In einer Verkehrskontrolle stellt ein Polizist dem Fahrer eines Krankenwagens einen Strafzettel aus: Das Gefährt wird für zu schwer befunden. Damit nimmt eine kurios anmutende Debatte ihren Anfang.
Nach einer Geldbuße gegen einen Rettungswagen auf Ibiza ist auf den Balearen ein Streit um das zulässige Gewicht der neuen Ambulanzflotte entbrannt. Die Gewerkschaft UGT wirft der öffentlichen Betreibergesellschaft GSAIB und dem Gesundheitsdienst IB-Salut vor, monatelang „zu schwere Fahrzeuge“ mit Fahrern eingesetzt zu haben, die lediglich über den Führerschein der Klasse B verfügen. Die Verantwortlichen weisen das zurück.
Auslöser war eine Kontrolle der Guardia Civil, bei der Unregelmäßigkeiten in den Papieren eines Fahrzeugs festgestellt wurden. UGT-Sprecher Javier Marín sagte, seit „rund drei Monaten“ würden Rettungswagen mit mehr als 3,5 Tonnen Gesamtgewicht von Fahrern mit Klasse B gesteuert. Unternehmen und Gesundheitsdienst hätten zugleich versichert, die Fahrzeuge lägen unter dieser Schwelle. Ab 3,5 Tonnen ist in Spanien ein anderer Führerschein erforderlich.
Behörden halten dagegen
Marín spricht von einem „gravierenden“ Vorgang und einem „kontinuierlichen Täuschungsmanöver“ seitens der Behörden. Nach Berechnungen der Gewerkschaft werde die Grenze überschritten, wenn die Fahrzeuge – wie angeblich angewiesen – mit sechs Personen besetzt würden. Zudem lasse die technische Zulassung nur vier Plätze zu.
Der Generaldirektor des Gesundheitsdienstes, Javier Ureña, erklärte dagegen am Montag, maßgeblich sei der Fahrzeugbrief, der eine Belegung „mit bis zu sechs Personen“ erlaube. Zwar gebe es „Unterschiede“ in einzelnen Dokumenten, rechtlich entscheidend sei jedoch die technische Einstufung. Das zulässige Höchstgewicht sei „zu keinem Zeitpunkt“ überschritten worden; die Transporte seien somit „absolut sicher“ gewesen.
UGT verbindet die Vorwürfe mit grundsätzlicher Kritik an der 56 Millionen Euro teuren Neubeschaffung der Flotte. Auf Ibiza komme es zudem zu „erheblichen Verzögerungen“ bei nicht dringenden Krankentransporten. Die Gewerkschaft fordert personelle Konsequenzen und schließt rechtliche Schritte nicht aus.



