Editorial von Dieter Abholte: Wie ich es sehe…

Weniger Touristen-Autos auf Ibiza, weniger Leihwagen, weniger Wohnmobile, höhere Touristensteuer… Pläne der Politik gegen den Massen-Tourismus gibt es. Aber…

Liebe Leser,

Dieter Abholte

ich muss gestehen, ich bin überrascht. Dabei meine ich nicht die Tatsache, dass am gestrigen Samstag auf Ibiza nicht 60 Liter Wasser vom Himmel kamen, sondern noch nicht einmal ein Liter. Der Wetterdienst hatte vor sintflutartigem Regen gewarnt, der aber – wenigstens rund um die Insel-Hauptstadt ausblieb. Ich rede von den ersten wirklichen Maßnahmen gegen den auch in diesem Jahr bevorstehenden Massen-Tourismus – bis zu vier Millionen Urlauber werden kommen.

Sie werden es hier auf IbizaHEUTE-Online verfolgt haben, wenn nicht, können Sie es nachlesen (Autos): Ibizas Parlament will die Zahl auswärtiger Fahrzeuge auf rund 20.000 pro Tag begrenzen. Genau sind es 20.168: 16.000 Mietwagen, 4108 Touristenfahrzeuge (einschließlich Wohnwagen) und 60 Fahrzeuge von Formentera. Das hört sich nach einem Plan an und scheint bei der genauen Zahl wie 4108 Touristenfahrzeuge genau durchgerechnet zu sein. Wobei ich mich frage: Wie zum Teufel kommt die Politik auf diese Zahlen? Aber das ist eine andere Geschichte.

Aber ich frage mich, wie soll das gehandhabt werden? Zählt man auf den Fähren die Autos und sagt nach Nummer 4108: „Schluss, ihr dürft nicht mehr auf die Insel!“ Und wie ist es, wenn Touristen 14 Tage mit ihrem Auto bleiben wollen? Zählen die, die dann hier sind, jeden Tag? Dann können die Autofähren nach drei Tagen ihren Betrieb einstellen, weil schon Urlauber-4108 Autos auf der Insel sind. Oder bekommen die Auto-Touristen eine Frist, die so oder ähnlich aussieht: „Ihr dürft nur drei Tage bleiben. Dann müsst ihr zurück!“

Und dann die Frage: Wer kontrolliert das alles? Die jetzt schon unterbesetzte Polizei mit Straßenkontrollen, die den Verkehr noch zusätzlich aufhalten. Oder bekommen die Autos einen Chip, der Ankunft und Abfahrt registriert? Es soll, so die Politik, wohl nach dem Vorbild von (Formentera.eco) laufen. Da muss sich der Autofahrer anmelden, genau sagen, wann und wie lange er bleiben will und jeden Tag dafür seine Gebühr zahlen. Wer das nicht einhält, wird über Video oder Kontrollen an den Fähren erfasst und richtig zur Kasse gebeten. Bei der kleinen Insel Formentera, auf der nur die Fähren von Ibiza ankommen, mag das gehen. Aber bei Ibiza mit seinen Dutzenden Fähren jeden Tag? Da habe ich meine Zweifel. Die plagen mich auch bei den „nur“ 16.000 Leihwagen, die täglich unterwegs sein dürfen. Wie soll das kontrolliert werden?

Ebenso bin ich überzeugt: So lässt sich der Massen-Tourismus nicht wirklich bekämpfen. Denn die wenigsten Urlauber kommen mit dem eigenen Auto, die meisten kommen mit dem Flugzeug. Und die spucken in der Saison mit Hunderten Landungen jeden Tag zehntausende Urlauber aus – im August des vergangenen Jahres waren es 975.532 Passagiere, die aus dem Ausland kamen. Und die nicht mit dem Auto kommen dürfen, kommen dann zum Großteil einfach mit dem Flugzeug.

Verstehen Sie mich nicht falsch, weniger Autos auf Ibizas Straßen finde ich gut. Das bedeutet, weniger CO₂-Ausstoß, weniger Unfälle, weniger Staus. Aber eine wirkliche Bekämpfung des Massen-Tourismus ist das nicht. Da wäre die Begrenzung der Passagierzahlen die bessere Lösung. Aber das wird es nicht geben. Da erheben die mächtige Tourismus-Industrie und wohl auch die Gesetze Europas über die Freizügigkeit der Bewegung mächtig Einspruch.

Auch die Balearen-Regierung von Präsidentin Marga Prohens (konservativen PP) hat sich dem Thema Massen-Tourismus angenommen. Ihr Vizepräsident Antoni Costa kündigte am vergangenen Freitag große Schritte gegen zu viele Urlauber im Sommer an. Konkret soll das in den nächsten Tagen bekannt gegeben werden. Dabei fielen vorab Schlagworte wie Verteuerung von Touristen-Steuer und Wasserpreisen. Teureres Wasser soll den Wasserverbrauch einschränken, höhere Ökosteuer die Touristen dazu bewegen, nicht zu kommen, zumindest nicht in der Saison.

Doch die Zahlen in Sachen Erhöhung der Ökosteuer, die dann durchsickerten, sind eher Witz als Abschreckung. Von vielleicht einem Euro mehr ist die Rede.  Das wird wohl kaum einen Urlauber abschrecken. Da geht Katalonien mit Barcelona ganz anders vor. Dort werden im Sommer bis zu 15 Euro pro Nacht fällig. Auf Ibiza sind es 2,20 Euro bis 2,40 (im 5-Sterne-Hotel). In Zukunft vielleicht 50 Cent oder ein Euro mehr…

Dazu kommt das Problem der illegalen Ferien-Vermietung. Da kassieren Tausende Vermieter nicht nur die Preise für Übernachtung (nicht selten 300 Euro pro Tag) schwarz, sie zahlen natürlich auch keine Touristen-Steuer. Und die illegale Ferien-Vermietung zu bekämpfen, wird schwierig sein. Tatsache ist: Es werden nur ganz wenige dieser Vermieter ermittelt.

Ich bin gespannt, was die Balearen-Regierung in Sachen „Kampf dem Massen-Tourismus“ verkünden wird. Ich fürchte: Eine wirkliche Lösung wird es kaum sein, wenn es bei der sparsamen Erhöhung der Touristen-Steuer bleibt. Ibiza und Formentera stehen in der Gunst der Urlauber weiter ganz, ganz weit oben. Auch aus Imagegründen: Hier muss man gewesen sein und mit dem Selfie vom Strand, aus dem Club oder aus den weißen Gassen der Altstadt Freunde und Kollegen ein wenig neidisch zu machen. Dafür zahlt man (fast) jeden Preis.

Übrigens sehe ich statt dicker Wolken und heftigem Sturm blauen Himmel über Ibiza. Da kann das Essen mit Freunden am Strand wohl doch noch starten. Ich hoffe, auch Sie haben einen schönen Sonntag.

Herzlichst, Ihr Dieter Abholte



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