Mehr als 20 junge Unechte Karettschildkröten (Caretta caretta), die im vergangenen Sommer auf Ibiza geschlüpft sind, stehen kurz vor ihrer Rückkehr ins Mittelmeer. Die Tiere werden derzeit im Aquarium Cap Blanc in Sant Antoni betreut und sollen nach Angaben der Behörden in den kommenden Tagen ausgewildert werden.
Damit endet für die Schildkröten eine fast einjährige Aufzuchtphase unter kontrollierten Bedingungen. Die Jungtiere stammen aus einem Wurf, der im August 2025 am Strand Es Cavallet im Naturpark Ses Salines entdeckt worden war. Die insgesamt 85 Eier wurden zunächst nach Mallorca gebracht. Nach knapp zwei Monaten schlüpften unter optimalen Bedingungen 38 Schildkröten, die anschließend in eine Forschungseinrichtung überführt wurden.
Dort untersuchten Biologen des Laboratorio de Investigaciones Marinas y Acuicultura die Tiere, erfassten ihre biometrischen Daten und prüften ihren Gesundheitszustand auf Herz und Nieren. Anschließend wurden die Jungtiere in ein sogenanntes Head-Starting-Programm aufgenommen. Bei dieser Methode werden Meeresschildkröten in ihren ersten Lebensmonaten in menschlicher Obhut gehalten und gefüttert, um ihre Überlebenschancen zu erhöhen. Erst nach zehn bis zwölf Monaten werden sie in die Natur entlassen.

Im Aquarium Cap Blanc zeigen die Tiere inzwischen deutlich ihr natürliches Verhalten. Obwohl ihnen in der angeschlossenen Höhle Cova de ses Llagostes ausreichend Platz zur Verfügung steht, halten sie sich dicht gedrängt an einem Gitter eines Kanals auf, der die Höhle mit dem offenen Meer verbindet. Deren Betreuer schließen daraus, dass die Tiere ihrem Instinkt folgen, das offene Meer zu erreichen.
Geringe Überlebenschancen
Die Generaldirektorin für Natur- und Forstmanagement der Balearen, Anna Torres, hatte bereits im vergangenen Jahr auf einen möglichen Zusammenhang mit dem Klimawandel hingewiesen. „Der Klimawandel kann eine der Ursachen für die Veränderung des Fortpflanzungsverhaltens der Meeresschildkröte sein, die nun verstärkt im westlichen Mittelmeer nistet“, sagte sie. Man werde sich deshalb daran gewöhnen müssen, dass Schildkröten ihre Eier künftig häufiger an den Küsten der Balearen ablegen.
Die Unechte Karettschildkröte gilt gemeinhin als gefährdete Art. Nester an den spanischen Mittelmeerküsten werden seit Jahren zunehmend häufiger registriert. Ein Weibchen legt pro Gelege meist zwischen 80 und 100 Eier. Dennoch bleibt die Überlebensrate gering: Schätzungen zufolge erreicht lediglich eines von tausend geschlüpften Jungtieren das Erwachsenenalter. Aus diesem Grund rufen die Behörden dazu auf, bei Hinweisen auf ein Schildkrötennest umgehend die Notrufnummer 112 zu verständigen, damit Schutzmaßnahmen eingeleitet werden können.





