Der ibizenkische Künstler Hosh bringt Farbe und Botschaften auf die Mauern der Insel. Im Gespräch mit IbizaHEUTE-Redakteur Thomas Hofmann erzählt er von seinen Anfängen. Von seiner Verbundenheit mit der Hip-Hop-Kultur. Den Herausforderungen als Street Artist – und seiner Meinung zum Kunst-Projekt im Westend von Sant Antoni.
Ich treffe Hosh in Ibiza-Stadt. Auf der Plaza del Toro erinnert eines seiner Werke an Bob Marley – genau hier, wo die Reggae-Legende einst auftrat. Zwischen Mosaiksteinen, Sonne und ein paar neugierigen Blicken erzählt mir Hosh von seinem Weg, seiner Kunst und der Insel, die ihn geprägt hat.

Von der Straße zur Kunst
Hosh wurde 1976 auf Ibiza geboren. Seine Eltern kamen im selben Jahr auf die Insel – der Vater aus Barcelona, die Mutter aus Marokko. „Mein Interesse an Kunst begann auf der Straße“, sagt er. Beim Skaten, mit Hip-Hop und Graffiti. Farben, Bewegung und das Leben draußen – das sei seine eigentliche Schule gewesen.
Später studierte Hosh Bildende Kunst in Barcelona. Doch er hat sich nie auf eine Richtung festgelegt. „Ich will mich nicht in Schubladen stecken“, sagt er. Seine Arbeiten verbinden Einflüsse aus Graffiti, Comics, Popkultur und klassischer Malerei.
Seit fast 30 Jahren praktiziert er außerdem Capoeira. „Das ist auch Kunst“, sagt er. „Alles hängt zusammen.“ Sein erster bezahlter Auftrag war ein Wandbild in einem Restaurant in Playa d’en Bossa. Heute lebt er von seiner Kunst.
Zwischen Freiheit und Auftrag
Nicht jedes Projekt ist frei. „Manchmal gibt der Kunde den Rahmen vor – dann ist es eher Design.“ Die spannendsten Arbeiten entstehen für ihn dann, wenn er seinen eigenen Stil entfalten kann.
Während wir durch die Stadt gehen, spricht er über Wände wie über Persönlichkeiten: Licht, Struktur und Umgebung bestimmten, was am Ende entsteht. „Ich arbeite immer mit dem Ort.“
Hosh hat längst auch außerhalb Ibizas gearbeitet – in Barcelona, Madrid, auf den Kanaren, in der Schweiz oder Brasilien. „Das Beste ist der Austausch mit anderen Künstlern“, sagt er. „Davon lebt die Szene.“
Kunst auf Ibiza
Auf Ibiza selbst begegnet man seinen Werken immer wieder, oft auch an Schulen. Doch genau dort sieht er Verbesserungsbedarf. „Kunst könnte stärker gefördert werden“, sagt er. „Sport hat oft Vorrang, aber kreative Räume sind genauso wichtig.“
Auch das große Kunstprojekt im Westend von Sant Antoni sorgt für Diskussionen. Hosh bleibt diplomatisch: „Ich respektiere Okuda sehr. Aber ich finde, der Ort ist schwierig – man kann das Werk nicht richtig sehen.“
Die Graffiti-Szene beschreibt er als vielfältig – zwischen Hobby, Rebellion und bewusster Kunst. Entscheidend sei der Respekt: „Man muss wissen, was man tut und wo man es tut.“
Besondere Projekte
Hosh erzählt mir von einem Auftrag, der für ihn etwas ganz Besonderes war: ein Rolls-Royce aus dem Jahr 1967, der einst Grace Kelly gehörte. „Ich durfte ihn in meinem Stil gestalten – das war ein Traum.“
Auch das Bob-Marley-Mosaik, vor dem wir stehen, ist ihm wichtig. „Das haben wir gemeinsam mit Jugendlichen aus dem Viertel gemacht“, sagt er. „Solche Projekte geben viel zurück.“
Ein Blick auf Hosh’ Arbeiten zeigt die Vielfalt seines Stils – von großflächigen Murals bis zu detailreichen Projekten auf Ibiza und darüber hinaus:







