politik besondern Schutz genießt soll…

Was mich immer wieder nachdenklich und auch misstrauisch gegenüber den Behörden der Insel macht: In solchen Fällen wird sich offensichtlich nicht mit den Inhabern zusammengesetzt und gesagt: „Das geht so nicht. Ihr habt jetzt zwei Wochen Zeit, das zu beheben.“ Das passierte offensichtlich bei der Musik-Bar „Can Jordi“ so wenig wie vor ein paar Wochen beim Verbot des Betriebes von „Sluiz“ an der Straße vor Santa Gertrudis. Da kommt keine Warnung, sondern nur der Beschluss: Verbot der Betriebserlaubnis. Ab sofort müsst ihr schließen!

Dabei hätte man von Behördenseiten genügend Zeit gehabt, den Inhaber von „Can Jordi“ zu informieren und gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Denn das Betriebsverbot – so die eigene Angabe der Behörde – bezieht sich auf eine Drohnen-Aufnahme der Polizei aus dem vergangenen Sommer. Sie lesen richtig: aus dem vergangenen Sommer! Das muss dann Juni, Juli oder August gewesen sein. Jetzt haben wir 8. Dezember. Die Behörden hatten also mindestens vier Monate Zeit, um die Vergehen zu unterbinden.

Und da komme ich ins Grübeln. Wenn Gefahr im Verzug ist und das durch die Polizei festgestellt wird, müsste sofort gehandelt werden, um die Gefahr zu beseitigen. Alles andere ist fahrlässig und sollte eine Dienstaufsichts-Beschwerde nach sich ziehen. Wenn es aber vier Monate Zeit hat, kann die Gefahr nicht so groß sein und man hätte genügend Zeit, dem Inhaber eines Betriebes zu sagen: „Sieh zu, dass das nicht mehr passiert.“ Vor allem, wenn es sich – wie bei „Can Jordi“ – um einen Betrieb mit 100 Jahren Tradition handelt und einen, den man  vor Jahren von der gleichen Gemeinde wegen seiner Verdienste um das Kulturerbe feierte.

Ich denke, da sollte das Rathaus der zuständigen Gemeinde Sant Josep mal in sich gehen und für Ordnung oder bessere Koordination der einzelnen Ämter sorgen. Man darf gespannt sein, wie es ausgeht. Ob der Einspruch des Besitzers wirkt, der übrigens erklärte, erst über die Presse von dem Verfahren gegen ihn erfahren zu haben. Oder ob das nächste Stück Kulturgeschichte und Tradition von der Insel verschwinden muss, wie schon leider so viele. Und mit jedem Aus verliert Ibiza weiter ein Stück seiner Identität und Seele.

Noch ein anderes Thema, das mich nachdenklich gemacht hat. Ich hatte gestern im Wetterbericht geschrieben, dass das Wochenend-Wetter eins sei, um vor dem Kamin ein Glas Rotwein zu trinken, und zu kuscheln. Darauf schrieb eine Leserin: „Und was macht man, wenn man keinen Kamin und niemanden zum Kuscheln hat?“

Ja, der Winter auf Ibiza kann für Ausländer, wie wir es sind, lang und einsam sein. Viele Bekannte und Freunde kommen erst im Sommer wieder. Treffpunkte für Deutsche gibt es keine. Da bleiben nur Kontakte über die Facebook-Gruppen wie unsere „IbizaHEUTE – Residenten & Urlauber“. Oder bei unserem IbizaHEUTE-Feinschmecker-Treff dabei zu sein. Dort sind schon viele Freundschaften entstanden, haben Singles oder Paare nette Leute kennengelernt. Unser nächster IbizaHEUTE-Feinschmecker-Treff ist am Samstag, 14. Dezember, um 19.30 Uhr im Marcs. Hier lesen Sie mehr: Feinschmecker-Treff

Ich wünsche Ihnen einen besinnlichen und schönen zweiten Advent, wo immer Sie sind.

Herzlichst, Ihr Dieter Abholte

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