Mit der ersten Muttermilchspenderin auf Ibiza hat das Krankenhaus Can Misses eine lange geplante Spendeninitiative für Frühgeborene und kranke Neugeborene gestartet. Das neue Programm ermöglicht es Müttern erstmals, ihre Muttermilch direkt auf der Insel zu spenden.
Bislang konnten zwar Frühchen auf Ibiza bereits gespendete Milch aus Mallorca erhalten – ibizenkische Mütter selbst hatten jedoch keine Möglichkeit zur Spende vor Ort. Die erste Frau, die dem Aufruf gefolgt ist, ist Sandra Yedallah. Ihre Entscheidung beruhe auf einer „persönlichen Erfahrung“, so die zweifache Mutter: Ihr erster Sohn kam als Extremfrühchen nach nur 25 Schwangerschaftswochen und mit rund 700 Gramm zur Welt. Während des Klinikaufenthalts habe sie erlebt, welche „Bedeutung Muttermilch für besonders fragile Neugeborene“ haben könne.
„Damals wurde mir klar, wie wichtig das ist“, erinnert sich Yedallah. Sie habe ihren Sohn im Inkubator gesehen und dabei sei ihr bewusst geworden, „wie sehr meine Milch ihm hilft“. In dieser Zeit pumpte sie nach eigenen Angaben alle drei Stunden Milch ab. Körperlich und psychisch sei das extrem belastend gewesen. „Stress sorgt wiederum dafür, dass man weniger Milch produziert. Aber ich wusste, dass ich es für ihn tun musste.“
Bislang vier Teilnehmerinnen
Als sich Yedallah jetzt die Möglichkeit eröffnete, ihre Muttermilch für andere Neugeborene zu spenden, zögerte sie nicht lange. Sie wirbt offen dafür, dass mehr Frauen sich beteiligen. „Es ist sehr erfüllend zu wissen, dass man nicht nur sein eigenes Kind ernährt, sondern auch einem anderen Baby helfen kann“, sagt sie.
Nach Angaben des Gesundheitsbereichs Ibiza und Formentera läuft das Programm seit April. Vier Frauen seien derzeit aktive Spenderinnen. Interessierte Mütter können sich in Gesundheitszentren und im Krankenhaus Can Misses melden. Vor der Zulassung werden eine medizinische Befragung und verpflichtende Bluttests durchgeführt. Anschließend erhalten die Frauen ein Kit mit Milchpumpe, Behältern und Hygienehinweisen. Die Milch wird zunächst auf Ibiza tiefgekühlt gesammelt und danach nach Palma de Mallorca gebracht. Dort wird sie analysiert, pasteurisiert und anschließend an Kliniken verteilt.
Die Hebamme Nieve Clara Matteazzi, die das Projekt gemeinsam mit Kollegin Neus Castilla auf Ibiza betreut, spricht von einer „seit Jahren“ erwarteten Initiative. Viele Frauen hätten immer wieder gefragt, wie sie auf der Insel Muttermilch spenden könnten. Nun sei endlich eine Struktur geschaffen worden.
Hilfreich nach Fehlgeburt
Die gespendete Milch ist vor allem für Frühchen mit sehr niedrigem Geburtsgewicht bestimmt – insbesondere für Kinder unter anderthalb Kilogramm, deren Mütter vorübergehend keine eigene Milch geben können. Laut Experten stärkt Muttermilch das Immunsystem, verhindert schwere Darmerkrankungen bei Frühgeborenen und fördert die neurologische Entwicklung. Zudem werde sie häufig besser vertragen als künstliche Nahrung und könne Krankenhausaufenthalte verkürzen.
Das Programm richtet sich ausdrücklich auch an Frauen, die ein Kind während oder kurz nach der Schwangerschaft verloren haben. Das Spenden könne in solchen Fällen helfen, den Verlust zu verarbeiten, berichtet das Klinikpersonal unter Verweis auf Erfahrungen anderer Betroffener.
Für Yedallah steht hinter der Spende mehr als nur medizinische Versorgung. Sie versteht sie als Form stiller Solidarität zwischen Müttern. „Mein Sohn hat damals selbst gespendete Muttermilch bekommen“, sagt sie. Deshalb hoffe sie nun, „dass möglichst viele Mütter den Wunsch und die Bereitschaft haben, anderen Familien dieselbe Chance zu geben“.





