Wir haben auf Ibiza immer noch einige wenige traditionelle Geschäfte, die mit bemalten Fliesen, polierten Holzvitrinen und freundlicher Bedienung an alte Zeiten erinnern. Ein Hotspot in dieser Hinsicht ist die Altstadt Barcelonas. Einen Katzensprung von Ibiza entfernt, lädt Kataloniens Hauptstadt mit ihrem brodelnden Leben zu Kurzbesuchen ein. Mit schönen Hotels, hervorragenden Restaurants, vielerlei Museen, Kunstausstellungen und eben auch den alteingesessenen Läden und ihrem vielseitigen Angebot.
Einkaufen als sinnliches Erlebnis
Fotograf Benito Barajas und Autor Stephan Mitsch haben das wunderbar bebilderte Buch „Feine Läden Barcelona“ herausgegeben. „Wo Einkaufen zum sinnlichen Erlebnis wird“, heißt es auf dem Buchrücken und vermittelt sich sogar beim Durchblättern.
Das Angebot ist immens, auch wenn Stephan Mitsch zu Recht bedauert, dass dem Bauboom, der mit den Olympischen Spielen 1992 einsetzte, durch Spekulation und Geldgier viele der alten Gebäude und schönen Läden zum Opfer fielen. Erst ab 2016 schützte das Rathaus die „comercios emblemáticos“. Dennoch blieben von den damals 211 im Jahr 2023 nur 71 übrig. Manche waren schließlich Opfer der Ausgangssperre und Pandemie geworden.
29 finden sich im Buch. Barajas und Mitsch ist es wichtig, dass sie nicht als Museumsläden oder Themenpark abgehakt werden. Sie „dienen tatsächlich dem Lebensunterhalt der Menschen, die in diesen Vierteln leben, und sie halten dem Druck stand, der auf ihnen lastet“. Dieser Druck hat viele Seiten, hier sei nur die monatliche Ladenmiete von 9000 bis 15.000 Euro genannt.

Die meisten der vorgestellten Konditoreien, Hutmacher, Buchläden, Bekleidungsgeschäfte und auch Bars stammen noch aus der Zeit des katalanischen Modernisme, dem Jugendstil. Der empfängt den Besucher mit geschwungenen Türgriffen, farbigen Fliesen, gerundeten Holzbänken und Spiegeln – mit Stil und Klasse eben. Manche Läden und ihr Mobiliar sind sogar noch viel älter.
Auch im 21. Jahrhundert
Junge Nachfolger, die die Geschäfte übernehmen oder als Familienmitglieder weiterführen, oder der Hinweis auf den Online Shop an der Schaufensterscheibe beugen Nostalgie vor und signalisieren Geschäftstüchtigkeit im 21. Jahrhundert.
Die Patisseria Mauri ist eine herrschaftliche Konditorei, die ihr Angebot im Laufe der Zeit um Sandwichs und Speisen zum Mitnehmen erweitert hat. Geschäftsleuten bietet sie in der Mittagspause Menus. Andere verkaufen Wein und geben Sommelier-Kurse, jeder sucht sich seine Nischen, um attraktiv zu bleiben. Viele beliefern die besten Restaurants der Stadt. „Man muss sich ständig weiterentwickeln, lernen und auf dem Laufenden bleiben“, erklärt Georgina, die Urenkelin des Gründers der berühmten Bäckerei Fleca Balmes.

Gastronomie und Reiseliteratur finden im Espai Quera im Gotischen Viertel zusammen. Alte Kneipen, die mal Delikatessläden waren oder es noch sind, werden vorgestellt und ihre Geschichte erzählt.
Das Delikatessengeschäft Queviures Múrria im Eixemple bietet eine herrliche Auswahl an Käse, Wurstwaren, Konserven, Olivenöl, Wein und Cava. „El Murri“, eine zwanglos integrierte Bar mit kleinen Gerichten, belebt das Geschäft zusätzlich. Und das Restaurant „1898“ mit nur vier Tischen bietet Feinschmeckern Fine Dining zu freundlichen Preisen. Wer nur für ein Instagram-Foto hereinschauen will, muss übrigens 5 Euro zahlen. Fotografieren verboten steht auch an der Llibreria Rodés.
Einzigartiger Ofen
Casa Gispert ist ein 175 Jahre alter ehemaliger Kolonialwaren-Laden im Born, der noch Nüsse röstet. Der Ofen ist in Europa einzigartig und der letzte seiner Art, schreibt Mitsch und verrät auch sein Geheimnis.
Gewürze gibt es in der Casa Perris vom Feinsten. Auch Safran, der mit 18.000 Euro pro Kilo wohl das teuerste ist. Und nicht nur in Persien, Indien und der spanischen Region Kastilien-La Mancha, sondern seit 2016 auch in Altenburg in Thüringen angebaut wird.
Die Jugendstilfassade der Ganivetería Roca überrascht neben Paris und Barcelona mit Solingen in großen Lettern. Hier werden Messer aus aller Welt verkauft und der Gründer, Ramón Roca, hatte ihre Herstellung auch in Solingen gelernt.

Wussten Sie, dass sich „der älteste Fachhandel für Illusionskunst und Zauberei der Welt“ in Barcelona befindet? „El Rei de la Màgia“ für große und kleine Zauberer verkauft nicht nur das Zubehör für gelingende Sinnestäuschung, sondern veranstaltet für ein kleines Publikum freitags, samstags und sonntags Zaubervorstellungen.
Empfehlenswertes Buch
Die überaus informativen und gut geschriebenen Texte vermitteln Wesentliches über die Stadt und ihre Menschen. Das macht schon die Vorbereitung auf den Ausflug nach Barcelona zum Vergnügen.
Als „Comercios emblematicos“ werden übrigens auch Läden auf den Balearen „geschützt“. Den Geschäften auf Ibiza widmen wir eine Reportage in einem der kommenden IbizaHEUTE-Magazine.

Benito Barajas und Stephan Mitsch
Feine Läden Barcelona. Traditionsgeschäfte und Manufakturen
Frederking & Thaler, München 2026, 256 Seiten, 39,99 Euro.
ISBN 978-3-95416-458-5



