Unser Chefredakteur schreibt über seine Sehnsucht nach den Inseln, darüber, wie man die richtigen Restaurants erkennt und wie man auch im Winter sein Restaurant am Strand findet.

Liebe Leser,
kennen Sie das auch? Man lernt erst das richtig schätzen, was man plötzlich nicht mehr hat. Mir geht es zurzeit so. Ich bin seit dem Jahreswechsel in Hamburg, also fern von Ibiza und Formentera. Keine Frage, ich liebe Hamburg, es ist meine Heimatstadt. Ich liebe die Alster, diesen romantischen See mitten in der Stadt. Ich liebe die Elbe. Besonders, wenn die riesigen Schiffe elbabwärts in Richtung Nordsee ziehen. Ich liebe auch die Hamburger Mentalität: auf den ersten Blick steif und scheinbar unnahbar. Aber im Grunde freundlich, hilfsbereit, gradlinig. Und die besten und ehrlichsten Freunde, die man sich wünschen kann.
Es wird in anderen Teilen Deutschlands ähnlich sein. Wohl so, wie eigentlich jeder, der seine Heimat und die Menschen dort liebt, weil sie etwas ganz Besonderes sind. Das Zuhause, wo man sich wohl und geborgen fühlt, wo Menschen sind, die man liebt und von denen man geliebt wird.
Das alles nur vorweg. Ich habe mich auf Hamburg gefreut, auf die Familie, die Freunde. Aber schon nach reichlich einer Woche ohne Sonne, aber dafür mit Nieselregen und Grau in Grau kam die Sehnsucht nach meiner Insel. Sehnsucht nach dem blauen Himmel über Ibiza und Formentera. Sehnsucht nach den Spaziergängen am Strand. Sehnsucht nach der Sonne, die auch im Winter so herrlich wärmt. Auch nach dem Sprachgewirr in den Restaurants am Strand oder in den Orten. Und – vor allem – nach dem Licht der Inseln.
Es ist nun mal so, dass auf den Pityusen, also auf Ibiza und Formentera, im Winter, die Tage bis zu zwei Stunden länger sind als in Deutschland, zumindest in Deutschlands Norden. Wenn, wie heute, die Sonne um 17.48 im Meer vor Ibiza versinkt, ist es bei mir in Hamburg schon seit kurz nach 16 Uhr dunkel. Und damit erlischt, zumindest bei mir, ein großer Teil der Aktivität. Jetzt noch einen Artikel schreiben – muss das sein? Vielleicht noch einen Spaziergang an der Elbe entlang. Im Dunkeln? Eher nicht! Ich muss mich sogar dazu zwingen, mich abends zu verabreden.

Gut, heute liegt in Hamburg Schnee und das ist märchenhaft und schön. Sogar die Sonne scheint, wunderbar und romantisch. Doch wenn in ein paar Tagen wieder Nebel und Nieselregen zurückkommen, kehrt die Tristesse mit einem Schlag zurück – und damit meine Sehnsucht nach dem Süden.
Was ich damit sagen will: Wahrscheinlich nicht nur ich nehme das Leben auf den Inseln als selbstverständlich hin. Wir schätzen oft nicht, welches Glück wir haben, auf Ibiza oder Formentera leben zu dürfen. Das Wetter; der blaue Himmel; das Meer, in dem sich die Sonne spiegelt, sodass es wie flüssiges Silber wirkt. Dazu die Toleranz der Menschen, die Liebenswürdigkeit der Ibizenkos, von denen sich die meisten auch nicht vom Massentourismus und dem schnellen Geld verbiegen lassen.
Das meine ich genauso, wie ich es geschrieben habe. Die Restaurants mit den unverschämten Preisen sind überwiegend keine, die von Insulanern geführt werden – sondern von Ausländern. Von Deutschen, Franzosen, Italienern, Engländern und von Spaniern vom Festland. Für die sieht das Geschäft so aus: Die Touristen-Saison, in der man Geld verdienen kann, ist kurz – also so viel Geld machen, wie es geht. Und wenn das nur über unverschämte Preise geht.
Natürlich zieht der eine oder andere Ibizenko mit. Denn Geld verdienen wollen, ist keine Schande – und schließlich war Ibiza schon seit dem Mittelalter eine Piraten-Insel. Aber es gibt einfach auch die Tatsache, die da heißt: Wenn ich den Bogen überspanne, verdiene ich zwar im Sommer mit den Touristen, aber in der Nebensaison kommt niemand mehr. Tatsache ist: So gut wie kein Ibizenko geht in ein Restaurant, wo er abgezockt wird. Und das würde sich auch ganz schnell herumsprechen auf der kleinen Insel. Also gibt es so etwas wie eine „soziale Kontrolle“. Bei unfairen Preisen bleibt der Laden einfach leer und ist spätestens im Frühjahr pleite.
Deshalb mein Tipp: Kommen Sie an einem Restaurant in Eivissa, in Santa Eulària, in Sant Antoni oder sonst wo, wo richtig Betrieb herrscht, denken Sie nicht: Hier ist es mir zu voll und zu laut. Ich suche mir eins mit weniger Leuten, weniger Lärm. Tatsache ist: Hier sind Sie richtig. Denn dort, wo die Ibizenkos mit Familie und Freunden Essen und Wein genießen, stimmen Qualität und Preise. Zugegeben, das geht da oft mit ziemlicher Lautstärke zu. Aber das ist Spanien, ist Lebensfreude…
Übrigens: Wenn Sie direkt am Meer und mit den Füßen im Sand in der Mittagssonne essen und trinken wollen, finden Sie die richtigen Adressen in unserem Magazin „IbizaHEUTE“ mit dem Titel „Ibiza im Winter“. Unser Magazin ist an den Kiosken der Insel zu erhalten. Das nur als Tipp am Rande.

Ich wollte Ihnen eigentlich nur sagen, wie sehr man die Schönheit, die Natur, die Einzigartigkeit von Ibiza und Formentera vermisst, wenn man nicht auf den Inseln ist. Auch wenn es – wie bei mir – nur für ein paar Wochen ist. Ich freue mich schon darauf, wenn ich auf dem Flughafen von Ibiza wieder aus dem Flieger steige, wenn es nach Meer und Pinien duftet. Dann bin ich wieder wirklich Zuhause.
Aber auch wenn Sie nicht auf den Inseln leben, können Sie ja von Ibiza und Ihrem nächsten Insel-Aufenthalt träumen. Oder Sie kommen rüber. Vielleicht nur für ein verlängertes Winter-Wochenende oder auch länger. Zugegeben, es ist etwas mühsam, die Inseln ohne echte Direktflüge zu erreichen. Aber über Palma, Barcelona oder Madrid geht es immer. Und es lohnt sich. In diesem Sinne, einen schönen Sonntag und eine gute Woche, wo immer Sie sind.





