Editorial von Dieter Abholte

Der Spirit von Ibiza – das besondere Insel-Feeling

Liebe Leser,

Dieter Abholte

gestern hatte ich ein Interview mit einem TV-Team von „Kabel 1“. Tommy Scheel und Igor Rosenfeld drehen auf Ibiza Reportagen für die TV‑Serien „Abenteuer Leben“ und „Abenteuer Leben am Sonntag“. Es sind zwei gestandene Reporter. Tommy Scheel schreckt beim Dreh auf Ibiza auch nicht davor zurück, aus halber Höhe des „Finger Gottes“ in Benirràs ins Meer zu springen – 15 Meter tief. Igor Rosenfeld ist auf der ganzen Welt zu Hause. Er zwängt sich in ein Kanu auf dem Amazonas, dreht in den Schneewüsten von Alaska oder sucht nach den Spuren der Hippies auf Bali.

Also beide haben schon viel erlebt, kennen viele Orte der Welt. Doch auf Ibiza, so sagen beide, haben sie ein ganz besonderes Gefühl kennengelernt. Ein Gefühl, das sie in dieser Intensität nicht kannten: Die Insel zieht sie in ihren Bann. Mag man es Spirit nennen, Entdecken des Sehnsucht-Ortes, oder Faszination… So richtig erklären kann man es nicht, man fühlt es, spürt es, will nie mehr weg.

Viele von uns haben es erlebt. Und oft trifft der Satz zu, den ich noch aus Hippie-Zeiten kenne und der noch immer gilt: Entweder hasst man Ibiza, oder liebt Ibiza – und kommt von der Insel nie mehr los.

Gut, jetzt ist das Ibiza von heute nicht mehr mit dem Ibiza aus den 1970er-Jahren zu vergleichen. 5-Sterne-Hotels gab es damals nicht, sondern nur einfache Hostels. Sterne-Köche? Was ist das? Häuser am Meer? Wer ist so verrückt, bei der feuchten salzigen Luft da zu bauen? Fischerhütten ja, aber mehr auch nicht. Damals gab es auch keine abschließbaren Türen. Warum auch. Diebstahl? Kannte man nicht. Yachthäfen und Clubs auch nicht. Manchmal verirrte sich ein einsamer Segler in eine Bucht. Und die Musik machten sie sich bei Volksfesten selbst.

Damals waren die Strände leer, die Insel von Pinien bedeckt. Dort, wo heute Straßen sind, wo man 100, 80 oder mindestens 50 km/h fahren darf, rumpelten Esel-Karren über schmale Caminos. Die zwei oder drei Taxis trauten sich nur nach Eivissa, Sant Antoni und Santa Eulària. Cala Sant Vicent im Norden konnte man nur mit dem Boot erreichen, eine Straße über die Berge gab es nicht. Und so mancher alte Ibizenko, der in der Inselmitte wohnte, hat nie im Leben das Meer gesehen. Viel zu weit – und warum auch. Das Meer gehört den Fischern. Im Hafen keine teuren Yachten, sondern nur Lastkähne aus Valencia und die Fähre, die einmal in der Woche von Barcelona kam…

Also, das Ibiza 2026 hat mit dem Ibiza von 1970 nichts mehr zu tun. Und trotzdem hat es das Besondere nicht verloren. Und es gilt für beides. Für das neue Gesicht der Insel mit den Flugzeugen, die in der Saison im 5-Minuten-Takt starten und landen. Mit den Clubs, wo Nacht für Nacht 10.000 oder mehr Clubber feiern. Mit dem Luxus von 5-Sterne-Hotels, teuren Beach-Clubs, wo eine Flasche Champagner mehr kostet als das, was den Bauern und Fischern nach einem ganzen Jahr Arbeit übrig blieb.

