Die Hitze verdirbt Urlaubern auf Ibiza in diesem Sommer offenbar den Durst und Appetit. Nach Angaben des Branchenverbands der Gastronomie auf Ibiza und Formentera leiden Bars und Restaurants gleich unter zwei negativen Entwicklungen. Neben den hohen Temperaturen schauen die Gäste offenbar auch mehr aufs Geld.
Miquel Tur, Präsident des Gastronomieverbandes der Unternehmervereinigung Pimeef, spricht von einer „schwierigen Saison“. Die Branche kämpfe inzwischen bereits seit rund drei Jahren mit stark schwankenden Umsätzen. Ursache sei ein verändertes Reiseverhalten. Flüge, Unterkünfte und andere Urlaubskosten seien erheblich teurer geworden. Deshalb blieben viele Besucher kürzer auf der Insel und verfügten über ein „deutlich niedrigeres Budget“.
Hitzeresistente Nordeuropäer
Besonders die Gastronomie bekomme diesen Sparzwang zu spüren. Weil Ausgaben für Flug und Hotel kaum vermeidbar seien, werde beim Essen gespart. „Ein Gast, der früher viermal essen gegangen ist, macht das heute nur noch zweimal“, will Tur beobachtet haben. Viele Urlauber wechselten inzwischen zwischen Restaurantbesuchen, Supermarkteinkäufen und Speisen zum Mitnehmen. Für die Betriebe werde die Nachfrage dadurch immer unberechenbarer. Auf Tage mit voll besetzten Lokalen folgten mitunter Phasen, in denen kaum Gäste kämen.
Zusätzlich erschweren die hohen Temperaturen den Alltag der Gastronomen. Besonders zur Mittagszeit blieben viele Terrassen leer, weil Urlauber klimatisierte Gasträume bevorzugten. Erst am Abend, wenn die Temperaturen etwas nachließen, kehrten mehr Gäste ins Freie zurück. Zwar investierten viele Betriebe in Sonnensegel, Schattenspender und Verdunstungsventilatoren. An besonders heißen Tagen reiche das jedoch oft nicht aus. „Ein Restaurantbesuch soll ein angenehmes Erlebnis sein“, sagt Tur. Bei extremer Hitze werde die Nahrungsaufnahme im Freien jedoch schnell zur Qual.
Unterschiede beobachtet der Branchenvertreter je nach Herkunft der Urlauber. Vor allem Gäste aus den nordischen Ländern säßen trotz hoher Temperaturen weiterhin unbeeindruckt draußen. Spanische Urlauber hingegen suchten bei großer Hitze eher klimatisierte Räume auf.
Höhere Betriebsausgaben
Auch für die Beschäftigten bedeuten die hohen Temperaturen eine zusätzliche Belastung. Die Betriebe versuchten deshalb, die Arbeit im Freien zeitlich zu begrenzen, zusätzliche Mitarbeiter in besonders heißen Stunden einzusetzen sowie ausreichend Getränke und Schattenplätze bereitzustellen. Zwar seien ihm keine Fälle von Hitzschlägen bekannt, sagt Tur. Dennoch sei die Arbeit unter diesen Bedingungen für alle äußerst anstrengend. „Diese Hitze macht uns alle fertig.“
Nach Ansicht des Verbands werden sich Restaurants dauerhaft auf die zunehmend häufigen und längeren Hitzeperioden einstellen müssen. Künftig dürften vor allem in den Hochsommermonaten klimatisierte Innenbereiche weiter an Bedeutung gewinnen. Gleichzeitig sähen sich die Betriebe mit steigenden Betriebskosten (Stichwort Klimaanlagen) konfrontiert und müssten ihre Preise anheben, obwohl sie die Mehrkosten „nur teilweise“ an ihre Gäste weitergeben könnten.
Unter dem Strich beobachtet die Branche einen deutlichen Wandel im Verhalten der Urlauber: Sie verweilen weniger Tage auf der Insel, geben weniger Geld für Gastronomie aus und meiden bei extremer Hitze zunehmend die Außenterrassen. Für viele Restaurants macht das die laufende Saison schwer kalkulierbar.





