Der ibizenkische Fischer Toni fährt fast täglich hinaus aufs Meer – so wie es schon sein Vater und Großvater getan haben. Im Gespräch mit IbizaHEUTE-Redakteur Thomas Hofmann erzählt er von seinem Alltag zwischen Tradition, harter Arbeit und den Veränderungen auf dem Meer.
Es ist 8.30 Uhr in Port Sant Miquel im Norden Ibizas. Ein kleines weißes Fischerboot tuckert auf den Steg zu. Am Steuer: Toni, Anfang 50, wettergegerbtes Gesicht, freundliches Lächeln.

Ich habe mich mit Toni verabredet, er nimmt mich mit an Bord. Seit Stunden ist er bereits unterwegs. Um vier Uhr morgens läuft er in der Cala Sant Vicent aus, fährt hinaus aufs offene Meer. „Zu früh für dich“, hatte er gesagt – und vermutlich recht behalten. Denn selbst jetzt beginnt das kleine Boot ordentlich zu schaukeln.
Ein Beruf, der früh am Tag beginnt
Sein Boot, die „Gatons“, ist klein, aber robust. Keine traditionelle Llaüt mehr aus Holz, sondern ein modernes Arbeitsboot mit Motor. Die alte Llaüt gibt es noch – heute dient sie als Ausbildungsboot für Nachwuchs-Fischer.
Toni selbst ist seit seiner Jugend auf dem Meer. „Mein Vater und mein Großvater haben mich schon als Kind mitgenommen“, erzählt er. Mit 17 wurde er Fischer. Und vielleicht wird auch sein Sohn einmal diesen Weg gehen.
Gefischt wird bei ihm noch traditionell: mit Leinen und Haken. 700 Stück hat Toni in der Nacht ausgelegt, verteilt auf mehrere Fangplätze vor der Küste. Die besten Stellen kennt er von früher – viele hat schon sein Großvater genutzt. Andere hat Toni selbst entdeckt. Rund 2000 Fangplätze kennt er inzwischen.
Weniger Fisch, mehr Verantwortung für die Umwelt
Mit vollen Netzen kehrt heute kaum noch ein Fischer zurück. „Wenn ich sechs oder acht gute Fische fange, bin ich zufrieden“, sagt Toni. Dafür sind es hochwertige Fische – direkt aus dem Meer, keine Zuchtware. Sein Fang geht an ausgewählte Restaurants der Insel. Frischer geht es kaum: gefangen am Morgen, serviert am selben Tag.
Was Toni an diesem Tag aus dem Meer holt, ist überschaubar – aber von besonderer Qualität:
Der Fang eines Tages
Toni sieht sich als „artesano“, als Handwerker mit Verantwortung. Er fischt selektiv, nur so viel, wie benötigt wird. Seine Methode soll den Fischen unnötiges Leid ersparen. „Meine Fische kommen lebendig an“, sagt er.
Er ist Mitglied der Fischervereinigung „peix nostrum“, die sich der nachhaltigen Fischerei verschrieben hat. Gefangen wird nur zu bestimmten Zeiten, in festgelegten Zonen und unter strengen Regeln. Kleine Fische bleiben im Meer, damit sich die Bestände erholen können. „Früher war alles einfacher“, sagt Toni. „Heute haben wir mehr Aufwand, aber es schützt das Meer.“

Ist Fischer auf Ibiza ein Beruf mit Zukunft?
Der Job ist körperlich anstrengend. Stundenlanges Arbeiten auf dem schaukelnden Boot, Wind, Sonne, Salz. Der Arbeitstag beginnt früh und endet oft erst am Abend. Und er ist nicht ungefährlich. Stürme können plötzlich aufziehen, das Meer kann unberechenbar sein. Toni hat solche Situationen schon erlebt. Doch er nimmt es gelassen: „Jeder Tag ist anders.“
Heute sind nur noch wenige Fischer auf Ibiza unterwegs. „Früher waren wir mehrere, heute sind es nur noch mein Bruder und ich“, erzählt er. Zu viel Arbeit, zu wenig Nachwuchs, steigender Druck durch industrielle Fischerei – all das macht den Beruf schwierig. Und doch: Für Toni gibt es nichts anderes. Das Meer ist sein Leben. Jeden Tag fährt er hinaus, wie schon sein Vater und sein Großvater.
Am Ende bringt er an diesem Tag acht Fische an Land. Keine große Menge – aber besondere Fische. Und genau das macht sie so wertvoll.




