Ein schweres Zugunglück in Zentralspanien fordert mindestens 64 Todesopfer und mehr als 179 Verletzte. An den landesweit ausgerufenen Schweigeminuten beteiligen sich am Mittwochabend auch Ibiza und Formentera.
Ein schweres Zugunglück in der spanischen Provinz Toledo hat mindestens 64 Menschen (Stand 12.14 Uhr) das Leben gekostet, mehr als 179 wurden verletzt. Nach Angaben der Regionalregierung von Kastilien-La Mancha stieg die Zahl der Todesopfer am Mittwochmittag, nachdem die Rettungskräfte Zugang zu weiteren Waggons erhalten hatten. Auch auf Ibiza und Formentera wird der Opfer gedacht: Die Inselverwaltungen und mehrere Gemeinden haben für Mittwochabend zu Schweigeminuten aufgerufen.
Möglicherweise menschlicher Fehler
Die Kollision ereignete sich um 8.54 Uhr zwischen den Orten Mora, Urda und Orgaz, rund um Streckenkilometer 118. Nach ersten Erkenntnissen stieß ein Hochgeschwindigkeitszug der staatlichen Bahngesellschaft Renfe von hinten mit einem Zug des privaten Anbieters Iryo zusammen. Dabei entgleisten mehrere Waggons des Iryo-Zuges. Polizeikreisen zufolge wurden einige Wagen bei dem Aufprall völlig zerstört.
In dem Renfe-Zug befanden sich nach den vorliegenden Angaben 397 Menschen. Im Zug von Iryo waren 147 Fahrgäste. Beide Züge waren auf der Strecke von Madrid nach Sevilla unterwegs.
Die genauen Umstände des Unglücks waren zunächst unklar. Renfe teilte mit, der eigene Zug habe die Fahrt nach entsprechender Freigabe wieder aufgenommen. Der Iryo-Zug sei dagegen aus bislang unbekannten Gründen stehen geblieben. Auch Iryo bestätigte die Kollision, konnte jedoch ebenfalls keine Erklärung für deren Ursache geben. Als eine mögliche Erklärung wurde ein menschlicher Fehler genannt. Die Ermittlungen sollen klären, wie es zu dem Zusammenstoß kommen konnte.
Erinnerungen an Adamuz
Am frühen Morgen war es zu einer Störung im Zugsteuerungs- und Überwachungssystem gekommen. Die Züge waren vorübergehend angehalten worden. Anschließend wurde die Weiterfahrt unter besonderen betrieblichen Bedingungen freigegeben. Ob ein Zusammenhang zwischen der Störung und dem Unfall besteht, war zunächst nicht geklärt.
Die Rettungsarbeiten liefen am Mittwoch mit großem Aufgebot. Neben Feuerwehrleuten waren Einsatzkräfte des Zivilschutzes aus umliegenden Gemeinden, drei Rettungshubschrauber und zwei mobile Intensivstationen vor Ort. Die Verletzten seien inzwischen aus den Zügen gebracht worden, erklärte die Sprecherin der Regionalregierung, Esther Padilla. Im Anschluss sollten die Toten aus den Waggons geborgen werden.
Die spanische Militärische Notfalleinheit UME sowie zahlreiche Kräfte der Guardia Civil wurden zur Unterstützung an die Unglücksstelle entsandt. Die Regionalregierung erhöhte die Alarmstufe ihres Katastrophenschutzplans auf Stufe zwei. Der Hochgeschwindigkeitsverkehr zwischen Madrid und Andalusien wurde unterbrochen. Renfe kündigte an, betroffenen Fahrgästen Umbuchungen und Stornierungen zu ermöglichen.
Das Unglück weckt Erinnerungen an die Kollision zweier Züge im andalusischen Adamuz vor neun Monaten, bei der 46 Menschen ums Leben gekommen waren. Auch damals waren ein Zug von Iryo und ein Zug von Renfe beteiligt.
Schweigeminuten auf den Pityusen
Auf Ibiza und Formentera schließen sich die Inselverwaltungen der landesweiten Trauer an. Der Consell von Ibiza rief gemeinsam mit der Spanischen Vereinigung der Gemeinden und Provinzen zu Schweigeminuten vor den Rathäusern auf. Die zentrale Gedenkveranstaltung in der Inselhauptstadt Eivissa beginnt am Mittwoch um 20 Uhr am Verwaltungsgebäude Cetis. Auf Formentera ist die Schweigeminute zur selben Zeit vor dem Sitz der Inselverwaltung in Sant Francesc geplant.
Auch die Gemeinden Santa Eulària, Sant Antoni, Sant Josep und Sant Joan beteiligen sich: Um 20 Uhr finden die Trauerveranstaltungen vor den jeweilige Rathäusern statt. Zu den Schweigeminuten seien Bürger zum gemeinsamen Gedenken an die Opfer willkommen, teilten die Gemeinden mit.





