Von Dieter Abholte
Es ist vier Jahre her, dass ein kleines Fischerboot mit der Urne an Bord an der Cala Salada in den Sonnenuntergang fuhr. Als die Sonne den Horizont berührte, wurde die Urne mit der Asche von Horst Müller dem Meer übergeben. In der Bucht, die er liebte. In den Minuten des Sonnenuntergangs, den er liebte. Am Strand nahmen seine Frau Ludmila (Mila) und die Freunde für immer Abschied von ihm. Alle in Weiß. Sie ließen Luftballons in den Himmel steigen. Eine lebendige – fast fröhliche – Abschiedsfeier, wie Horst sie sich gewünscht hatte.
Horst Müller – er gehörte zu der bunten Mischung der Insulaner und war einer der Buntesten. Als in Düsseldorf geborener Rheinländer hatte er den Schalk in den Augen, lebte nach dem Motto „Et hät noch immer jut jejange“ und wirbelte über die Insel. Zusammen mit seiner Frau Mila baute er bei Sant Antoni mit der „Casa Datscha“ ein kleines, feines Hotel auf, das sie von 1988 bis 2021 führten. Mit einer Galerie und Kunst in allen Zimmern. Die Casa Datscha war ein Stück Osteuropa mit Zwiebeltürmen. Erbaut von Horst als liebevolle Geste für seine Frau als Erinnerung an ihre Heimat im Osten des Europas.
Horst rief – und halb Ibiza kam zur Party
Horst war ein perfekter Gastgeber. Seine Partys waren legendär – sein Temperament auch. Kurz: Mit Horst wurde es nie langweilig. Auch wenn er sich mal vergaloppierte, konnte man ihm nicht böse sein. Ein Lächeln, eine aus dem Herzen kommende Entschuldigung – und die Sonne schien wieder. Und da, wo Horst war, war eigentlich immer Sonne…
Ich erinnere mich an eine IbizaHEUTE-Kreuzfahrt auf der schicken Europa 2. Es dauerte keinen Tag, dann hatte Horst seine Fans um sich und erzählte Geschichten aus seinem bunten Leben. Für Horst gab es auch keine Hindernisse. Während wir uns in den Gassen einer kroatischen Altstadt (für alle Fahrzeuge gesperrt) bei Mittagshitze mühsam zum Aussichtspunkt hochquälten, düste Horst an uns vorbei. Er hatte so lange auf einen Mopedfahrer eingeredet, bis er ihn nach oben fuhr.
Reisen war seine Leidenschaft. Er war in weit über 100 Ländern: Arktis, Antarktis, Asien, Afrika, Amerika, Südamerika, und machte die abenteuerlichsten Touren. Oft mit seiner Mila – manchmal auch alleine, weil sie die verrückten Ideen nicht mitmachte, und sich einer ja ums Hotel kümmern musste…
Mit seinem Tod starb ein Stück altes Ibiza
Horst Müller starb im Alter von 80 Jahren am 18, Juni 2022 nach einem schweren Herzinfarkt. Wenige Tage, bevor er mit seiner Frau zu einer Weltreise starten wollte. Es sollte eine unvergessliche Reise für Mila und Horst werden. Doch sie war anders als geplant. Es wurde die letzte Reise von Horst Müller – in der Urne auf dem Fischerboot in den Sonnenuntergang und aufs Meer hinaus, wo er seine letzte Ruhe fand.
Mit Horst starb ein Stück altes Ibiza. Des Ibizas mit den Menschen, die die Insel so bunt und einmalig machen. Viele werden besonders jetzt an seinem vierten Todestag an ihn und seine Frau Mila denken. Ich bin sicher, wenn es den Himmel gibt, dann mischt Horst Müller ihn kräftig auf und erzählt seine spannenden Geschichten von der Erde – und von seinem geliebten Ibiza…





