Was ist, wenn die teuren Preise Ibiza und Formentera immer mehr zum Problem werden und Urlauber wegbleiben? Die ersten Warnschüsse gab es schon auf der Internationalen Tourismusbörse in Berlin. Das ist das Thema beim Editorial des Chefredakteurs von IbizaHEUTE.
Liebe Leser,

der Sturm, der gestern über Ibiza und Formentera fegte und den Regen vor sich hertrieb, ist weniger geworden. Aber endlich hat es mal wieder geregnet. Man spürt förmlich das Aufatmen der Natur. Irgendwie sind die Bäume und Sträucher jetzt etwas grüner. Und die Sonne scheint wieder vom blauen Mittelmeer-Himmel. So soll es auch heute bleiben: Sonne satt mit 18 Grad im Schatten. Das wird ein schöner Sonntag auf Ibiza und Formentera. Heute werden auch die letzten Politiker und Touristen-Experten von der „Internationalen Tourismus Börse“ in Berlin (ITB) zurückkehren. Und sie bringen erst einmal Gutes mit, zumindest auf den ersten Blick.
Das Fazit lautet: Ibiza und Formentera stehen weiter ganz oben auf der Liste der Urlaubsziele der Deutschen. Da macht auch erst einmal die Tatsache nicht viel, dass im vergangenen Jahr weniger Deutsche auf die Inseln kamen. Schließlich waren es ja nur 3 Prozent weniger – und sie gaben dafür aber mehr Geld aus. Die Kasse stimmte also. Ich möchte jetzt kein Wasser in den Wein der Begeisterung schütten. Aber es ist so, wie meine Kollegin Clementine Kügler auf IbizaHEUTE-Online in ihren aktuellen Meldungen schrieb: Die Deutschen gaben nicht mehr Geld aus, weil sie es toll fanden und dafür mehr bekamen – ganz gleich ob Luxusartikel oder besondere Erlebnisse – sie mussten mehr Geld ausgeben. Und zwar für Hotels und Restaurants.
Ibiza ist einfach teurer geworden, viel teurer – und Formentera erst recht. Schauen Sie einmal in die Kataloge oder auf die Online-Seiten der Urlaubs-Angebote in der Saison. Ein Hotel unter 300 Euro die Nacht zu bekommen, ist da schon ein Schnäppchen. Ähnliches gilt für viele Restaurants: teuer, noch teurer, am teuersten. Natürlich gibt es auch Adressen, wo die Preise immer noch stimmen. Wir kennen sie – aber die Touristen eben nicht. Bei den meisten schnappt die Kostenfalle gnadenlos zu.
Unsere Tourismus-Experten und Politiker mussten sich auf der ITB die Warnung anhören, dass Ibiza und Formentera das Preisniveau der Côte d’Azur erreicht oder überschritten haben – Santa Eulària oder Sant Josep teurer als Saint Tropez.
Das wäre noch irgendwie akzeptabel, wenn Preis und Leistung stimmen würden. Wenn das 5-Sterne-Hotel wirklich 5 Sterne verdiene. Und das Menü für 100 Euro im Restaurant wäre das Geld wert. Aber auf Ibiza ist die Regel, dass alte 3-Sterne-Bunker entkernt oder mit wenig Aufwand umgebaut werden – um dann das polierte Messingschild mit 5 Sternen an den Eingang zu hängen. Wohl gemerkt, ohne dass sich die nicht besonders gute Lage, die Bauqualität oder die Zimmergröße groß geändert hätten.
Aber das merkt der durch tolle Fotos und blumige Versprechungen angelockte Tourist erst, wenn er ankommt. Dann ist er da, hat im Voraus alles gezahlt und sagt vielleicht: Ibiza nie wieder!
Ich habe gute Freunde, die mit dem eigenen Betrieb zu den Besserverdienenden gehören, mir aber klar sagen: „Wir haben Ibiza durch dich kennengelernt und finden die Insel toll. Aber sei uns nicht böse, bei den Preisen kommen wir nicht mehr!“ Noch deutlicher ist es bei einer befreundeten Familie mit zwei Kindern aus der Nachbarschaft in Hamburg. Ihr Kommentar: „Für das Geld, das ich bei euch für zwei Wochen in einem einfachen 3-Sterne-Hotel ausgeben soll, kann ich in der Türkei vier Wochen in einem 5-Sterne-Plus-Palast und all-inclusive wohnen.“
Die Touristenzahlen zeigen es: Die Türkei hat Spanien als Urlaubsland überholt. Sie boomt, weil Spanien zu teuer ist – und die Türkei viel mehr Luxus und Service für viel weniger Geld bietet.
Natürlich kann man sich auf den Stand stellen und verkünden: „Was soll’s. Die Urlauber kommen trotzdem!“ Ja, sie kommen – noch. Aber viele kommen nicht mehr. Man darf gespannt sein, wie es weitergeht. Was ist, wenn die Schönen und Reichen, die jetzt das Image Ibizas bestimmen, ein anderes und neues Ziel entdecken? Wenn Fußballstars, TV-Serien-Sternchen, Influencer mit Millionen-Followern und auch die Hollywood-Größen nicht mehr nach Ibiza und in die Schlagzeilen kommen? Wenn die Insel nicht mehr so „in“ ist, dass man da sein möchte, wo die Idole sind?
Dann wird es eng auf der Insel mit den teuersten Yachtliegeplätzen des gesamten Mittelmeers, mit den 5-Sterne-Hotels, die keine 5-Sterne sind. Wir werden erleben, wie sich der Tourismus auf Ibiza und Formentera weiter entwickelt. Wenn ich in der Tourismus-Industrie tätig wäre, würde ich mir Gedanken für einen Plan B machen …
Aber genießen wir den Sonntag ohne allzu trübe Gedanken. Auf meinem Plan steht heute ein Essen mit besten Freunden in einem echt spanischen Restaurant. Ich hoffe, auch Sie haben einen schönen Sonntag und einen guten Start in die Woche.





