Editorial von Dieter Abholte: Wie ich es sehe…

Liebe Leser,

Dieter Abholte

erst einmal wünsche ich Ihnen einen schönen Sonntag. Gleich eine gute Nachricht. Nein, eigentlich sind es zwei: Wir haben blauen Himmel mit ein paar harmlosen weißen Wolken, und der spanische Wetterdienst AEMET hat seine Wetterwarnung mit Sturm und hohen Wellen zurückgenommen. Also wettermäßig alles im grünen Bereich. Bleiben wir beim Wind, genauer gesagt beim Gegenwind. Und den bekam Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez jetzt auf Mallorca zu spüren. Lesen Sie dazu unsere heutige Meldung hier auf IbizaHEUTE-Online (Politik). Die Immobilienbranche forderte den obersten Politiker des Landes auf, endlich etwas gegen die unhaltbare Wohnungsnot auf den Balearen zu unternehmen. Und das über die Parteigrenzen hinaus. Dazu muss man wissen, dass die spanischen Parteien eine Maxime zu haben scheinen, und die heißt: Alles, was die andere Partei macht, ist schlecht! Alles, was wir machen, ist gut.

Das habe nicht nur ich in den vergangenen 20 Jahren mit Kopfschütteln beobachtet – es sorgt auch immer wieder für Schlagzeilen und unfassbare Situationen: Gewinnt eine der großen Parteien die Wahl, wird so gut wie alles umgeschmissen, was ihre Vorgänger auf den Weg geschickt haben – auch wenn es vernünftige Entscheidungen waren, die den Menschen der Insel geholfen hätten. Seien es Maßnahmen gegen die Wohnungsnot, seien es Entscheidungen, um den Massentourismus zu bekämpfen.

Die Regierungen bekämpfen sich statt gemeinsam Probleme zu lösen

Nun ist es so, dass in Madrid Spaniens Ministerpräsident Sánchez die Sozialisten mit Tricks an der Macht hält und die Balearen, auch Ibiza, von der konservativen PP regiert werden. Und da wird von der spanischen linken Zentral-Regierung nicht – oder nur widerwillig – das getan, was die rechten Inselregierungen gerne hätten oder nötig wäre. Würden beide Parteien in Madrid eine Große Koalition gründen, würden sie die Mehrheit der spanischen Wähler vertreten und könnten die großen Probleme des Landes angehen. Aber so, wie es jetzt ist, kämpft man gegeneinander statt gemeinsam Lösungen zu suchen.

Beispiel gefällig? Gerne! Nehmen wir das Problem der Polizei (Policía Nacional und Guardia Civil), der Ärzte, des Gesundheitsdienstes und der Verwaltung. Alle sind auf Menschen vom Festland angewiesen. Aber Polizisten wollen nicht nach Ibiza, Ärzte und Krankenschwestern auch nicht. Die Gründe: Sie können sich das Leben auf der teuren Insel nicht leisten und finden keine bezahlbare Wohnung. Dem könnte man mit einer hohen finanziellen Inselzulage helfen. Das fordern die verantwortlichen Politiker auf Ibiza und den Balearen mit Nachdruck. Doch Madrid weigert sich, die Inselzulage für Polizisten entsprechend zu erhöhen. Sie bekommen hier lächerliche 75 Euro im Monat – bei Mieten, die dreimal so hoch sind wie auf dem Festland. Aber Herr Sánchez weigert sich seit Jahren, die Inselzulage der Polizei anzuheben.

Madrid schützt Hausbesetzer vor härteren Strafen

Ein anderes Beispiel sind die Hausbesetzungen. Die Balearen-Regierung fordert härtere Strafen gegen die Okupas, die Wohnungen und Häuser besetzen. Aber die dafür gesetzgebende Regierung in Madrid sagt: „Nein, es bleibt, wie es ist!“ Nun entspannt es die katastrophale Wohnungsnot auch nicht gerade, wenn die Polizei auf Ibiza Plätze räumt, wo sich Menschen – zwar illegal, aber aus Not – Baracken gebaut, ihre Wohnwagen abgestellt oder Zelte aufgebaut haben. Die Menschen werden vertrieben, ihre Baracken abgebaut – und dann stellt man verwundert fest, dass verzweifelte Menschen leere Wohnungen, Garagen oder leerstehende Büros besetzen. Ich spreche jetzt nicht von den kriminellen Okupas, die Hausbesetzungen zum Geschäft gemacht haben. Ich spreche von verzweifelten Menschen – auch mit kleinen Kindern – denen mit der Vertreibung die letzte Chance auf Wohnen genommen wird. Und es gibt keine Notwohnungen, die für die Vertriebenen zur Verfügung stehen …

Ibiza-Tradition: Das Fest der Tintenfische in Sant Joan

Aber wenden wir uns einem erfreulicheren Thema zu, der gestrigen „Feria de Sepia“ in Sant Joan, dem Fest des Tintenfisches, der frisch aus dem Meer um Ibiza gefangen auf dem Grill oder in die Kochtöpfe wanderte. Erst schien es, als würde die Fiesta unter dem Regen leiden, wie so viele Veranstaltungen der letzten Wochen. Doch pünktlich zum Start wurden die Regenschirme eingeklappt. Und so konnten die Besucher im Sonnenschein probieren, was man alles mit dem echten Tintenfisch zubereiten kann: vom schwarzen Reich, über Sepia-Sushi und diverse Paella bis Tintenfisch am Spieß oder sogar als Beilage zum Brötchen mit Bratwurst. Auch Sant Joans Bürgermeisterin und Ibizas Inselratspräsident Vicent Marí probierten sich durch die Sepia-Stände. Dazu gab es Volkstanz, Live-Musik und Party. Es war wieder einmal ein fröhliches Fest, wie die Bilder unseres Reporters Thomas Hofmann zeigen.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Sonntag, wo immer Sie sind.

Herzlichst, Ihr Dieter Abholte

 

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