Editorial von Dieter Abholte: Wie ich es sehe…

Der Chefredakteur von IbizaHEUTE beschäftigt sich mit dem Thema der Schlangen auf Ibiza und Formentera, die schon fast alle der possierlichen heimischen Eidechsen ausgerottet haben. Dass es so weit kommen konnte, ist nicht zuletzt ein Versäumnis der Politik …

Liebe Leser,

Dieter Abholte

es kommt nicht oft vor, dass mir die Worte fehlen. Aber bei der neuesten Nachricht fällt mir wirklich nicht mehr ein. Es geht um die Schlangen auf Ibiza. Jeder weiß, dass sie vor Jahren mit alten Olivenbäumen vom Festland auf die Inseln kamen. Darin hatten sich die Reptilien versteckt oder ihre Eier abgelegt. Jetzt müsste doch jeder vernünftig denkende Mensch, auch jeder Politiker erkennen, wo die Gefahr liegt, dass immer mehr Schlangen vom Festland in Transportern nach Ibiza oder Formentera kommen. Richtig, an der Einfuhr der alten Bäume, deren einziger Nutzen es ist, die Grundstücke der Villen und Hotels zu verschönern. Und dann müsste man doch die logische Konsequenz ziehen. Und die heißt: Die Lieferung der alten Olivenbäume vom Festland verbieten – oder zumindest die Bäume nach Schlangen oder Schlangen-Eiern untersuchen.

Passiert aber nicht. Seit Jahren kommen solche Bäume unkontrolliert nach Ibiza – und damit auch weiter Schlangen. Der Import ist nur zweimal im Jahr verboten. Vom 1. April bis 15. Juni und vom 15. Oktober bis 15. November. Weshalb diese Zeiten des Import-Verbotes? Wahrscheinlich, weil im Frühjahr die Schlangen aus den Eiern schlüpfen. Und das sind viele. Ein Weibchen der Treppennatter, die es jetzt auf Ibiza zu Hunderttausenden gibt, legt zwischen 5 und 25 Eiern. Kein Wunder, dass es auf Ibiza und Formentera nur so vor Schlangen wimmelt. Glauben Sie mir, das ist nicht übertrieben.

Wir von IbizaHEUTE fordern seit Jahren immer wieder das Import-Verbot der alten Olivenbäume vom Festland. Wahrscheinlich sind wir da nicht alleine. Passiert ist nichts. Die Behörden erklärten: Dafür sind wir nicht zuständig! Und die Politiker klagten zwar über die Schlangen, blieben da aber auch untätig. Stattdessen lernten die Schüler, wie man Schlangen fängt und bauten auch Schutzzonen für die letzten Eidechsen, die von den Schlangen bisher nicht gefressen wurden. Dazu können sich Grundstücksbesitzer – oft kostenlos – Schlangenfalle besorgen, in denen eine Maus als Köder dient. Sie ist durch Drahtgitter vor der Schlange geschützt und die Experten versichern, dass die Maus stressfrei sei und keine Angst habe, wenn die Schlange kommt. Das, sorry, kann ich mir nicht vorstellen. Ich denke, die Maus ist im Dauerstress, wenn nur durch ein dünnes Drahtgeflecht gesichert, die Schlange ihr Maul aufreißt. Dass die Mäuse auf engstem Raum Tage und Wochen eingesperrt sind, mit Trinkwasser und Futter versorgt werden müssen, vereinfacht das Leben der Tiere auch nicht.

Tatsache ist: Es gibt kaum noch Eidechsen auf der Insel, dafür immer mehr Schlangen. Ich erinnere mich, dass noch vor Jahren Dutzende hübsche grüne Eidechsen über unsere Natursteinmauern flitzten und sich viele davon pünktlich zum Frühstück einfanden. Besonders liebten sie es, auf den Schalen von Melonen zu schaukeln und den süßen Saft zu schlecken. Die besonders schönen und großen Eidechsen bekamen von uns einen Namen und waren so zutraulich, dass sie auf die Hand kamen. Die kleinen ohnehin. Auf meinem Grundstück gibt es seit zwei Jahren keine Eidechsen mehr, aber Schlangen. Zwei habe ich gesehen. Es werden mehr sein. Oder sie sind abgezogen, weil sie bei uns alle Eidechsen und kleinen Vögel gefressen haben. Bei Nachbarn und Freunden sieht es ähnlich aus.

Ich habe vor einigen Wochen mit einer Expertin gesprochen. Ihre Meinung: „Die Schlangen werden sich in den nächsten zehn Jahren weiter rasend vermehren. Dann wird die Population abnehmen, weil sie nichts mehr zu fressen finden!“ Tolle Aussichten – aber wohl die Wahrheit. Und weil das scheinbar noch nicht reicht, kommt noch Nachschub für jede mühsam gefangene Schlange in den eingeführten alten Olivenbäumen hinzu. Was könnte da helfen? Natürlich nur das absolute Import-Verbot der alten Olivenbäume. Das hätte es schon geben müssen, als die ersten Schlangen auftauchten, das war im Norden der Insel.

Jetzt hat mit Professor Valentín Pérez Mellado, Zoologe und Pityusen-Experte, ein anerkannter Wissenschaftler Klartext geredet und den Politikern ihre Versäumnisse aufgezeigt. Wir haben am Freitag hier in IbizaHEUTE-Online darüber geschrieben. Der Experte für die heimischen Eidechsen sagt: „Wenn wir die Schlangenplage auf Ibiza und Formentera eindämmen und das Überleben der Pityusen-Eidechse sichern wollen, muss Schluss sein mit dem Import von Olivenbäumen, Johannisbäumen und Steineichen auf die Inseln.“ Und er fordert ein generelles Einfuhrverbot solcher Bäume. Der Wissenschaftler sagt: „Wenn kein komplettes Einfuhrverbot verhängt wird, wird sich das Schlangenproblem niemals lösen. Hier ist politisches Handeln gefragt.“

Nun muss kein Tourist Angst haben, dass sich Schlangen in sein Hotelzimmer schlängeln. Die hier vorherrschende Treppennatter ist eher dort, wo sie Nahrung findet – also auf dem Land. Sie ist auch nicht giftig, also eher ungefährlich für Menschen. Für die zutraulichen Eidechsen leider schon. Und solange weiter Bäume vom Festland kommen, wird es an Schlangen-Nachschub nicht fehlen. Da können Naturfreunde hier so viele der Reptilien fangen, wie sie wollen …

Dabei würde ein Dekret der Balearen-Regierung reichen, das lautet: „Der Export von Bäumen vom Festland nach Ibiza und Formentera ist verboten!“ So schwer kann das doch nicht sein…

Herzlichst, Ihr Dieter Abholte

Auch interessant?

Aktuelles E-Paper

E-Paper IbizaHEUTE Mai 2026
  • IbizaHEUTE Gourmet: Edle Menüs, köstliche Weine
  • IbizaHEUTE Exklusiv: Interview mit Vicent Marí
  • IbizaHEUTE Insider-News: 10 Tipps für die Insel im Mai
Jetzt abonnieren

Events & Termine

Zu allen Events