Editorial von Dieter Abholte

Ibiza ist die glückliche Insel – aber Formentera nicht…

Chefredakteur Dieter Abholte schreibt: Wie ich es sehe…

Liebe Leser,

Dieter Abholte

beginnen wir dieses Mal nicht mit meiner Meinung, sondern mit dem Ergebnis einer Untersuchung über das glückliche Leben in Spanien. Und nun wissen wir offiziell, weshalb viele von uns hier auf der Insel leben: Ibiza ist der Ort mit den glücklichsten Einwohnern aller balearischen Inseln! Auch in ganz Spanien steht Ibiza in der „Glücks-Tabelle“ mit rund 90 Prozent ganz weit oben. Dagegen ist Formentera weit abgeschlagen und liegt mit nur rund 41 Prozent Glück auf dem letzten Platz der Balearen–Inseln.

Diese Zahlen gehen aus dem „Spain Happy Index 2026“ hervor, den das Immobilien-Unternehmen „Sonneil Homes“ ermittelt hat – wir berichteten hier auf IbizaHEUTE-Online darüber (Bericht). Einer der Hauptgründe für die Zufriedenheit der Menschen auf Ibiza ist natürlich das Wetter mit 312 Sonnentagen im Jahr. Aber das ist auf Formentera kaum anders. Der hohe Glücksfaktor auf Ibiza liegt an der Infrastruktur: an den Schulen, der medizinischen Versorgung, den Einkaufsmöglichkeiten, dem Flughafen…

Untersuchungen sind nur Fakten ohne Seele

Natürlich beruht solch eine Analyse auf Fakten und Zahlen, nicht auf dem, was der einzelne Mensch fühlt. Wie ist es bei mir? Weshalb ist für mich Ibiza der schönste Ort der Welt? Weshalb fühle ich mich hier wirklich glücklich und Zuhause?

Natürlich sind es Sonne, Meer und Strand, auch die längeren Tage und das Licht im Winter. Hier sind die Wintertage bis zu zwei Stunden länger als in meiner Heimatstadt Hamburg. Zwei Stunden mehr Licht und Farben des Südens, das vertreibt Winter-Blues und schlechte Stimmung. Aber was ist es mehr als das Wetter? Zweifellos auch die in der Untersuchung hervorgehobene Infrastruktur auf der Insel.

Als ich wegen einer medizinischen Abklärung dringend ärztliche Hilfe benötigte, war ich mit dem Taxi in 15 Minuten in der Klinik Rosario, wurde drei Minuten später schon im Untersuchungsraum von Ärzten betreut, war eine Viertelstunde später im CT-Gerät. Meine Blutwerte wurden gleichzeitig im Labor untersucht – und schon nach zwei Stunden kam die Entwarnung: alles in Ordnung! Zugegeben, das Rosario ist eine teure Privat-Klinik, die Untersuchungen kosteten 1200 Euro – aber die zahlte meine Zusatz-Krankenversicherung. Das hätte bei Touristen auch eine Reise-Krankenversicherung gezahlt. Gleich dazu als Tipp: Zusatz-Versicherungen sind in Spanien preiswert.

Der Vorteil von Ibizas Infrastruktur

Bleiben wir weiter bei der Infrastruktur: Wenn ich ein Taxi zum Flughafen benötige und vorbestelle, ist das auf die Minute pünktlich vor meiner Tür. In 20 Minuten bin ich am Airport, drei Stunden später in Deutschland – zumindest im Sommer mit den Direktflügen. Im Winter ist das mit Umsteigen in Palma, Barcelona oder Madrid eher nervig als erfreulich.

Die gute Versorgung mit Lebensmitteln gehört ebenso zur Infrastruktur der Insel. Wir haben Aldi, Lidl und Co. – auch mit Bio-Abteilungen – für den täglichen Bedarf. Wir haben aber auch die Traditionsläden wie Bäcker und Fleischer mit den besonderen Angeboten der Insel – und die „Blechbuden“ auf der Straße von Eivissa nach Santa Eulària: außen Blech, innen Feinkost-Geschäft – aber auch mit Feinkost-Preisen.

So hätten wir den Punkt Infrastruktur erledigt, zu der noch die guten Straßen, aber auch die miserable Parkplatz-Situation gehören. Was macht für mich Ibiza so einzigartig? Auf jeden Fall die Gastronomie. Immer mehr Spitzenköche aus Spanien und aller Welt zieht es nach Ibiza, wo sie ihre Luxus-Restaurants eröffnen.

