Die private Umwelt-Stiftung IbizaPreservation fertigt derzeit den Nachhaltigkeitsbericht an. Ein Kapitel ist dem Kreuzfahrt-Tourismus gewidmet. Der hat 2023 auf Ibiza alle Rekorde gebrochen. Die Stiftung warnt vor den Folgen.
Schiffe werden immer größer
549.000 Touristen haben die Insel auf Kreuzfahrt-Schiffen besucht. Das sind 39 Prozent mehr als im Rekordjahr 2019 (400.000 Urlauber) und 86 Prozent mehr als 2022 (295.000). Dabei werden die Schiffe immer größer und befördern immer mehr Touristen. 188 Ozeanriesen brachten 2023 549.000 Urlauber nach Ibiza, 2017 waren es 183 Schiffe mit 339.000 Passagieren. Der Unterschied: nur 5 Schiffe, aber 210.000 Menschen mehr.
Biologin warnt
Bei einer gemeldeten Bevölkerung von 159.000 Einwohnern kamen 2023 auf jeden „Ibizenko“ 3,45 Kreuzfahrt-Touristen, rechnet die Stiftung aus.
Deren Biologin, Elisa Langley, ist besorgt. Der Schaden, er durch die Vergnügungsschiffe in den Ökosystemen im Meer und an den Küsten entsteht, könnte nicht wieder gutzumachen sein. Die Schiffe leiten kontinuierlich „Bilgenwasser mit Schadstoffen, Grauwasser, Schwarzwasser und Ballast, der oft invasive Arten enthält, ins Meer. Hinzu kommen Abfälle, Umwelt- und Luftverschmutzung, Lärmbelästigung und die visuelle Wirkung“.
Kein nachhaltiger Tourismus
Der wirtschaftliche Nutzen dieser Form des Tourismus für den lokalen Handel und sie Gastronomie ist gering, aber die Überlastung der Natur groß. „Dieses Phänomen entfernt uns immer mehr vom Ziel der Nachhaltigkeit im Tourismus und vergrößert die negativen Konsequenzen für unsere Ökosysteme“, so Langley.
Boom geht weiter
Der Boom geht weiter. Auch in diesem Jahr liegen an manchen Tagen wieder drei „Cruceros“ auf einmal in Ibizas Hafen. Und einmal sogar vier. Auch die Debatte, ob eine kleine Insel und ein Meer voller geschützter Seegraswiesen einen solchen Betrieb verkraften, geht weiter, aber die geschäftlichen Interessen überwiegen wohl. Der Plan, nur ein oder höchstens zwei Schiffe gleichzeitig zuzulassen, hat bei der neuen Balearen-Regierung keine Priorität.
Siehe auch das kritische Editorial unseres Chefredakteurs Dieter Abholte.