Aber auch das alte Ibiza ist noch da. Tommy Scheel und Igor Rosenfeld, die beiden Reporter von „Abenteuer Leben“, haben es gefunden, vor allem im Norden der Insel. Mit den Pinienwäldern, den schroffen Steilküsten, den traumhaften Buchten mit hellem, feinem Sand und türkisfarbenem Wasser. „Es ist“, so sagt Reporter Tommi Scheel, „als wenn die Zeit dort stehen geblieben ist. So, wie ich es als Kind erlebt habe.“ Tommys Familie besitzt in der Cala Llenya ein Haus, wo er so gut wie jede Ferien verbrachte. Für ihn steht fest: „Ich werde einmal meinen Traum erfüllen, hier ganz zu leben.“

Aber man spürt dieses besondere Ibiza nicht nur in der Natur, sondern auch bei den Menschen der Insel. Sie sind anders, freundlich, gelassener. Ich war gestern zum Einkaufen im Supermarkt. Okay, es ist völlig verrückt, samstags einzukaufen. Ging aber nicht anders. Knallvoller Parkplatz, endlose Kurbelei beim Parken, aber keiner hupte oder fluchte. Die Gänge voller Einkaufswagen, aber keiner drängte oder schimpfte. Auch nicht, als zwei Frauen im ziemlich verstopften Gang sich mit Umarmung und Schwätzchen begrüßten. Man hat sich halt lange nicht mehr gesehen…

Und beim Vor- und Rück-Rangieren mit vollem Einkaufswagen kam mal eine Entschuldigung, und immer das Lächeln, das sagt: „So ist es halt am Samstag …“ Und die Kassiererin an der vollen Kasse verdrehte auch nicht die Augen, sondern zählte geduldig das Geld ab, das ihr eine alte Ibizenkerin in der Hand hinhielt. Eine alte Dame, die mit dem modernen Kram wie Kreditkarte oder Dingsbums-Plus nichts am Hut hatte. Und niemand in der Schlange zischte das, was ich in Deutschland oft gehört habe: „Wieso hält die hier den Betrieb auf? Die soll doch in der Woche einkaufen, hat doch Zeit genug.“

Solche Erlebnisse wie an der Kasse des Supermarktes, oder das Lächeln, wenn man sich zum dritten Mal mit dem Einkaufswagen am gleichen Regal begegnet, gehören für mich zum besonderen Charme Ibizas. Und auch, die Art, wie ich als Ausländer behandelt werde: freundlich, als sei ich einer von ihnen. Und das ist nicht selbstverständlich auf einer Insel, wo nicht zuletzt der Tourismus für Wohnungsnot und teure Preise mit verantwortlich ist. Natürlich lebt die Insel vom Tourismus, aber ist das allen bewusst? Da wäre schnell das Feindbild gegen die Ausländer aufgebaut, wie es auf Mallorca ist. Ich habe das hier noch nicht erlebt.

Vielleicht sehe ich alles zu rosig, zu positiv. Aber so ist das, wenn man wen oder etwas liebt. Und ich liebe die Insel – damals wie heute. Ich denke, vielen von ihnen wird es ähnlich gehen.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Sonntag und einen guten Start in die Woche. Auf Ibiza heben wir heute wieder einen Traumtag mit ein paar Wolken am blauen Himmel und bis 29 Grad. Ich will Sie nicht neidisch machen, wenn Sie nicht auf der Insel sind. Aber Sie vielleicht verführen, herzukommen. Denn Ibiza und Formentera sind im Herbst wunderbar.

Herzlich Ihr Dieter Abholte

 

Auch interessant?

Aktuelles E-Paper

E-Paper IbizaHEUTE September 2026
  • IbizaHEUTE Natur: Sonnenuntergänge und Traum-Strände
  • IbizaHEUTE Exklusiv: Heisse Mode und 11 coole Insel-Tipps
  • IbizaHEUTE Gourmet: Feinschmecker-Treffs und Insel-Fiestas
Jetzt abonnieren

Events & Termine

Zu allen Events