Angeblich immer mehr Ibiza-Urlauber

Wo waren die angeblichen Rekordbesucher?

Volker Heinrichs ist unser IbizaHEUTE-Autor, wenn es um Insider-Tipps geht. So schreibt er regelmäßig in unserem Magazin über „den perfekten Tag auf Ibiza“. Er kennt sich also aus. Und das seit vielen Jahren, als er noch als DJ in Pacha und Co. auflegte. Was ihn mehr als verwundert, sind die Zahlen, die von immer neuen Rekordzahlen bei den Ibiza-Besuchern sprechen. Und er fragt sich:

Sind die Zahlen von Rekord-Besuchen wirklich echt?

Hier seine kritischen Anmerkungen dazu:

Wo sollen die ganzen Touristen gewesen sein? Neben unseren Ibiza-Besuchen in der Nebensaison verbringen wir seit vielen Jahren auch in der absoluten Hauptsaison jährlich drei Wochen am Stück auf der Insel. Immer in der Zeit zwischen Juli und August. Und es war speziell in den Jahren 2023 und 2024 wirklich so voll wie noch nie zuvor. Viel zu voll!

Die Strände waren massiv überbelegt und ein Platz oft nicht zu finden. Alle Restaurants waren ausgebucht, Supermärkte überfüllt und in Ibiza-Stadt schoben sich mittags bis nachts die Menschenmassen durch die Gassen. Doch davon ist seit 2025 nichts mehr zu spüren.

Gefühlt ist der Andrang nur noch halb so groß. Plötzlich braucht man keine Reservierungen mehr. Restaurantbesitzer klagen über fehlende Gäste, egal, wohin man kommt. Die Playa d’en Bossa war abends oft menschenleer und überall am Strand herrschten deutlich entspanntere Verhältnisse.

Dann lese ich aber: „Wieder neue Rekordbesucherzahlen auf Ibiza“.

Auch heute wurden neue Zahlen mit Höchstständen im Juli veröffentlicht, und ich frage mich: „Wo sollen diese Besucher gewesen sein?“

Keine Frage, die Clubs waren gut gefüllt. Aber außerhalb der Tanztempel haben wir einen weiteren deutlichen Rückgang gegenüber dem ohnehin schon reduzierten Jahr 2025 festgestellt.

In den Geschäftsgassen des Fischerviertels von Dalt Vila hatten wir Mitleid mit den kleinen Boutiquen und Geschäften, weil wir teilweise die einzigen Besucher waren. Früher war dort alles voll. Auch in den Chiringuitos, beispielsweise in der Cala Tarida: Überall leere Tische, verzweifelte Gastwirte und ratlose Mitarbeiter. Das habe ich dort in 15 Jahren nicht erlebt.

Hier stimmt etwas nicht. Sind die Zahlen geschönt oder vielleicht sogar gefakt? Rechnet man einfach die Kreuzfahrttouristen mit hinzu, die nur mal kurz für zwei Stunden durch die Stadt laufen? Oder verbringen die Ibiza-Besucher plötzlich ihren gesamten Urlaub im Hotelbereich am Pool und verlassen diesen höchstens mal für ein paar Stunden, um im Club zu tanzen?

Wie und warum kommt man auf solche Zahlen? Hat man Angst, nach außen hin zuzugeben, dass es Probleme gibt, weil man dann nicht mehr angesagt ist? Der Luxustourismus meidet nichts mehr als Orte, die nicht „hip“ sind.

Auf Social Media will man sich immer stolz dort präsentieren, wo die anderen gerade gerne wären.

Wenn Ibiza nach außen hin rückläufige Besucherzahlen veröffentlicht, schreckt das vor allem das Klientel ab, das gerne damit protzt, immer dort vor Ort sein zu müssen, wo gerade alle hinwollen. Wenn die sich gegen Ibiza entscheiden, bekommen viele Unternehmen auf der Insel ein großes Problem.

Andererseits würde es Ibiza vielleicht wieder etwas mehr dahin zurückbringen, wie es war, als alles begann. Keine schlechte Vorstellung.

Ich persönlich glaube den neu veröffentlichten Zahlen nicht. Wir haben es vor Ort drei Wochen lang gesehen: 2026 war Ibiza in der absoluten Hauptsaison – abgesehen von deutlich angehobenen Preisen – so entspannt wie seit 15 Jahren nicht mehr. Kaum Parkplatzsuche. Restaurantbesuche ohne Reservierungen. Freie Plätze überall am Strand.

Es gibt ein passendes Zitat aus der Musikszene, das alles sagt: „Don’t believe the hype“.

 

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