Aber abgesehen von den teuren Adressen wie Sterner-Restaurants und Beach-Clubs gibt es die andere, die normale Gastronomie: die spanischen Restaurants, wo das Mittags-Menü noch immer für 15 oder 16 Euro zu haben ist. Auch die Top-Restaurants, wo man auf dem Teppich geblieben ist, wie das „marc’s“ mit seinem romantischen Garten, das „Náutico“ im Hafen von Eivissa, das Amore im Yachthafen von Santa Eulària und das Casa Colonial um nur einige zu nennen. Es gibt viele solcher Top-Adressen, wo Preis und Leistung stimmen– und sie sind immer Themen in unserem IbizaHEUTE-Magazin.

Was Ibiza für mich zur glücklichen Insel macht

Was macht für mich weiter das Leben auf Ibiza so einmalig und schön? Eine Menge: die vielen romantischen Buchten am Meer (über 50 sind es). Das Fischerviertel La Marina mit seinen weißen Häusern am Hafen. Die Festungsstadt mit ihren romantischen Gassen. Die weißen Fincas im Grün der Landschaft. Die Millionen von Blüten im Frühjahr. Der Duft der Pinienwälder und Kräuter bei meinen Wanderungen. Die Restaurants am Meer, wenn die Sonne im Weinglas funkelt. Die faszinierenden Sonnenuntergänge…

Und immer wieder sind es die Begegnungen mit den Menschen, die mir sagen: Hier bist du richtig! Die freundlichen Kassiererinnen und Kassierer an den Supermarkt-Kassen, die nicht ungeduldig werden, wenn der alte Ibizenko mühsam nach dem Geld sucht. Der Busfahrer, der auch mal da hält, wo man aussteigen möchte, aber keine Haltestelle ist. Das Service-Personal in den Restaurants, das mir trotz vollem Haus geduldig erklärt, wie die Schweinebacke zubereitet ist. Der Polizist, der geduldig den Weg erklärt. Mein Nachbar, der mir frisches Gemüse aus seinem Garten auf den Stuhl vor der Tür legt und sagt: „Das habe ich zu viel!“, damit ich erst gar nicht auf die Idee komme, dafür zu zahlen…

Ich liebe auch das Stimmengewirr in der Bar am Strand, in den Geschäften, auf den Straßen, dieses friedliche und fröhliche Zusammenleben von Menschen aus der ganzen Welt. Und natürlich die Toleranz, wobei das ungeschriebene, aber wichtigste Gesetz der Insel heißt: „Du kannst sein und leben, wie du möchtest, solange du das Leben und die Freiheit anderer Menschen nicht einschränkst!“ Wäre es doch auch so in Deutschland, wo Minderheiten der Mehrheit der Menschen ihren Willen aufdrücken wollen. Doch das ist ein anderes Thema.

Der einmalige Charme Formenteras

Kommen wir zurück zu Formentera, die bei der Analyse ganz unten in der Glücks-Scala steht. Natürlich hat die kleine Insel Defizite in der Infrastruktur. Zum Flughafen, zur Klinik oder zu anderen wichtigen Angelegenheiten muss man mit der Fähre anreisen, was bei Seegang auch sehr stressig sein kann. Natürlich gibt es auf Ibizas kleiner Schwester keinen Aldi, keinen Lidl – aber genau das ist es, was den Charme Formenteras ausmacht. Die Menschen, die dort leben, suchen genau das.

Dazu gehören auch unsere Freunde und Leser-Reporter Margret und Peter. Sie sind jedes Jahr viele Monate auf Formentera – und das seit genau 50 Jahren. Für Sie ist die kleine Insel die Insel des Glücks. Sie vermissen keinen großen Supermarkt und hoffen sehnlichst, dass die Insel so bleibt, wie sie ist.

Und nur das – und genau das zählt. Glück ist dort, wo man sich wohlfühlt und zu Hause ist. Und da kann eine Statistik sagen, was sie will. Denn Statistiken sind Zahlen, und Zahlen haben keine Seele, kennen keine Gefühle, keine Liebe…

Ich hoffe, Ihnen geht es so wie Margret und Peter – und wie mir. Wir sind glücklich auf unseren Inseln. Und ich hoffe, sie sind es auch, dort, wo Sie leben. Ich wünsche Ihnen einen schönen Sonntag und einen guten Start in die Woche.

Herzlichst, Ihr Dieter Abholte

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