IH+: Fehlender Wohnraum

Behörden räumen größtes illegales Camp auf Ibiza

Das größte informelle Barackenlager Ibizas ist Geschichte: Die Behörden haben das Lager Sa Joveria nahe dem Messegelände von Eivissa am Dienstag vollständig geräumt und anschließend mit dem Abriss begonnen. Der Einsatz verlief ohne Zwischenfälle, die meisten Bewohner hatten das Gelände bereits in den vergangenen Wochen verlassen.

Am Vormittag rückten Einsatzkräfte der Nationalpolizei und der örtlichen Polizei gemeinsam mit Mitarbeitern des Sozial- und Umweltamts an. Gegen 10 Uhr betraten sie das weitläufige Areal zwischen Messegelände und dem Krankenhaus Can Misses. Nur noch wenige Menschen hielten sich zu diesem Zeitpunkt dort auf. So mancher Campbewohner packte gerade seine letzten Habseligkeiten zusammen. Es habe „in keiner Weise“ Widerstand gegeben, sagte Bürgermeister Rafael Triguero.

Bagger bei der Räumung des illegalen Camps Can Rova vor wenigen Monaten. Foto: Dieter Abholte

Skrupellose Vermieter

Sozialarbeiter kümmerten sich um mehrere verbliebene Bewohner, darunter auch besonders schutzbedürftige Personen. Einige verkrafteten die Situation nur schwer und zeigten sich ob ihrer Lage verzweifelt. Begleitet wurde der Einsatz von großem Medieninteresse;  für Pressevertreter war eigens eine Infrastruktur aufgebaut worden.

Rund drei Stunden nach Beginn der Räumung begannen Bagger damit, die verbliebenen Hütten niederzureißen. Schätzungen zufolge standen noch etwa hundert der provisorischen Unterkünfte, bevor sie der Räumung zum Opfer fielen. Für zusätzliches Aufsehen sorgte die Aussage Trigueros, einzelne Hütten seien gegen Geld vermietet worden. Bewohner hätten demnach „zwischen 200 und 500 Euro“ pro Monat gezahlt – an Personen, die sich „das Wohnungsdrama zunutze machten“.

Tickende Zeitbombe

Der Bürgermeister bezeichnete die Räumung als eine der „schwierigsten Entscheidungen“ seiner Amtszeit. „Aus Verantwortung und aus Gründen der Gerechtigkeit, aber auch wegen der Sicherheit der Menschen, mussten wir diesen Schritt gehen“, erklärte er vor Ort. In den vergangenen Monaten sei in verschiedenen Berichten der Verwaltung vor erheblichen Risiken gewarnt worden. So sollen zahlreiche Gasflaschen im Lager zum Einsatz gekommen sein, zudem habe es Gefahren für die umliegenden Grundwasservorkommen gegeben. Im vergangenen Sommer soll die Siedlung mit bis zu 500 Bewohnern und rund 200 Hütten ihren Höchststand erreicht haben. Ein ähnliches Szenario befürchtete die Stadt für die kommende Hochsaison.

Die Siedlung der Wohnmobile und Barracken Sa Joveria am Stadtrand von Eivissa. Foto: Rathaus Eivissa

Triguero sprach von einer „tickenden Zeitbombe“, die man vor Beginn der Tourismussaison habe entschärfen wollen. Dass es bislang nicht zu einem Unglück gekommen sei, sei „der Gnade Gottes“ zu verdanken. Zugleich kündigte er ein härteres Vorgehen gegen vergleichbare Siedlungen und deren Initiatoren an.

Wohnwagen dürfen bleiben

Parallel zur Räumung begannen umfangreiche Aufräumarbeiten. Die Kosten dafür soll der Eigentümer des Grundstücks tragen. Er ist nach Angaben der Stadt auch verpflichtet, das Gelände nach der Säuberung einzuzäunen.

Vorläufig nicht betroffen von der Räumung ist eine benachbarte Ansammlung von rund 30 Wohnwagen, in denen etwa 60 Menschen leben, darunter Frauen und Kinder. Die Bewohner hatten am Morgen noch mit einer sofortigen Räumung gerechnet und teilweise bereits ihre Sachen gepackt. Gegen 11 Uhr informierten Polizeibeamte sie jedoch, dass sie vorerst bleiben dürften. Langfristig will die Stadt jedoch auch für diesen Bereich räumen, ein offizielles Verfahren ist bislang aber nicht eingeleitet worden.

Mit dem Ende von Sa Joveria richtet sich der Blick der Behörden bereits auf das nächste informelle Barackenlager. Auch dieses befindet sich im Speckgürtel der Inselhauptstadt, in der Nähe des Stadions Can Misses. Die Räumung solle noch in diesem Monat über die Bühne gehen, sagt Triguero.

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